Noch ohne Titel (notula nova 49)

Noch einzufügen: Passage Heiner Müller, Gespräche 2. (Suhrkamp, Werke, 11) Über Tiberius (S.12)

(Wie bitte? Man sagt, mir würde der Freitag finanziert? Nun aber Vorsicht! Der Freitag finanziert uns alle!)

Und: Sehr anders etwa als ein Titel mit dem Titel “Ohne Titel” ist ein Titel mit dem Titel “Noch ohne Titel”. Letzterem nimmt man es ab, oder nicht.

Und: vielleicht mag man dazu sagen, ist an Vorletzterem doch etwas dran. Dann allerdings wäre wahr, ebenso: ich finanziere Dir zu grossen Teilen ein (klein-)bürgerliches Leben und Denken.

Und: Aber: Das gehört beiläufig in die kalte Glut!

(Oder, um es noch einmal umzubenennen: Wir arbeiten auch an einer Rekonstruktion des Werkbegriffs. Wurde und wird ein Schreibprozess als Vorgang gesehen, der in ein Werk mündet (münden kann), so setzen wir (umgekehrt?) den Schreibprozess zur Einheit des Werkes, der sich manchmal in einer zweifelhaften Minute zu einer willkürlichen Form (Buch etc.) kristallisieren mag.)

Besuch an der Grenze:

Zur kürzesten Nacht

steht noch unter Strom der Zaun

Am Seerosenteich

Oder:

Natur scheint im Glück

die Blumen in einem Topf

Halb nur im Regen

(Dort oben, nebenan, dreht sich seit 10 Minuten ein junger Mann im Kreis. Macht manchmal kehrt und kratzt sich an den Unterarmen. Die Symmetrie als Ordnung. Und: Die Ordnung als Ornament. Und: Die Spiesser.)

Nachtgesänge (ist012)

I Zit. Aus Wende, Über den Umgang mit der Schrift: Abb. von Morgensterns “Fisches Nachtgesang” mit Kommentar: Über Sehtexte, Fischschuppen und Vergegenwärtigungen von Titelversprechungen // II Über die Erschaffung meines Sprachkörpers aus dem geist seiner Unlesbarkeit. Über das [beredte] Schweigen. Über meine offenen Mäuler angesichts meines Angesichts. Über den [Brücken]-Sturz meiner Mutter, über die [harte] Rückseite des [Handbesens] aus Holz. Hiebe am Hintern. Vater[hiebe]. Über Plagiate. Über all dies in Reimform. Über einen Sturz auf der Bühne. (Ich zertrete dabei einen Luftballon, […] ein Mikrofon. Über den Fisch, der ich sein wollte. Über Ausmusterungen, Genüsse verbotener Substanzen. (Sieht man beim Staatsdienst gar nicht gerne). Über peinliche Anmache, zerschlagene Teller, ungeschützten Verkehr. Über Absagen ohne Sagen. (Meinerseits, andererseits). Über Masturbationen in Geschäftsräumen. (Lager, oberste Etage, das war die Zeit vor den allgegenwärtigen Kameras). Über den [Elan] eines Kaugummis, über einen Kasseneingriff. Über Tote, tote, tote Sprechkörper. Körper, tatsächliche, die unter der Erde deklinieren – nicht in Holz, in der Urne, als könnten sie wählen[.] Fortsetzung folg … // Auch das Nichtbild kann Lichtbild sein und verspricht einen Reim. Formt sich zur Urne (in der Nacht. Geräusche. Sirenen.) U.R.N.E. Und das Schweigen darin. Bleibt das ungute Gefühl des Nichtsagbaren, des Nichtmehrsagbaren, weil die Adresse verzogen. Schreibt sich ein, trotzdem, in den Text. III die gebräuchlichen feilen fein lange. Schnell, Keim Wortfolge in ein verständlich Herbat. Eiter meiner Mutter. Holz, Hiebe, Sterz auf der Bühne, türkis. Und das Schergen darin. Schreibt sicher.

Fettschlauch (notula nova 47)

Dann: Geben sie uns den billigsten Grappa. Die Sippe. Und: wundern sich. Bekommen sie nur: Kunstähnliches von uns. (Grappaähnliches erzeugt Kunstähnliches, wie jeder weiss. Das ist doch sehr einfach nachzuvollziehen, liebe Sippe.) Fritz Michel möchte in diesem Zusammenhang nicht genannt werden.

Und: 4. Das Fach für den Textilveredler. Und: Die Späne zum Entzünden des Feuers heissen Flammator. (Es gibt Thunfisch-Tomaten-Pasta. Man befördert uns zu Regenspaziergangstypen. Man befindet über)

halbrezenten gruyère

halbrahmschnitzel

halbdrachen

halbe mieten

Überhaupt: Dieser plötzliche Fokus. P. lobt die Bibliotheca Caelestis. H. will rezensieren. Was ist da passiert? Eine Netzkiste? Die Installation gibt es schon seit einem ¾ Jahr. (Die ruhigen Dinge, die ihre Gewalt in der Zeit offenbaren, sicherlich).

Die Hexenkinder

In dem Land, das nicht sein darf

Die Linsensuppe

Das Fieberkind hat sich erholt. Isst schon wieder fette Würste. Goody Goody. (Zwei ehemalige Tatortkommissare singen das. Man hat sich Ohrwürmer eingefangen. Repetitiva: hoch und runter.)

M.F.: „In der Sonne ist es immer gleich einiges wärmer.“ Ja, erwidere ich. (Die Rede über offensichtliche Wetterphänomene als Einladung zu einem dissensfreien Diskurs. Aber: Ausnahmesituation Wetterhalbprofis. Gefährliches Teilwissen. Das Ausufern von Diskurs je nach Konstellation. Quantitative und qualitative Kollektion und Reproduktion von Daten und Quellen führt auch zu dialektischem Dispens von Theorie.)

Oder (auch nur): eine Einladung zum Schweigen.

Überhaupt: ist eine Sprache der Theorie immer auch eine Theorie der Sprache. Ist das Sprechen von Theoriesprache eine praktische Arbeit an Sprachtheorie und umgekehrt. Ist alles immer auch umgekehrt der Fall. (Im positiven wie negativen Sinne). Oder Schweigen.

(„Ergreife den Stern und mach dich zum Herrn. So wirst du das Gleichnis deiner Herkunft erfahren.“ Der Drache der Weisheit aka Frau Mahlzahn. Und: die noch zu schreibende Dissertation: Zur Nietzscherezeption in Kinderbüchern des 20. Jahrhunderts.)

Oder: Heidegger.

Das Utopiensische Alphabet (ist011)

I Zit. in Wiebelt, Symmetrie bei Schriftsystemen. Abb. des Utopiensischen Alpgabetes nach Muros // Die Phantasieschriften: Klassen Schemata. “Schrift der Phantasie”: (wie Schrift des Unter[bewu…]). [Versuch einer Klassifikation. Nicht transkribiert weg. problemat. Darstellbarkeit …] II Wurde von mir in Planwirtschaft geschrieben oder hat sich nur Phantasie verschriftet? [I.d.F. Die Schrift einer [pubertären Phantasie], die von einem naturgemässen [vatergenmässen] Wollen entfesselt wurde. Sie würde heute mit wenigen Fragen (peinlichen) der Art: “Willst du mit mir gehen?” dargestellt werden und überlässt den Adressaten den Spielraum durch multiple Choices!] Z.B.: Phantasie-Schriften an Mädchen aus Nachbarklassen, wenn man selbst Junge (15? 16?) ist und geringe Zuneigungen verspürt. (Das andere Gschlecht). Man sollte sie nicht durch sog. Klassenkameraden übergeben lassen. Keine Botendienste. Die Botschaft verkommt. Man wird in doppeltem Sinne [verlacht] werden, den[n] die Überbringer der Epistel werden nicht die Geköpften, sondern die Henker selbst sein. (Man vermutet im Nachhinein ein Eigeninteresse dieser). Solche Phantasieschriften müssen idealerweise so konkret sein, dass ihre Verschlüsselung 1. nicht in solcher Weise erkennbar ist und 2. das Referenzobjekt der Botschaft sich auf keinen Fall im Bereich der Realität verorten lässt. Oder anders: Was so eine[m] Jungen in diesem Moment altersbedingt fehlt, ist ein gerüttelt Mass an Ironie, auf die er sich nach Rückerhalt des zerrissenen Stückchens Papier und der Kameradenhäme mit erhobenem Haupt und einem Lächeln zurückziehen könnte. […] // III Merke: Öffentliche Liebesbriefe wenden sich immer gegen den Absender. Private Verschickungen aber ebenso [,] wenn sich diese öffnen, wenn jeder von deren Öffentlichkeit weiss, ausser dem Absender – vor allem. Nur nicht geschriebene Liebesbriefe, sind Liebesbriefe, die ihren Zweck erfüllen. Diese greifen die Liebe nicht an, sondern [nur sich] selbst. Das Phantastische ist eine Nische des Privaten. Das Kryptische eine des Privaten im Öffentlichen. Die Poesie ist das unvermittelte Ganze. Das, [das] dahinter liegt und [k]eine Wörter benötigt. Oder Träger. IV Das peinliche Alphabet. Wühlt bei Schriftsystemen. Tatsächlich. Die Verarbeitung des Möglichen. Der Echtzeit. Das Verbindende. Gewaesche. Als zwar, zu Gegenmann, als Anschein Monstren des selbst hat sich Phantasie verschifftet? Schiffen an Mädchen die Botschaft vertont, das Papier der Kameraden heime mit erhobenen Herpf. Das Phantastische ist eine Nike des Privaten. Och Träge.