Zwei Züge am Tag.
Einer hält.
(Jürgen Theobaldy, Wilde Nelken, S.32, 2005)
|::| das sieb |::| kürzeste lyrik novitäten
Zwei Züge am Tag.
Einer hält.
(Jürgen Theobaldy, Wilde Nelken, S.32, 2005)
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Jetzt schaue ich dahin und da ragt ein Bürokomplex. Ich kann mich gut an einen Schreibwarenladen erinnern, der uns dort vor der Schule noch mit dem Nötigsten versorgte. Dann schaue ich erneut und da steht ein Schreibwarenladen. Ich erinnere mich, dass an dieser Stelle ein dunkles Gestrüpp und zwei Aprikosenbäume standen. Sie wurden auf dem Nachhauseweg vom Kindergarten von uns geplündert. Und an das von Fahrradstürzen blutende Knie in dieser scharfen Kurve gleich nebenan. Und an andere Wunden. Und die geheilte Zeit.
herzlichen dank von hier aus noch einmal an das haus am gern für diesen druck …
dazu: BMCs videostills zu der ausstellung Barbie und geräusche getretener bälle beschreiben
Über das Gelächter am anderen Ende des Traums: Denn dort ist mir aufgefallen, dass niemand lachte, als du deine Witze machtest. Du fielst nur selten hinter deinen strammen Frohsinn zurück, verstandst dich sogar zu steigern. Niemand lachte.
Niemand, der sich in deine Nähe verirrte, wurde von deinem offenen Mund gefangen genommen. Keine nochsoweissen Zähne, die du sicher heimlich mehrmals davor geputzt hattest, riefen spontane Freude und Anerkennung hervor. Vielleicht weinte man sogar hinter vorgehaltener Hand, als du zur letzten Pointe griffst. Ich wachte auf in einem Haufen verkrusteter Tränen und weinte darüber weiter.
markus hediger berichtet von der arbeitssitzung zum text urban studies. auf die frage, wie der text vorzustellen sei, würde ich obige anweisung zu franz dodels neverending haiku zitieren. und: dass man sämtliche erwartungshaltungen, was erzählbögen, -personal, -perspektiven, -zeiten etc. betrifft, abzulegen hätte. und: dass der text eine fläche sei, die von allen seiten beschritten werden könne. und: dass es sich vielleicht um ein gedicht handelte, ohne den typischen merkmalen von gedichten, freilich. und: dass der text vielleicht am ehesten im zustand der trance zu verstehen sei. und, wie gesagt: “Man konzentriere sich beim Zuhören auf die Pausen zwischen den Wörtern. “