Mal im Vertrauen

Also, Gott, mal im Vertrauen,

so bei ersterem Beschauen…

Deine Schöpfung: Alle Achtung!

Doch bei näherer Betrachtung

gibt es ein paar Kleinigkeiten,

über die kann man sich streiten.

Sind Dir da nicht ein paar Arten

– Tschuldigung – ganz klar missraten?

Um hier gleich mal nachzuhaken:

„Schöpfungswunder“ Kakerlaken?

Mücke? Wanze? Wespe? Schnake?

Ach, und dann der arme Krake?

Voller Noppen und verschlungen.

Hältst Du den für gut gelungen?

Dümmlich schauen aus der Wäsche:

Schafe. – Ein Moment der Schwäche?

Seh ich wo ein Stinktier hupfen,

denk ich mir: Gott hatte Schnupfen.

Steht Dein Gnu nicht deppendumm

sinnlos in den Steppen rum?

Wieviel schöner wär Dein Braunbär,

wenn er etwas bunter wär.

Schlanker. Schneller. Eleganter.

Kannst Du doch – denk an den Panther!

Allerlei kann man beklagen.

Aber muss auch eines sagen:

Du hast – wo viel im Argen liegt –

den Nacktmull echt gut hingekriegt.

taz > (GROa)

Das neue Land

Entdecker Neidhardt von der Quandt

entdeckte manches fremde Land.

Fand hier ein neues Flussgerinnsel

und dort auch eine Palmeninsel.

Erspähte siebenhundert Berge.

Sah fremde Völker, Riesen, Zwerge.

So an die siebzehn Kontinente

fand Neidhardt bis zu seiner Rente.

Wen das besonders faszinierte,

war König Kurt, der Quandt regierte.

Sein Reich wuchs durch das neue Land,

was er als angenehm empfand.

So wurde Quandt, zurückgekehrt,

von seinem König hoch geehrt,

gelobt, belohnt und andres mehr.

Ins neue Land zog bald ein Heer,

um mittels der Gewalt von Waffen,

sich dies erobernd zu beschaffen.

Doch kam es gottlob nicht so weit.

An seiner Schwervergesslichkeit

litt der berühmte von der Quandt,

der’s neue Land nicht wiederfand.

taz > (GROa)

Der Text erschien schon in einer anderen, früheren Version und unter dem Titel “Verse von den fünf Versuchungen” (Wilhelm-Busch-Preis) auch an dieser Stelle.

Ich bin gut

Ich bin gut. Und fest im Glauben.

Bete täglich für die Tauben,

Stummen, Blinden und Verirrten,

die mit Wodka sich bewirten.

Meide, selbst vom Schnaps zu schlürfen.

Spende denen, die bedürfen.

Hasse -wie die frommen Nonnen-

jede Form weltlicher Wonnen.

Ich sag zum Scheinheiligen: Nein!

Müh stets mich um den Heilgenschein.

Die Reize schöner, junger Weiber

und ihre wohlgeformten Leiber,

sie können mich nicht motivieren.

Und mein Brevier brav zu studieren,

seh ich als meine heilge Pflicht.

Zigarre? Danke. Rauche nicht!

Kein Laster geht zu meinen Lasten.

Und schlemmen? Ich mag lieber fasten.

Hab auch nie nach Geld geschielt.

Glücksspiel? Hab ich nie gespielt.

Bin stets reichlich hilfsbereit.

Höflich bin ich jederzeit.

Hab nie jemand angespuckt.

Nur: Ich lüge wie gedruckt!

taz > (GROa)

Die Wahrheit über Paulus

Träge, unbegabt und faul

war Jünger Paul, geborner Saul.

Und hielt sich Männer und auch Weiber

als Ghostwriter (deutsch: Geistschreiber),

die das, was Gott und heilger Geist,

privat, in kleinem Kreise meist,

an heilgem Tiefsinn von sich gaben,

in Briefe eingetragen haben.

Die Briefe machten Paul bekannt,

so dass er bald zu Luxus fand,

zu schönen Fraun und gutem Essen.

Die Geistschreiber sind längst vergessen.

taz > (GROa)