Stefan zieht um (notula nova supplement IX)

Die Todesursache meines Protagonisten im nächsten Romanfragment muss ein müdes Herz sein. Das müde Herz eines crime scene cleaners, der sich am Ende selbst aufputzt. (Man grillt sich unter Duzern. Man kehrt ein in der Lollywaffel. Man wird Speisemeister. Die Kölnbesuche – mehr und mehr Nadelstiche in immeroffene Wunden. (Das – in eine positive Metapher gewendet.)

Demnächst wollen wir skizzieren: den Essay “Der literarische Trol““. (Morgen zieht der Übersetzer um. Es juckt uns in den Fingern diesen ausserordentlichen Vorgang bildlich zu dokumentieren. Ihn zu versepisieren wie weiland im Bild-Text “Uli zieht um”. Wo ist er eigentlich, dieser Text? Ist er noch browserfähig? Schon vor 6 Jahren entstanden und damit fast verrentet).

Überhaupt: fragt sich die Browserfähigkeit unserer jüngeren Vergangenheit. Die Browserfähigkeit von Gedächtnis und Sein. Die aktuellen Browsergenerationen als technische Filter von Geschehenem. Undsoweiter.

Und:

Die U-Bahnfashion

Die Trinkgemeinschaft

Die Innovation

Die Einkäufe:

1 Halbpolyesterjoppe

1 Buch (Sängerkrieg der Heidehasen. (Lodengrün und Otto Lampe))

1 Knistertuch “Lotte” für das Patenkindchen

2 Bilderrahmen / Displays als Präsentationsobjekte für die etkcards

Nicht gekauft (wg. Anfall von Entscheidungsschwäche):

Frühjahrskollektion:

1 Hose

1 Turnschuhe

1 Leibwäsche

(Nächster Halt: Subbelrather Strasse. Dort wird uns glühend bewusst: Das Rolf-Dieter-Brinkmann-Nordstrassen-Stipendium ist ausgelaufen und wieder ausgeschrieben. Neubewerbungen bitte an die bekannte Adresse von …)

Es regnet.

Das ist O.K.

Verlebtsein heisst einverstanden sein.

Es gibt das Vergnügen zu rügen. (Naja)

Undsoweiter.

Unser Dichter hat einen Auftrag. Er verfasst und sammelt nun Geldgedichte für Normalsparer. (Wir besprechen auch ein paar blödegebrauchte Begriffe. Wir denken über eine beispielhafte Faksimilierung nach. Wir wollen vielleicht eine Errata-Liste nachreichen. Wir schreiben die Notiz eines möglichen Titels: Rainer und die Zwischenmietze. Wir stellen dann fest: Ordnung ist tatsächlich mindestens das halbe Leben. (Das andere ist Polyester). Wir entdecken die groben und feinen Messer an der Magnetleiste an der Wand. Die Spitzen wurden nach oben ausgerichtet. Die Schneideflächen nach rechts.)

Wir sollen auch auf die Leerstellen in Hölderlins Tod des Empedokles achten. Vor allem auf den in den Pausen fortgesetzten Rhythmus, den versmässig punktgenau einsetzenden Text, sagt der Dichter. Und auch an den “Grund zum Empedokles”. (Nebenbei entwerfen wir auch den “Berner Plan”.) Dann schliesst die Melodie (und es entsteht das Begehren der Dame am Nebentisch: eine urge-overkill-lookalike-Performance).

Und der Titel: “Versuch über Uli”

Und das Balsamka

Und der Bestseller “Strickideen für den Hund”

Und Fakelbö: Das Sorgensofa jedes Umzugs

Versöhnung











































Quote „Er führte sie am Arm, in der leeren Fahrstraße, deren Mitte von Schnee frei war.
… und heute lag ein Brief von ihm im Briefkasten, worin er mitteilte …“ (S. 582)
Source Versöhnung / Autor Bernt von Heiseler / Verlag C. Bertelsmann, 1953
Keywords Küche, Müllsack, Balkon, Gang, Strasse, Schnee, Briefkasten
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Produced 16.01.2009, 09:09 AM
Added 08.11.2009, 02:49 AM
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URL (Video) http://www.youtube.com/watch?v=tPfd83-G1W0
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@etkbooks twitterweek (20100508)

RT @FlorianHartling: “Recherche spezial” – Bibliographie zum Web 2.0 (93 Seiten voller Literatur): http://bit.ly/9kF9Xq #pipeline / jusupi: @etkbooks Bienenfleiß #wörter / Be the first of your friends to like this. #wörter / Leser, wie gefall ich dir? Leser, wie gefällst du mir? / wiederholt gesehen: flattr-buttons machen löcher in text. / RT @SuKuLTuR: Schöne Internetseite über die Merve-Verlegerin Heidi Paris (1950-2002) http://bit.ly/dkF8xw #lbn / nbp: etkbooks @ bahnstrasse 21/22 http://bit.ly/97VLZY / textvorsorge #wörter / nbp: Neid (notula nova 83) http://bit.ly/a88Mu4 / allerdings gehts da ja wohl vor allem um autorschaftliche adressierung & aura. also müsste man vor allem gespiegelt an diese andocken. / aha. nichtgemeinfreie texte rückwärts rezitieren, um den vgwort-mechanismus auszuhebeln … muss man erst mal drauf kommen … / die allegorisierung des verkannten als antennenbesetzende krähe im http://www.verkanntenverlag.de / nbp: Riedo, Dominik: Sprünglis Genoxidis für Feinschmecker http://bit.ly/aOGHBS / sabine jansen: werkschau :: 05/10 http://www.oh-welt.de/index-Dateien/Page355.htm / stellt sich gerade bildlich vor, wie zwei bücher im schweizer mittelland spielen … / microc vs. pancroc. #wörter / nbp: XII Eine Art Fazit http://bit.ly/ddLGcC / darum steh ich ja eigentlich mehr auf hörkrimis. kognitiv dissonierendes kann da mit etwas phantasie einfacher ausgeglichen werden. / das war schon ein brechtscher v-effekt der sonderklasse. / aber die plötzlich auftauchenden und dann ebenso schnell wieder verschwindenden 10 cm dicken schneeschichten, lieber polizeiruf, … / dazu auch der titel vom kollegen renner: Chapman / Ingold: Elf Tausend Verben / Ein Hundert Virgeln http://www.rennerverlag.com/ #lbn / Nach Eden. Die Oulipo-Bibel http://www.skypaperpress.com/eden/ #lbn / nbp: (5) Wer das Konkrete hat, muss sich um dessen Relativierung nicht /

Neid (notula nova 83)

Und: die Schachspieler in der Familienzone. (Und die wiederholte Erkenntnis: das Lächeln in seinem Gesicht war nicht das des Gönners, sondern das des Profiteurs).

Ich hätte schon gerne dieses dunkle, knurrige Stangenbrot. (Und, weil Sie das sicherlich auch interessiert: Ich fand diese Genieposer auch schon immer lächerlich. Und die nicht-stufenlose Verstellbarkeit literarischer Güte. Und Dranmor. Mit den krummen Beinen und Sätzen. Mit den falschen Bildern und Konjunktiven. Mit all seiner kognitiven Dissonanz. Und das Anthologiewesen. Die Textur literarischer Tombolas.)

Überhaupt muss man betonen: Die alleinige Existenz von Kommentaroption als Schaltstelle der Dimension von Autorschaft. (Ah, und endlich ein guter Titel für meine geplante Busnovelle: “Sie wollte lieber stehen.“)

Überhaupt: müsste der Begriff der Literatur von Projekt zu Projekt neu gefasst werden. (Erfordert eine Situation ein Pardon und es wird vom Anderen nicht gegeben, so erwähne ich es, meine aber “Prost”. A.H. von der F.D.P. lächelt mit einem satten Lobbyistenlächeln. Machen statt meckern, heisst es. Klotzen statt kleckern, usw. Meint aber das Gegenteil.)

Spannend ist es auch zu beobachten, wie ein Blog immer mehr Oberfläche seiner selbst wird. (Und: Hilfe! mein Chef ist von der Marburger Schule. Und: das Recht auf Jetzt. Und so weiter.)

Heute morgen kotzt mich mein Neid an. Ich bastle:

Frühlingsfrische

Bambushexe

Arsch frisst Hose

XII Eine Art Fazit

Könntest Du – vielleicht in einer Art Abstract – noch einmal die wesentlichen Aspekte dieser Arbeit zusammenfassen, vielleicht auch etwas skizzieren, was sich möglicherweise daraus entwickeln liesse bzw. welche Konsequenzen daraus zu ziehen wären. (bhfr)

Mit dieser Schrift und seinen Teilen sollte weniger etwas bewiesen, als gezeigt werden. Die Handschrift als Thema, als persönliches Thema, das aber in teilweise sehr unpersönlicher Art und Sprache bearbeitet wurde, führte zu einem heterogenen und auch zwittrigen Anschwellen von Text.

Ich versuchte Fragen nachzugehen, die man niederschwellig vielleicht so (re)formulieren könnte: Geht etwas verloren, wenn nicht mehr – oder tendenziell: viel weniger – mit der Hand geschrieben wird? Was kann und wird sich verändern unter solchen Voraussetzungen?

Die Antwort zur ersten Frage – geahnt wurde das von mir schon zu Beginn, allein die Art der Antwort, die ich (für mich) geben werde, hat mein Interesse geleitet – würde sicher lauten: Ja. Auch wenn der Verlust nur schwer zu objektivieren ist. Weiter interessiert haben mich allerdings Überlegungen zu diesem „etwas“, dessen Beschreibung, wie ich feststelle, sich sehr im Nuancenhaften bewegt.

Neue, andere Aufschreibesysteme schaffen Prädispositionen von Textualität. (Man denke hier vielleicht an unterschiedliche Tastensysteme, Apparate, oder auch schnell emergierende, massenmediale Kommunikationstechniken und -kanäle, die das Schreiben generell verändern, die quantitative und qualitative Auswirkungen auf die Texterstellung zeitigen und die schon jetzt omnipräsent in den verschiedenen Arbeitswelten anzutreffen sind.)

Solche technischen Dispositive verdrängen also meine/unsere Wahrnehmungsweise, auch der Skulpturalität von Handschriftentext. Spezifische Bildlichkeit und die Möglichkeiten von deren Verflechtung. (Andere, multimediale Formen dagegen, entstehen und werden weiterentwickelt werden.)

Und was das Lesen, Interpretieren und dessen (auch produktives) Scheitern angeht: die (Miss)Lektüre von Handschrift, auch als récriture unter speziellen Bedingungen ästhetischer Differenz zu verstehen, wird allmählich und in dieser Form aus dem Denkkatalog hermeneutischer Textbegegnung ausgeblendet werden. Ein Spiel von und mit Text, nämlich mit den Möglichkeiten von Nichtlesbarkeit, die anderes, alternatives Lesen induziert, könnte bzw. wird verkümmern.

Oder, im Falle beabsichtigter Unlesbarkeit – auch das kann ein Begehren (oder: eine Strategie) von Text und Autorschaft sein: können solche Effekte nur noch auf der Ebene normierter Signifikation gedeihen.

Auch wenn Walter Benjamin den Begriff der Aura auf das Kunstsystem abgestellt hatte: Diesen hier wieder einzuführen und ihn auf veränderte, technische Rahmenbedingungen (nämlich: der zusätzlichen Abbildungsmöglichkeit einer Schriftbewegung als Gedankenbewegung), kann die Bedeutung von Handschriftlichkeit aufwerten. Doch selbst diese Möglichkeit wird nur eine theoretische Möglichkeit sein und von aktuellen Entwicklungen in den Schatten gestellt.

Schliesslich wollte ich im Anschluss an diese Überlegung zeigen, dass – man denke hier an die im skizzierten Verfahren angelegten Möglichkeiten der Sichtbarmachung einer Doppelschrift, einer doppelten Signatur oder Urspur – solch ein Ansatz auch unweigerlich Konsequenzen für einen (dahingestellt sei, ob nun idealistisch oder strukturalistisch formulierten) Subjektbegriff hat. Eine Untersuchung, wie dieser allerdings zu reformulieren wäre, würde den Rahmen der Arbeit sprengen.

Last, but not least, müsste man sich auch – ob nun mit oder ohne Einbeziehung dieser Doppelschriftidee – ganz generell Gedanken machen, was es für den theoretischen und also abstrakten Begriff von Autorschaft und dem breiten Spektrum seiner Semantik bedeutete, wenn immer mehr Text nicht mehr „abgeschrieben“, sondern vor allem und z.B. durch Copy-Paste-Verfahren verbreitet wird. Man müsste sich also auch unweigerlich mit Art und Menge von Adressierungsmöglichkeiten bzw. –funktionen von Text unter expliziter Nichtberücksichtigung von Handschriftlichkeit beschäftigen. Ein kleiner Impuls hierzu, soll auch von dieser Arbeit ausgehen.