Blatt 10 (II TARANTULATANZ.)


II TARANTULATANZ.

PETIT ROMAIN ROMAIN.

     Den Weltlauf sollen wir mimisch euch bilden, so merket denn auf, im Vorüberziehen wollen wir’s schnell und verständlich euch geben!
     Seht ihr die kleine Geschöpf, Tarantul, auch Malmignatto genannt, wir setzen auf die Erde es nieder, haltet euch ruhig und still, wunder wie es nett und geschickt in weiten Kreisen euch mit seiner Webe umspinnt!
     Große Mirakel sind doch im Schooße der Natur wohl verborgen, das vermögte eure Philosophie nimmer wohl nachzuthun der wundersamen Creatur. Haltet nur ja euch ruhig und still; blickt immer nur unverwandt auf uns hin!
     Sehr wie ihr jetzt so maulaffend da steht, habt ihr übel die Fersen verwahrt, es hat sie das Thier mit dm Stachel getroffen, werdet nicht bange, der Schmerz ist nicht groß, es wird nur der rechte Tanz erst beginnen!
     Schüttelt euch der Krampf ein wenig zusammen? hat all nichts zu bedeuten, hättet ihr Theriac und laulichten Wein und Knoblauch, euch wäre geholfen.
     Jetzt hat die Creatur Platz in der Mitte des Gewebes genommen, sehr recht, sie hat sich in eine Sirene gewandelt, wie sie schön schillert blau, grün, golden mit roth, o merket doch auf, ihr werdet ja blau und schwärzlich am Leibe vor Furcht, hört sie singt Pastorale’s und Tarantellen, und spielt das Tamburin dazu!
     Sind die Leute denn besessen geworden, welche Wuth ficht sie wohl an, seht doch! sie sind auf die Fäden des Gewebes gestiegen und tanzen wie toll und von Sinnen auf den Seilen im Kreise umher.
     Seltsamen Kurzweil treiben die Armen, sie schneiden sich selber in’s Fleisch, sie erslustigen sich am Fechten mit bloßen Schwerdten gegen den Spiegel, sie weissagen: unaufhörlich drehen sie sich dabey im Wirbel herum, auf dem Wasser sogar mögten sie hüpfen und springen.
     Ihr Verrückten, wollt ihr denn nimmer euch gönnen einige Rast! Umsonst! es reißt der Klang sie dahin, mit wunderlichen Geberden, und bleichen verstörten Gesichtern drehen sie immer im Kreise sich um.
     So tanzt denn fort, es ist viel


Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 08/2012)

Pein-Tier heult Fetzen da.

Geil Dir Heul-Futzi-Là.

Wolf von Niebelschütz:

Es ist natürlich nicht abwegig, in einem literarischen Werk G e d a n k e n zu suchen, die es mit Hilfe seiner F o r m zu vermitteln vorgibt; aber man täuscht sich doch sehr, wenn man den ästhetischen Wert durch den Wert der Gedanken allein erklären will: Diese sind oft nur ein zusätzliches und manchmal erforderliches Mittel, dessen die Kunst sich bedient oder bedienen muss, um ihr geheimes Spiel (auch hinter der ›Form‹) zu verbergen. Nun fragt es sich sogar, ob eins der gewichtigen geheimen Spiele bei WvN nicht das eines Grimassen-Schneidens gegenüber der Welt ist – weil dieser soignierte Herr sich eine solche sonst nie gestattet hätte, die Grimasse im Werk jedoch die Verzweiflung mitmeint und die Trauer und aber auch das Lächeln.

Kant wie Brecht.

Wünsche habe ich eigentlich bereits keine mehr. Das Dumme ist bloß, dass ich die Triebe nicht abstellen kann. Überwinden? – Welch großes Wort. (Abwürgen? Nun, das wäre wohl möglich …)

Lieder an meine Katzen.

Die unbewegte Fläche des Sees. Das Steinchen trifft auf den Spiegel: Es kringelt, es wellt – und alles ist wieder still. Flach. Habe ich mir nicht gewünscht, einmal ein Stein zu sein?

Schier alle gute Prosa entspringt einer Quelle der Ablehnung.

Angesichts des Todes ist doch alles sinnlos; gleichZEITig verleiht er überhaupt erst Sinn. Begreifen Sie, was ich meine?

“Gehobenes Theater”: der bürgerliche Sadismus.

Schmand klirrt nicht.

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Blatt 9 (Aus dem Harnisch der Väter ist das Gevögel gekrochen)


     Aus dem Harnisch der Väter ist das Gevögel gekrochen, und es umsumst unser Ohr nun ein unausstehlich Geschwirr.

     Marzepanfiguren hat die Natur wohl geknetet, und jeder ihre schöne Sentenz in die Eingeweide verbacken, mit Mühe und Sorgfalt haspelt die kleine Figur sie sich nun aus dem Leibe hervor.

     Doch es ist Alles nicht übel gemeint, so zieht denn hin euere Strasse in Frieden, aber sprecht doch, wir bitten euch drum, nicht mehr so teutsch mit hellenischen Buchstaben. Es schreyen die armen Seelen der Griechen immer im Fegfeuer auf, wenn sie es hören.

     Kommen die Ritter des rechts mit der Picke und dem Schwarzfell gezogen, grabt immer nur zu, es hat die Vestale die Keuschheit gebrochen, sie soll sterben bei Wasser und Brod.

     Zu einem Felsengeklippe haben die Menschen in Gesellschaft sich zusammengedrängt, da wühlen die Knappen geschickt unten im dunkeln Schachte nach Gold.

     Aber leider sind die Berge metallreich von innen, nimmer gedeihen Pflanzen, und Bäume und Blumen darauf.

     Diesen folgt ein unzahlbares Volk, wie Sand am Meere beweglich, der Winde Hauch weht die Bank in Hügel und Dünen zusammen, leicht zerstreut er nach allen Regionen sie wieder.

     O kläglich Gesicht, wie ist Aller vermahlen und verschwemmt und zermalmt in diesem Geschlechte, den rinnenden Staub in der Sanduhr des Todes nennen sie Menschheit, und dünken etwas sich drauf. Es kehrt der Engel um das Gefäß, und eine Geschichte ist abgeschlossen und eine Neue beginnt.

     Eilet von hinnen ihr flüchtigen Bilder, es krähet der Hahn, es wollen erlöschen die Feuer, seht es nahet schon der schwarze Ritter von ferne, er allein steht hohnlachend in der Mitte der wankenden Dunstschemen da. Fliehet eilig von hinnen, ehe er das Gefäß ergreift und zornig es umkehrt!

     Kriecht unter, kriecht unter, die Erd ist euch gram.

     Wohl gesprochen, ihr Weiber, vor allem weislich und klug, seht wie sie eilen, also ob die leere Spreu Beelzebub jagte. Schürt denn von neuem die Feuer, kehrt er von der Verfolgung zurück, werden wir schmaußen und die Beute vertheilen.

     Sind die Narren zur Ruhe gebracht, dann rührt sich verständiges Volk.


Blatt 8 (werden wieder gemeine Fischer daraus.)


werden wieder gemeine Fischer daraus.
     Läßt doch kaum einmal auf Erden der Teufel sich blicken, was sollten denn dort die Himmlischen suchen? Er soll aber kommen, und den Stein aus dem Dome wieder an seine alte Stelle versetzen; worüber er ergrimmte, das ist längst schon gehoben, was er wollte, das ist ihm geschehen, seht es steht ja wieder ein Hurenhaus da.
     Es waren freylich verfängliche gothische Schnörkel und schmeckte nach nichts, drum bringt schön Alles in’s Gleiche, und baut euch Häuschen aus dem alten Gestein; ein Gotteshaus könnt ihr nöthgenfalls aus der neuerfundenen Pappe ja leimen und mit ledernen Glocken drin läuten.
     Aber wer seyd denn ihr, die ihr so emsig dort zimmert und baut? – Gelehrte nennen wir uns, ein unermesslich Werk haben wir vor, von der Erde hinauf bis in den Himmel zu bauen, schon hören wir von Zeit zu Zeit bey günstigem Winde, der Engel Gesang.
     Löblich und gut, aber ihr habt doch im Plane das heimliche Gemach nicht vergessen?
     Wo ist denn der Meister, wir sehen ihn ja nirgend, dass er antreibe in etwas das läsige Volk.
     In aller Welt wo doch hat er all das Gesindel zusammengetrommelt, sind sie zum Todtentanze geladen, oder soll aus ihren Gebeinen das Gebäude sich thürmen? So marklos, ausgeweidet und hohl sind ja diese Gesellen, wollt ihr sie zur Arbeit nicht tragen, traun ihr kommt nicht über das Kellergeschoß.
     Laßt lieber einige papierne Drachen aufsteigen, sie können Kundschaft euch bringen, wie’s da oben wohl steht, man sähe euch vielleicht jenseits nicht gerne.
     Sonst sind’s gute redliche Leute, eine weit schallende tosende Stimme ist ihnen gegeben, aber geht ihr dem gräslichen Schalle unerschrocken nur nach, ihr trefft sicher einen höflichen, billigen Mann.
     Oftmals gerathen sie miteinander in’s Gezänke, und wenn zu laut der Lärm will sich erheben, dann richtet die Polizey wohl einmal die Spritzen darauf, und triefend gehen sie und sich schüttelnd nach Haus.
     Welche aber die Unausstehlichsten sind? das sind die dummen Propheten, und jene die uns immerfort vorgackern von Politik und politischen Sachen: das Geschmeiß aber, das nistet im Verderben der Zeit, und von seinen Sünden sich mästet: jenes schachernde Volk, das die Ehre der Nation auf dem literarischen Trödelmarkte vergaunert, und Alles mit seinem Unrath befleckt, das sey in den Abgrund der Hölle verwünscht!
     Und wer sind Jene denn da, die in hellen, lichten Haufen dort halten?
     O mächtiger Brama, laß dir das Lallen, der Unschuld gefallen –
     Die ihr des unermeßlichen Weltalls Schöpfer ehrt, Jehovah nennt ihn, oder Gott, Tien ihn oder –
     Ich bin der Schneider Cacadu etc.
     Ha Poeten seyd ihr, luftige Gesellen, gar anmuthig geschniegeltes Volk, seyd uns willkommen in unserer Misere, aber es will uns doch wie Edgarn bedünken, als wolle der böse Feind in einer Nachtigall Gestalt uns verfolgen.