Litblogs.net Lesezeichen 03/2012

Die Lesezeichen-Ausgabe 03/2012 erschien am 15. Oktober 2012.

In dieser Ausgabe:

Zedernlounges und Flughäfen, Kirschholz und Kiefer, mit Worten gefüttertes Flüstern, blaue Förmchen, Friedrich Hebbel, Heimatorte und Orte gegen die Welt, Schweiß und Mantras, Glaskolben und Lichtbeeren, Paris (1961), Hündchen und Gemmen, Hölderlins Wumme und Brute-Force-Attacken, Bartholomäus Bartholomej und der Vollmond, Sedrun und der Tomasee, der Aufbau des “so sorry billboard”, Daniel Gerards “Butterfly”, die goldene Schnalle des Baumwollgürtels, das Messer des Chirurgen, Dinge des Himmels, Frottee-Handtücher und Schuldenkrisen, poetische Taschendiebe und Wortzauberer uvm.

ZUM INHALT …

von Rittiner & Gomez

in logbuch isla volante

Blatt 15 (machen sie das vorige grimme Gesicht)


machen sie das vorige grimme Gesicht, und tragen immer noch fort an der alten Gewohnheit.
     Solche auch sind zumahl lächerlich unter den erdgebohrenen sterblichen Menschen, die wie Pholaden sich einbohren in den eilenden Kiel der Geschichte, und indem sie mit ihr umsegeln die Welt, sich mühen, und abarbeiten den kleinen Corpus, und eingebildet nun wähnen, sie hätten das Schiff in den Hafen bugsiert.

VIIII. EUROPA AUF DEM HEILIGEN BERG.

GROS TEXTE ROMAIN ET ITALIQUE.

     Placuit igitur oratorem ad plebem mitti Menenium Agrippam, facundum virum et, quod inde oriumdus erat, plebi carum. Is, intromissus in castra, prisco illo deinde et horrido modo nihil aliud, quam hoc narasse fertur. Tempore, quo in homine non, ut nunc omnia in unum consentiebant, sed singulis membris ssum cuique consilium, suus sermo consilium, suus sermo fuerat, indignatas reliquas partes, sua cura, sue labore ac ministerio ventri omnia quaeri; ventrem, in medio quietum, nihil aliud, quam datis voluptatibus frui. Conspirasse inde, ne manus ad os cibum ferrent, nec os acciperent datum, nec dentes


Neue Berner Prosa: Li Mollet und Hartmut Abendschein im Cabaret Voltaire (Zürich liest)

Liebe Leserin, lieber Leser

Wir laden Sie ein zu einer

Lesung mit Musik

Datum: Samstag, 27.10.2012

Beginn: 14.00

Es lesen: Li Mollet aus ”sondern” (edition taberna kritika) und

Hartmut Abendschein aus ”Dranmor” (ATHENA Verlag).

Musik: Taja Waibel (voc), Matthias Mollet (pi)

Wo:

Cabaret Voltaire

Spiegelgasse 1

8001 Zürich

http://www.cabaretvoltaire.ch/ (Lageplan)

   

Mehr:

http://www.zuerich-liest.ch/mitwirkende/li-mollet/

http://www.zuerich-liest.ch/mitwirkende/hartmut-abendschein/

http://www.zuerich-liest.ch/veranstaltung/neue-berner-prosa–musik/

Blatt 14 (VII. KURZER PROCESS.)


VII. KURZER PROCESS.

ST. AUGUSTIN ROMAIN [PETIT OEIL]

     Sie hatten ihren alten Ruhm à fond perdu gegeben, und dachten nun pfiffig immerwährende Leibrenten zu ziehen von dem erdarbten Capital.
     Da hat die Zeit, klüger und listiger noch, die alten Wucherer mit dem Hammer erschlagen, und Kapital und Zinsen mit einem Streiche gewonnen.
     Wollt ihr denn ewig leben, ihr Hunde?

VIII. CARYATIDEN.

ST. AUGUSTIN ITALIQUE.

     Zum höchsten betrübt ist’s, wie diese gebückten Gestalten heben und tragen an den Dingen, ihrem Laufe und ihrer Erscheinung; ängstlich zusammengepresst müssen sie ächzen und schwitzen unter der unendlichen Last, und nimmer wird der drückende Alp ihnen von der Schulter genommen.
     Beschaut ihr aber genauer das Gebäude von innen, dann seht ihr, wie Alles zusammenverbunden und ineinandergefügt, wechslseitig sich trägt und sich hält, und die Atlantiden da draussen, eine blosse Verzierung nur sind.
     Alles auch fällt daher unaufhaltsam zusammen, kömmt ein Erdbeben daher gezogen, und löst dann jenen Verband, es stürzen die geschäftigen Männer dahin, und unten im Schutte noch


Blatt 13 (V. ALLRAUNEN.)


V. ALLRAUNEN.

CICERO ITALIQUE.

     Wahrlich ein fratzenhaft seltsam Geschlecht, scheusslich das Gesicht, tiefliegend die Wahrzeichen der Augen und hohl, grob, wollig das Haar, übel alle Gliedmassen verwachsen, den Zaghaften ein Schrecken und greuel.
     Aber sie bringen Seegen und Heil, und Reichthum und gutes Gedeihen, drum halten die Menschen sie sauber und warm im eigenen Bettlein, baden und salben sie sorglich im Weine und nehmen ihrer zärtlich sich an.
     Ihr wisst, sie werden unter dem Hochgerichte aus dem Blut der juristificirten Sünder geboren, und von schwarzen Hunden in Gestalt von lebendigen schwarzen Knäblein aus der Erde gescharrt.
     Wohl Unter diesem Volke nun ist gegenwärtig die Krone erledigt, die Lusttragenden sollen am bewussten Orte sich einfinden, dort wird die Wahl den Glücklichen treffen. Vorher aber müssen sie Alle die Seelen verschreiben.

VI. SCHLARAFFENLAND.

CICERO ROMAIN AUF MITTEL KEGEL.

     Viel Hoffnungen haben sie noch sich für die Zukunft gesammelt. Sicher, habt ihr einmal durch den Berg von Hirsenbrey euch glücklich gefressen, dann kommt ihr wohlbehalten im Schlaraffenland an!
     Das aber wäre zu rathen, dass, tretet ihr die Reise wirklich nun an, ihr sorget für warme, wohl schützende Kleidung, denn es soll kalt und unfreundlich geworden seyn da drüben, seit der Comet so derb an die Erde gestossen.