Baron am Telefon

Du, Steffi, hier Karl-Theodor.

Ach, du bist grad beim Bügeln?

Ich brauch nicht lang. Doch kommt’s mir vor,

als will man mich verprügeln.

Wie? Wer? Ja, alle! Glaub mir, Schatz.

Was heißt denn hier Getue?

Die schachern schon um meinen Platz.

Ich krieg hier keine Ruhe.

Doch sicher! Ich bin sehr beliebt.

Ich bin auch schön und stattlich.

Doch bloß fürs Vieh, das Stimmen gibt.

Beliebtheit hier, das hat sich

beim bürgerlichen Mittelbau.

Fraktion, Ausschuss, Parteien –

die glauben, dass sie haargenau

zu informieren seien.

Auch sagt der Kai vom Boulevard,

Fan und Frisurenbruder,

für den ich stets Politstar war:

Du läufst mir aus dem Ruder!

Ja selbst die Dicke, die so tut,

als ob sie mich noch stütze.

Die schließt die Tür und sagt: Zu Gut-

tenberg, wo ist die Mütze?

Und ich so: Welche Mütze denn?

Ja die, die Sie bald nehmen!

Dann lacht sie fett. Wie ich die kenn,

kommt’s hier bald zu Problemen.

Du, Steffi, sag, wie wär’s denn so,

du bringst das Geld nach Hause?

Du machst dann diese Missbrauchsshow

und ich Erziehungspause.

Hab ich nicht Wirtschaft mal gemacht?

Als Hauswirt wär ich tauglich.

Ich gebe auf die Mädchen acht,

ich koche auch, dann saug ich

und hüte Hunde, Herd und Haus.

Ich geh dir auf den Wecker?

Schon gut, Schatz. Du, das Gel ist aus.

Gehst du heut noch zum Schlecker?

taz > (GROa)

Winter!

Hey, Winter, dass du eins mal weißt:

Für mich bist du das Allerletzte.

Nichts gibt es, was mich mehr entsetzte.

Wer dich kennt, weiß, was hassen heißt.

Marquis von Schlamm, Schlick, Glitsch und Matsch,

Herr jener schalen, trüben Pampe

im fahlen Schein der Straßenlampe

auf eisigen, verwaisten Wegen.

Und tausend Arten Schnee und Regen.

Das, Winter, ist doch alles Quatsch!

Fürst von Verfall und zu Verwesung,

wie alles Bunte, Blätter, Blumen,

zergeht zu kargen, toten Krumen!

Du bringst mit klirrend kaltem Schrecken

komplette Völker um die Ecken.

Libellen. Grillen. Hummeln. Falter.

Das nehmen wir dir übel, Alter!

Du brauchst mal ‘ne Levitenlesung.

Baron von Faul und Falb und Fahl,

in deinen tiefgekühlten Welten

herrscht Niesel, Nebel, Not, Erkälten,

Vergehn, Verdorren, Tod, Verenden

und scharfes Ziehen in den Lenden.

Wenn’s dich nicht gäb – mir wär’s egal.

Du nervst nur, grauer klammer Graf,

kaltblütigster der Diktatoren.

Durchlaucht von rot verfrornen Ohren,

mach doch mal einfach Winterschlaf!

taz > (GROa)

Igel-Warnung

Die Igel tragen Stachelkleider

nicht nur aus reiner Eitelkeit.

Ihr lanzenscharfer Leib dient leider

der Ausbreitung von Gram und Leid.

Der Igel stiehlt auf der Plantage,

indem er durch die Ernten rollt.

Und sich – die pure Sabotage –

dann fruchtbespickt von dannen trollt.

Auch ziehen junge Igelbanden

laut randalierend durch das Land.

Sie werfen sich von Fahrbahnranden

vor Autoreifen. Allerhand!

Hüpft froh ein Kind durch die Alleen

mit einem bunten Luftballon,

muss man oft Stacheltiere sehen,

die sich drauf stürzen. Dann macht’s: “Pong!”

Selbst mit dem Ball bei Halbzeitpausen

tauscht sich der Igel hämisch aus,

um Profifüße zu zerzausen.

Darum spielt Poldi derart kraus.

Kurzum: Der Igel kennt nichts Gutes.

Ist etwas hässlich und gemein,

gar bösartig – im Igel ruht es.

Der Igel ist nämlich ein Schwein.

Drum, wenn ihr einen Igel sichtet

im dämmrigen Novemberlicht,

seht zu, dass ihr ihn unterrichtet:

“Du, Igel, so was tut man nicht!”

taz > (GROa)

Die Verhandlung

Ein blödes Schaf geht vor Gericht.

Es glaubt an seine Blödheit nicht

und will dagegen klagen,

den Titel “blödes Schaf” zu tragen.

Zur Verhandlung der Beschwerde

sucht es nun die Schafsbehörde.

Doch findet’s nicht zum Schafsgericht.

Blöd zwar – unpünktlich aber nicht –

geht es am Dreizehnten, Punkt zwölfe,

versehentlich zum Saal der Wölfe.

Hier kommt man eilig überein:

“Blöder kann ein Schaf nicht sein!”

“Das Urteil”, so spricht Euer Ehren,

“ist Todesstrafe durch Verzehren!”

taz > (GROa)