Kölner Trilogie III: Aschermittwoch

Prinzenreklamation

Ein Rest Rotweiß umschlingt noch die Laternen,

zerzaust und nass. Der Dunst aus den Tavernen.

Ein Wind treibt schlappe Jecken um die Ecken.

Der Dom kratzt sich, als hätte er die Zecken.

Die Stadt, klamm und verkatert, macht sich klein.

Und am Museum hebt ein junger Hund sein Bein.

Den Rest Konfetti picken fette Tauben.

Die öffentliche Hand geht ans Entstauben.

Dem Rhein, auf Durchreise, ists einerlei.

In seinem Alter weiß er: Alles geht vorbei.

„Auch meine Zeit ist um. Isch ließ eusch lachen.

Für den Verein, da tat isch alles machen.

Mehr ging nisch, war nisch drin. Ein letzter Gruß.

Gern blieb isch. Doch die Bandscheibe, der Fuß:

Kaputt. Isch hab am Bein escht einfach voll die-

se Seuche. Tschüss! Prinz Karne… äh… Prinz Poldi

Originalbeitrag > (GROa)

Kölner Trilogie II: Rosenmontag

Nicht vergessen

Wer trinkt, der sollte keinesfalls vergessen:

Zu trinken – das ist anders als zu essen.

Wer isst, wird dick. Wer trinkt, dagegen breit;

flöst aus der Flasche reine Lustigkeit

in sich hinein, sieht Sein und Schein verschwommen.

Und das – was wollt ich noch? – ist hochwillkommen.

Nein, nein, ich wollte sagen: hochgefährlich.

Wer trinkt, sieht Welt und sich nicht wirklich ehrlich.

Der Trunk macht das, was einstmals hart und hässlich

ganz schön… ich mein… er macht ganz schön vergesslich.

Denkt nur an Harald – oder hieß er Klemens?

Der trank von früh bis Korsakow und Demenz.

Das ist hier kein Getränk… äh… kein Geunke.

Jetzt fällts mir wieder ein: der Mann hieß Kuhnke.

Wie viele, die beim Trinken was vergaßen!

Ja, was noch mal? Ach, dieses: Trinkt in Maßen!

Originalbeitrag > (GROa)

Kölner Trilogie I: Weiberfastnacht

So nicht

Nun hört, ihr Weiber, lasst Euch dieses sagen,

das Folgende sollt ihr zu Fastnacht niemals tragen:

Nicht allzu nackt die allzu dicken Schenkel –

sonst friert ihr. Und es schauert Eure Enkel.

Kein T-Shirt nicht, auf dem man „Büzz mich!“ liest.

Wers tut, sei auf den Tambourstab gespießt.

Auch reicht nicht Apfelkorn aus Schnullerflaschen

zwanghaft den Mannen ringsumher zum Naschen.

Das warme Zeug, das will man nicht geschenkt!

Wers tut, wird von der KVB versenkt.

Und wer da trägt die Kanzlerin als Larve,

stimmt in der Hölle Vollenweiders Harfe.

Am Ende sei noch unendlich verflucht:

Die trunkne Plunze, die es einst versucht,

mir eine kalte Wurst ins Maul zu schrauben.

An diesem Tag verlor ich meinen Glauben.

Mein Kind geschultert, konnt ich mich nicht wehren.

Ein Grauen wars. Und dafür sollst du hören

zur Strafe tausendmal „Für Usszeschnigge“!

Der Rest soll feiern! Euer Freiherr Knigge

Originalbeitrag > (GROa)

Käuflich

Große Gedichte, so sagt die Legende,

gehn erst im Geist großer Leser zu Ende.

Dieses hier auch. Denn es ist gegenwärtig

richtig besehen noch nicht so recht fertig.

Mag es auch strahlen und sternengleich glitzern,

fehlts ihm an was. Und woran? An Besitzern.

Ach, wenn sich doch für die wortreiche Spende

bald ein geeigneter Eigner einfände.

Spende – “der Welle lieblicher Buhler”,

wusste schon Goethe. Ach, Guido, als Schöngeist

liebst Du die Künste? Das sinnig Gereimte?

Klingende Worte? Das süßlich Geschleimte?

Silben, die Seele und Herz Dir befeuern?

Nimm dies Gedicht – und erlass mir die Steuern!

Frag auch die Freunde aus deiner Partei

Wem ich was schreibe, ist mir einerlei.

Gegen fiskalische Vorförderungen

werden hier gern “Niebel“ungen gesungen,

“Brüderle, trink!”, “Heide-Rösler” und “Unterm

Lindner”. Ihr müsst mich nur richtig ermuntern!

Pfandfreies Bier, dreißig Vollsilberlinge

– dafür erdichte ich herrliche Dinge,

widme sie euch, eurem Werk, eurem Wohle.

Meldet Euch bald, schließlich brauch ich die Kohle!

taz > (GROa)

Herbstsehnen

Wird im Herbst die Nelke welke,

denke ich entrückt an Elke,

die im Mai bei Tagesneige…

Aber ach, Genießer, schweige!

Wenn im Herbst die Rosen flusen,

wünsch ich mich zurück zu Susen,

die im Juni mir am Strand…

Aber ach, viel zu pikant!

Macht der Herbst aus Veilchen Teilchen,

wein um Vera ich ein Weilchen,

die mir Juli auf der Liege…

Aber ach, wenn ich doch schwiege!

Doch – dass hier die Wahrheit siege:

…Schräges spielte auf der Geige.

…meinen Autoschlüssel fand.

…meinen Platz nahm. Blöde Ziege!

taz > (GROa)