Spiegel der Welt II

(M17)

Es gibt gleichfalls – und das wohl in jeder Kultur, in jeder Zivilisation – wirkliche Orte, wirksame Orte, die in die Einrichtung der Gesellschaft hineingezeichnet sind, sozusagen Gegenplazierungen oder Widerlager, tatsächlich realisierte Utopien, in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind, gewissermaßen Orte außerhalb aller Orte, wiewohl sie tatsächlich geortet werden können. Weil diese Orte ganz andere sind als alle Plätze, die sie reflektieren oder von denen sie sprechen, nenne ich sie im Gegensatz zu den Utopien die Heterotopien. Und ich glaube, daß es zwischen den Utopien und diesen anderen Plätzen, den Heterotopien, eine Art Misch- oder

Mittelerfahrung gibt: den Spiegel. Der Spiegel ist nämlich eine Utopie, sofern er ein Ort ohne Ort ist. Im Spiegel sehe ich mich da, wo ich nicht bin: in einem unwirklichen Raum, der sich virtuell hinter der Oberfläche auftut; ich bin dort, wo ich nicht bin, eine Art Schatten, der mir meine eigene Sichtbarkeit gibt, der mich mich erblicken läßt, wo ich abwesend bin: Utopie des Spiegels. Aber der Spiegel ist auch eine Heterotopie, insofern er wirklich existiert und insofern er mich auf den Platz zurückschickt, den ich wirklich einnehme; vom Spiegel aus entdecke ich mich als abwesend auf dem Platz, wo ich bin, da ich mich dort sehe; von diesem Blick aus, der sich auf mich richtet, und aus der Tiefe dieses virtuellen Raumes hinter dem Glas kehre ich zu mir zurück und beginne meine Augen wieder auf mich zu richten und mich da wieder einzufinden, wo ich bin. Der Spiegel funktioniert als eine Heterotopie in dem Sinn, daß er den Platz, den ich einnehme, während ich mich im Glas erblicke, ganz wirklich macht und mit dem ganzen Umraum verbindet, und daß er ihn zugleich ganz unwirklich macht, da er nur über den virtuellen Punkt dort wahrzunehmen ist. (…)

In: Michel Foucault, Andere Räume, aus: Aisthesis. Wahrnehmung heute oder Perspektiven einer anderen Ästhetik. Leipzig 1991. mehr

Kunstblut

Will Kommentar sein

Notizen machen

Vergessene Schirme beschreiben

Warum ich ich sage

Beim Reden über das Wetter

Hartnäckig bleiben in der

Ursachenforschung am

Faceliften Maulfletschen erkennen

Zum Beispiel

Witze

Über das hinkende Kind und die

Helmpflicht im Sandkasten

Meiden der Leinen

Der Blicke der Halter der Hunde

Standard und Substandard denken

Die Antwort

Quält ein gelangweilter Mob

Seine Opfer

Das Leiden

An kleinen Geschichten

Geschichte bezweifeln

Die Taten

(M15)

Nicht darauf, dass man die gleichgültigen Umstände ihrer Entstehung und ihrer allmählichen Vermehrung mit einer ängstlichen Gewissenhaftigkeit her erzählet; …. sondern darauf, dass man zeiget, wozu es denn nun auch der Gelehrsamkeit und dem Gelehrten genutzt habe, dass so viele Bücher mit so vielen Kosten hier zu Haufe gebracht worden. Das allein sind die Taten der Bibliothek: Und ohne Taten gibt es keine Geschichte.

Gotthold Ephraim Lessing, von 1770 bis 1781 Bibliothekar an der Herzoglichen Bibliothek in Wolfenbüttel