Rezession! (notula nova 22, supplement II)

Ein Alpenpanoramarelief auf dem Gurten. „Diese Anlage wird dem Schutze des Publikums anempfohlen“. (Ja, Kerben Kleinstein mit einer etwas peinlichen Textdidaktik, so zwischen Lesebuch, 9. Klasse und der Ortskernschilderung eines Wikipediaartikels).

Dabei: Jeder Text fordert auch eine gewisse Toleranz. Muss man stets prüfen, ob er nicht auch gegen mögliche Intoleranz von Lesermehrheiten in Schutz genommen werden muss. Ein Text bleibt unter Umständen einiges länger als die Lesermehrheiten. (So viel zur Marktbeschielung des Lektorats).

Anhand des Fehlerkorrektors eines Wortprozessors, anhand roter Unterstreichungen inhaltliche Cluster wahrnehmen. Themen. Namen. Fremdheit. Selektiver Blick. Lesen. Andersheit. Dichte. (Heftig, harte Bewusstseinsprozesse. Sich verirrend.)

Dann: steht da ein Gedanke im Raum. Und gleich daneben: sein Hintergedanke. Eine Art Revanchefoul.

Du liegst vor mir schlank

tintenhafte Kleckserei

oder nur Gedank

Und der zu schreibende Ratgeber: „Anstand bewahren in der Rezession“.

Dabei stelle ich mir ernsthaft die Frage, ob mich Lyrik überhaupt noch interessieren kann. Oder erzählerische Texte. Nach wie vor aber das Interesse für Sprache auf der Suche nach ihrer Form. (Ich stelle mich noch nicht selbst in Frage).

Aretius

Artopoeus

Fellenberg

Hospinian

Zesa

(Und zu deren Konservierungsstufen)

Überhaupt: ist das Weblog eine Software, die helfen kann, weiterzuschreiben. Ein Ansporn zur Kontinuität. Die Wahngesinnten.

Nonexit-Exit-Strategie (supplement II)

(Barthes, Neutrum, 127)

Heterotopoietisches (notula nova 21)

Da geht F. an mir vorbei. Und erkennt mich nicht. (Im öffentlichen Raum verschwimmen die Konturen.)

Und: Wider die optimierten Buchzyklen. Wozu auch? Verlegt man Texte an den Grenzen der Lesbarkeit. (Dort drüben! Eine Frau mit einem buchfernen Äusseren. Und ihr Name? “Kerben Kleinstein” vielleicht? Dies für den Figurenkatalog.)

Noch einmal zu Barthes: Nicht: Ich schreibe an einem Roman. Oder: ich schreibe an (Romantitel). Sondern: Ich schreibe (Romantitel). Hier an die Ausweitung denken. Konzeptuell: Nicht nur: Ich schreibe an einem Verlag. Sondern (auch): Ich schreibe den Verlag. In etwa. (Das, wenn ich alle Teile dessen bin. Ad: “Der Verlag als poietischer Text”.)

Weiter, anders: Der Verlag muss also als “Werk” angesehen werden. Es finden funktionale Verschiebungen an Betrachtung statt. Der Verleger wird Herausgeber, wenn er nicht nur Autor ist. Die Textteile (Werke) sind die Kapitel des Romans. Romantischer Extremismus. Folgerichtig muss der Verlag als Werk eingereicht werden. Das VLB, die Nationalbibliothek wird schön grüssen. Wir verleihen ihm eine eigene ISBN. Die Kapitel sind auch medial heterogen. Sie müssen gesucht und entdeckt werden. Man selbst schreibt sich suchend fort. Schreibend: sowieso. Ein Projekt in 100 Stücken?

Luftbuchung oder Akzentverschiebung? (Theoretische und praktische Folgen? Der Begriff des Kunstwerks vs. Reproduktion, Markt, Betrieb. Oder Metapherologisch: Verlagspoetik vs. Anthologie). Vgl. auch den textuell ähnlichen Ansatz der “edition haus am gern”.

Um 16 Uhr 20: Wenig Nebel. Flache Sonne. Sekunden der Freiheit.