Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 12/2012)

Echte Tragik ist zu allen Zeiten ein Ärgernis: Die einen finden es absurd, andere lächerlich, wieder andere staatsgefährdend …

Der Geisteszustand kann als Landschaft geschildert werden. Die Landschaft kann als ein Geisteszustand geschildert werden. Wer sieht den Unterschied?

Nur äußerste Schwäche der Einbildungskraft führt dazu, dass jemand immer und immer wieder reisen muss.

Das Teditative der Kunst: Sie – und damit die Zeit, das Leben – soll lang weilen.

Wann ist ein Leben nicht ein Leben? Wenn Eindrücke ohne Zusammenhang keinen Wunsch nach Zusammenhang wachrufen?

Aber was denkst du auch. Du hast noch fünf Tage. Oder besser gesagt fünf Nächte. Das hat dir der Arzt gesagt. Und auch angedeutet, dass sie voller Qual sein werden. Gelindert nur durch etwas Morphium. Und anderen heftigen Schmerzmitteln und starken Beruhigungstropfen. Um dich selbst in den letzten Stunden noch ruhigzustellen. Nur nicht auffallen. Auch im Tode nicht.

Ach, hör doch auf. Warum willst du noch bitter sein in den letzten Momenten deines Lebens? Schließlich hast du das Dasein selbst zumindest ab Mitte des Lebens immerhin als ein Geschenk begreifen können. Wir wissen nicht, woher wir kommen, wir wissen nicht, warum wir sind, wir wissen nicht, wohin wir gehen, aber immerhin sind war da. Als eine Art heller Schein zwischen der vorangegangenen Nacht voll Dunkelheit und einer nachfolgenden Nacht. In diesem knappen Abschnitt ist uns die Gabe gegeben, nachdenken zu wollen, nachdenken zu können. Sofern uns der Körper nicht schmerzt und ständig ablenkt.

Am Ende ist also der Leib. Jetzt sind die Schmerzen da, die dich nur noch sehr vermindert denken lassen.

Es ist, wie es ist. Und wie es ist, ist es fürchterlich.

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Wir machen eine kleine Pause …

… bis 4.1. und wünschen unseren Leserinnen und Lesern einen angenehmen Jahreswechsel.



(schellenursli chasing marilyn)

Unsere Titel sind natürlich zwischenzeitlich erhältlich. Z.B. in den Berner Buchhandlungen Münstergass, Zum Zytglogge, Haupt und Stauffacher … Oder durch unsere deutsche Auslieferung bzw. im Kölner Kunstraum Dellbrück.

Blatt 22 (astralische Feuchte, laßt wieder einmal uns gießen)


astralische Feuchte, laßt wieder einmal uns gießen mit Dunkel und Nacht!
     So haben wir hin und herüber Kußhände gegeben, bis endlich die guten Geister die Albernen flohen, und oben in den Lüften eine laute Hohnlache erschallte.
     Da sind wir denn mit unsern Thaten niedergekommen, böse Dinger, Elben genannt, mit schwarzem Kopfe und spitzigem Schnabel, gleich Raupen gesteift, laßt uns sie suchen und still im Wasser der Vergessenheit sie ersäufen.

VIIII. GESPENSTER.

Petit.

     Erst kommen gegangen viel starke Männer, Reisige, Volk, edle Frauen, Heilthum, Segen, gut Gedeihen, , Leben, Lust und Freude, sprechen Alle fröhlich durcheinander, groß Frohlocken, ein sinnig und bedeutend Wesen.
     Wird’s dann dünner, stiller, kämmt ein klein, schielend Männchen gezogen, wirft sich wie ein Salamander in’s Feuer, spritzt Krötengift aus allen Buckeln, fährt alles erschrocken auseinander.
     Stehen sie bestürzt nun von weitem und verschämt, hebt sich das böse Wesen aus der Erde heraus, jedem in einer andern Gestalt, spricht mit jedem in einer anderen Zunge, verführt Alle; sonst ist nichts Unrechts zu bemerken.
     Das Wesen steigt aus und steigt nieder flattert grauslich in der Todtenstille, zieht überall nur ein kalter Zugwind um, sonst ist nichts Unrechts zu bemerken.
     Entsteht ein leises Geflüster, kleine läßliche Sünden schleichen umher, fressen sich untereinander, werden Todsünden daraus.
     Springen darauf einige vor, und schmeicheln dem Wesen, schmunzelt’s gar. freundlich, und giebt Goldpfennige von sich.
     Fallen Viele darüber her, werden abgewiesen, müssen erst Probstück machen und Bürgschaft stellen.
     Schwänzeln und wedeln die Sünden unter den Zuschauern herum, huren da Viele mit ihnen, giebt’s üble Nachkommenschaft.
     Treten einige heraus, wollen großsprechen von Tugend und Gerechtigkeit, werden zertreten, zerrissen, gefressen.
     Kommt dann ein Haufen Kielkröpfe, bringen einen Währwolf geschleppt, der setzt sich in die Mitte, fletscht die Zähne, die nicht wissen das Geheimniß, erblassen.
     Geht’s doch jetzt etwas liederlich zu, wird aber immer gebetet dabey, und ein streng ernsthaft Gesicht gemacht.
     Von aussen man gar nichts sieht, denn das bös Wesen wie ein schwarzer Nebel darüber hängt, drum Alles ganz dezent erscheint.
     Schlagen Schwefelflämmchen in die Höhe, da und dort Kohlengluth, rund um von Hütern umringelt, streicheln sie die Drachen, zünden Weihrauch und Myrrhen an, tanzen um und drum, Alles um den Schatz drunter zu heben.
     Macht der Böse allerley Blendwerk vor, werden sie darüber uneins untereinander, schlagen sich todt, das ist angenehm Brandopfer dem Wesen.


Stimmen / Rezensionen (2/2012)

zu ”sondern”:

“Ein wunderbares Buch. Auf das sich eine einlassen muss. Mühelos.” In: Gleisbauarbeiten, 19.11.2012

zu ”Dranmor”:

Abendschein schreibt zwar keine Autobiographie. Aber er sucht über die Form eine Nähe zur sich mehr in Auflösung befindlichen, in eine Zwischen­welt abdriftenden Persönlichkeit. in: Begleitschreiben, 25.8.2012

Wo ist bloß dieser Text abgelegt? Kunstvoll erzählt Hartmut Abendscheins »Dranmor« vom Schriftstellerwahnsinn. in: junge Welt, 20.10.2012 sowie in den Kulturnotizen, 08.12.2012

Peggy Neidel über Dranmor. in: Poetenladen, 02.11.2012

„Hätte man nur jemand anderen angefasst und ausgegraben“. in: literaturkritik.de, 07.11.2012

Dranmor Passagen im SALON LITTÉRAIRE / (Part 02) in: in|ad|ae|qu|at, 25.11.2012

“Zur Entstehung” in: taberna kritika

– “Verführerisch” in: Die Dschungel. Anderswelt.

zu ”Das Eigenartige Haus”:

– Vorstellung Buch und Blog (logbuch isla volante) in comix 8/12

zu ”taberna kritika – kleine formen”:

Steglitz stellt Hartmut Abendschein mit „taberna kritika“ vor (12.12.2012)

zu ”litblogs.net”:

Beat Suter über Netzliteratur und litblogs.net (PDF)

(…)

– Wir gratulieren unserer Autorin Elisabeth Wandeler-Deck zum Basler Lyrikpreis und freuen uns schon auf ihre Neuerscheinung bei etkbooks im Januar: ”Ein Fonduekoch geworden sein” (Prosa)

– “Ausufernd hingegen geben sich die Skizzen und Notate, die Hartmut Abendschein unter dem Titel „Heliosis, oder: Vom (Un)Trost einer Literaturgeschichte als Klimageschichte“ zusammengetragen hat.” (Fixpoetry über einen Beitrag in ausserdem nr. 19)

etkbooks @ VAV (Auslieferung)

Unser Inseldasein hat ein Ende! Wir freuen uns, nun auch eine kleine Auslieferung für Deutschland und Österreich zu haben. Somit erreichen Sie unsere Bücher schneller, Portokosten werden geringer bzw. eventuelle Zollkosten bei grösseren Bestellungen fallen weg. Wir liefern also ab sofort auch aus via

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