Feuereimer

Feuereimer, durch die Nacht getragen,

in den Schnee gestellt, von warmen Händen.

Glut wird gebraucht, wo Blumen sind und Orangen.

Kommen die Lebenden aus dem Dunkel

Schlaflose, Menschen und Tiere, letzte Falter

in Funken und Rauch einer Flamme,

und atmen, bis die Asche im Eimer kalt ist.

(Christoph Meckel, Seele des Messers, S.58, 2006)

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4. Schachtel (Horten)

Wären da nicht die Andeutungen. Die nicht begriffenen Sachen, die trotzdem benannt wurden. In den Heften und Briefen, und den Briefen die folgten. Und denen, die nie abgeschickt wurden. Und denen, die ich an mich selbst adressierte, und die nun, es ist dunkel heute Abend und der Wein bald zur Neige, gefangen sind. Bewacht werden in entfremdeten Kisten und verjährten Kellern an den Rand gedrängt. Die aus dem Blick gezogenen Schachteln, in fremder Gewalt: die Zell- und Zeilstoff angreift und löscht und auch die anderen Substanzen zermürbt. So liegen die Andeutungen jetzt, meine und ihre, in jahrzehntealten Wörtern, seinerseits. Und noch mehr: die ganz alten Wörter, die es heute nicht mehr gibt. Die Wörter der Väter und Mütter, die zuerst benutzt wurden, in ganz fremder Umgebung, sodass sie sich gar nicht mehr eigneten, ausgesprochen zu werden.

voilà. ich wurde nach einem konkreten beispiel gefragt. ich musste da nicht lange suchen. es befindet sich im kapitel 6.08 („Das Dritte“) des romans, das ich just an dieser stelle überarbeite. ich arbeite mit einem ausgeklügelten system von nummern. ich finde die stellen blind.

6.2

im keller // die fussnägel schneidend gebückt / fällt ins feld trüber sicht eine / flasche zur linken die ist schnell / entkorkt und der inhalt durchs / sieb in das glas in / den mund in den / hals in den magen geschmacklos / beim ersten und zweiten versuch bringt der / dritte die wende zur rechten die andere flasche des / roten im schatten des anderen fusses mit / dunkleren längeren nägeln wird darauf / entkorkt und genossen auf dich sage / ich meine mich und auch dieser durchs / glas in den mund in / den hals in den magen geschmacklos / erst nach einer weile wird / klar diese beiden bestehen nur neben / einander im wechsel ergänzen sich in / der struktur und der farbe im keller beim / schein matter kerzen im / hintergrund füsse und nägel die / halbwegs passabel daneben zum haufen / getürmt noch ein glas auf die / deinen auf dich und auf / dich und auf dich //

3. Schachtel (Schlussszenen)

Ich sprach von der künstlichen Haut der Dinge. (Verschiedener Dinge, zumeist Wörter, die zusammenverpackt wurden und auf die kein rechter Begriff, ein Sammelbegriff, mehr passen will). Will aber auch auf die logistischen Vorteile hinweisen, keine logistischen Vorteile, aber Vorteile für Logistiker. Die Verschnürbarkeit und Versendbarkeit. Die Verkleb- und Adressierbarkeit. Die Stapelbarkeit, von der ich jetzt schon denke, dass man darauf noch oft zurückkommen wird. Die Faltbarkeit, natürlich, also auch die Möglichkeit einer zweidimensionalen Darstellung.

in “dranmor” natürlich. man begehe nur die keller, dachstuben und arbeitszimmer. in den träumen meiner frau. immer wieder. ein fast ständiges motiv – oder ein ort? überhaupt: die orte. man muss sich nur etwas umschauen, schon steht da etwas, das unbedingt geöffnet werden möchte. und gleich daneben: etwas, das unter gar keinen umständen entdeckt werden will.