“disco (dis/co) – Gedichte & Musik”. Hartmut Abendschein / Bobby Vacant & the Worn (21.6.)

Vielleicht habt Ihr kommenden Donnerstag noch nichts vor? Wir laden Euch ein zu einer kleinen Veranstaltung mit Musik und Installation (s.u.) und freuen uns über Euer Kommen. Mehr …

DO, 21.6. 19h:

«Disco (dis/co)» Gedichte & Musik – Ein Soirée von Edition Taberna Kritika

Lesung: Hartmut Abendschein

Musik: Bobby Vacant & the Worn (Folk-Punk)

Ausstellung: Sam Kautsch – “jetzt ist es ein kunstwerk. flooksbooks.”

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WASCHKÜCHE – das kulturlokal im freien raum

Seftigenstrasse 16

3007 Bern

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Blatt 3 (Lösche die Zeichen, zerschlage die Kreise)


     Lösche die Zeichen, zerschlage die Kreise, Satanisten sind wir, leichtfertig Gesindel, im Fledermausflügel, unser Vaterhaus ist die Hölle, der Witz unsere Amme, die Welt unsere Wohnung. Kreutze dich nicht, und segne dich nicht, wir werden dir folgen, sey unser Meister und Herr!
     Hab’ ich solch Ungethüm aus meinen Lenden erzeugt? Satanas hat mit dem Legestachel mich gestochen und die Madenbrut mir ins Fleisch gelegt! Ich sage euch ab, und habe nichts gemein mit euch.
Verstoss uns doch nicht, o Meister und Herr, wir sind nicht im Argen, kein gottlos Gezücht, ein Schaum nur der Hölle, ein Mehlthau des Himmels, nur wenig von der Flamme gesengt, von der Sonne gebraunt.
     So ziehet denn hin, ungerathene Kinder! ich will sie taufen lassen in der Wasser- und Feuertaufe, ich will ihnen die Schwänze abhacken, barbieren will ich sie lassen und schminken und pudern, Wämschen sollen sie anziehen, grüne, gelbe, blaue, rothe, die Zähne will ich ihnen befeilen, und die Hörnerchen werden sie wohl von sich selbst ablaufen.
     Fürchtet euch nicht, ihr Allerliebsten, sie sollen zahm werden und human, aus dem Munde sollen sie euch fressen, aber ihr dürft keinen riechenden Athem haben, und nicht schwören und fluchen. Zuckergebackenes dürft ihr ihnen nicht bieten, das verdirbt die Mägelchen ihnen,
     Und wenn Einer von ungefähr mit dem Stachel euch sticht, ihr könntet flugs ihn zerquetschen, und auf die Wunde ihn legen, das bricht sicher den Gift. Aber warum wolltet ihr so grausamlich wüthen? nehmt frische Erde, und deckt die Schwiele damit, es hilft unblutig: und ihr habt nicht euer Gewissen beschwert!
     Lasst euch nicht, Leckermäuler! nach ihrem Fleische gelüsten, es ist scharf, gesalzen, corrosiv von Natur, Aphrodisiacum wohl, aber drastisch wie Canthariden, und abnorme Geschwüre als eindringende Schadlichkeit setzend.
     Die sind nicht zu tödten dabey, sie würden in den Eingeweiden euch hecken. und denkt! ihr hattet der lebendigen Teufels Brut dann im Leib, unheilbar lägt ihr am Narrenneste darnieder, denn Hans Sachsens Narrenschneider ist langst schon hernieder zur Grube gefahren.
     Aber mir dürft ihr ihretwegen übel nicht wollen und etwa mit Feuerbranden mich flamsen, ich bin kein Zauberer nicht, und Hexenmeister auch nicht, ich will des Norden Spuck und Fratzengebilde nicht in’s Land hinein fraudiren, ich liebe Correctheit, und stille Bürgerliche Tugend, und weiss dass die Polizey alles fremde Gethier an der Grenze abweiset. Wir haben an Hämmeln und Hornvieh zum inländischen Verbrauche genug.

NOMPAREILLE ITALIQUE.

     O malvagio Destino!
     Dove m’hai tu condotto?
     So sprech ich in unvergleichlicher Italischer Zunge, wahrlich ich habe nichts gemein mit diesen Gesellen!
     Ich habe nicht wie der Rattenfänger von Hameln sie zusammengepfiffen, aus allen Schweislöchern und allen Gelenken und allen Schubsäkken sind sie hervor mir gesprungen, so zieh’ ich mit den kleinen Canaillen vor mir durch’s Land, und muss in der theuern Zeit für ihre Fütterung sorgen, und die Wirthe sehen scheel und begegnen mir schnöde, wenn ich mit dem seltsamen Trosse die Strasse herziehe.
     Aufzufressen mich bis auf die Gebeine, drehen mir die Rangen, wie die Mause den Bischoff Hatto gefressen, denkt welch’ unselig Geschick den Armen erdrückt!
     Gegen den Blocksberg würd ich sie führen, wäre nicht die Kanzel zerbrochen und die Höhe bewirthschaftet, dort würden vielleicht die Thüren des Vaterhauses sich öffnen.
     Vor Allen ihr Weibsen lasst vor dem leichtsinnigen Ungeziefer euch warnen! Sie achten nicht Alter noch Schönheit, und denkt! wenn ihr, von den Greueln beschlafen solche Brut unter dem Herzen umtruget. Es müssten die Herren zum neuen Bethlemitischen Kindermord sich nothgedrungen entschliessen.
     So lasst denn nieder die Stricke, lasst vorüber trippeln und trappeln die Heerde, betrübt und verschämt nicht der alte Hirt hinter den Schaaren daher. Er weiss ja garwohl, dass die Bursche nicht mehr wandern sollen hin durch die Welt.


Blatt 2 (ERSTES BUCH.)


ERSTES BUCH.

FRANZÖSISCHE SCHRIFTEN.

PROLOGUS.

NOMPAREILLE ROMAIN.

     Knabe hast du die Bälge gezogen? Ich will orgeln ein Lied von Liebe, von teutscher Kraft, von Sehnsucht und Biedersinn.
     Es fahren schiessende Lichter mir auf und nieder im Geiste, sammelt ihr Lieben, Froschlaich, Gottesseegen, ihr könnt euch Wetterpropheten erziehen.
     Introite, sunt hic etiam Dii! es ist noch nicht alles Leben befroren, aus der Brust kömmt der Warme Athem hervor, der in den Haaren zu Reife gerinnt, inwendig qualmt’s wohl noch fort, und die Seele arbeitet in den Qualm.
     Zieht dahin ihr Monaden, Witzgefunkel, liebliche Kreaturen, sie haben kein Herz noch und lieben sich doch; keine Arme, und umfangen sich doch; keinen Mund und mögen sich küssen, keine Flügel und schiessen wie Blitze.
     Samenthierchen wärens denn wohl? wundervolle Natur! ein Firmament hat sie in den Menschen geworfen, und er kann doch närrisch wohl werden.
     Wie’s zappelt, das kleine Gewürme, wie sie schlängeln durcheinander, gebt ihnen Luft und einen einzigen Tropfen, und ihr sollt eure Lust sehen, wie sie schwimmen und eilen; noch sind sie gebunden in der Mutter, die sie umfängt.
     Köpfe haben sie nur, und zugespitzte, gelenkige Schwänze, so rudern sie in Myriaden dahin, wollt ihr Menschenfischer werden, werft nach ihnen den Angelhacken hinaus.
     Es kömmt ein Ton auf der Welle daher gefahren, neugierig sammeln sie sich um ihn her und er saugt sie auf, und sie verschlingen sich und flechten ein Netz um ihn, und in dem Netze hat eine Seele sich gefangen.
     Dich zartes, niedliches Nompareille hab’ ich vor Allen gewählt, in dir sollen sie wiedergeboren im Fleische werden: fügt euch zusammen, ihr leicht geschwänzten Gestalten, eine Seele will einkehren in euer Reich.
     Es will die Zeit der Geburt sich nahen, sieh nach den Gestirnen Knabe, wir wollen die Nativitat den Werdenden stellen; was sind die Aspecten?
     Böse Zeit, schlimme Zeit! Es droht das neue Gestirn mit der Keule den teutschen Auerochsen zu erschlagen, die Meduse schaut starr zur Erde hernieder, die nordischen Bären tanzen brummend, der Löwe flieht den Hahnenschrey, die Hunde wedeln: weine nicht Medea, dort fliegt das Schiff mit deinem Schatze dahin. Ehre hin, Alles hin!

     Böse Zeit, viel üble Zeit! Es buhlt der Teufel mit der Welt, allnächtlich wohnt er alten Metzen bey, kalt und frostig die Umarmung, viel bös Gerücht wird dort gezeugt.
     Warum hab’ ich denn empfangen in diesen finstern Constellationen, warum hat der schwarze Thau der dunkeln Mitternacht mich auch getroffen und befruchtet? Ich wollte ja nicht buhlen mit dem Bösen.
     Musst ich erdunkeln vor dir, tief Verhängnis, damit du mit deiner Nacht mich überschatten konntest? Unselige, die ihr sollt gebohren werden, den Satanas werdet ihr zum Vater haben, und die Gebrechlichkeit zur Mutter.


Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 05/2012)

Der Mensch ein triebdynamischer Organismus, der in seinen Beziehungen zu den Objekten voranschreitet? – Wären nicht gerade Schriftsteller solche, die sogar diese Beziehungen überwinden, darüberhinausgehen, selbst schöpfen: zuerst noch auch für andere, dann nur noch für sich?

Streichle das Horn Deines Lieblingseinhorns! (Einhorn? Dreihorn?)

Adam horcht an einer Frucht: Was sagt sie ihm?

Nach uralten Sagen legte man in Romoos immer an Vollmond ein ganzes Stück Brot auf jeden leeren Sitzplatz im Haus, um die Geister der Toten zu versöhnen. Der Pfarrer musste nach zwei Jahren Bankrott anmelden.

Die Einheit der Handlung darf in der Oper nicht so verstanden werden, dass man immer ›nur vorwärts‹ erzählen soll; gerade die Musik kann ja eine Gefühlsregung, die eigentlich nur Sekunden – ja, Momente dauert, in minutenlange Melodien übertragen: Was weiß das Herz schon von Sekunden?

Schlecht Geschriebenes ist wie etwas aufdringlich Erzähltes, das man nicht hören möchte.

Vielleicht lachen die Tiere eben doch schon lange über uns, denken schon lange »dubito, ergo sum« – und hatten schon vor Jahrtausenden diverse Cartesianische Momente.

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