Paare am Morgen VIII

Er beobachtet sie im Spiegel, während sie die Zähne putzt, und überlegt. Er sieht immer mehr Menschen, die Selbstgespräche führen. Es sieht für ihn so aus, als würden immer mehr Menschen zu sich selbst sprechen. Er weiss nicht, ob sie etwas sagen, ob sie flüstern oder nur die Lippen bewegen. Ob ihre Rede Sinn macht oder ob es nur Laute ohne Ordnung sind. Sie richten ihre Rede an niemanden – ihre Worte fahren ins Leere.

Er weiss nicht, ob er das als Bedrohung oder gegeben nehmen soll. Er hat über diese Beobachtung noch mit niemandem gesprochen. Er würde wohl für verrückt gehalten werden, aber er denkt darüber nach, immer öfter, über diese Auffälligkeit und würde es bald äussern. Laut.

Cassianus

(Kassian von Imola)

Cassianus sei der erste Bischof von Säben in Südtirol gewesen; von dort vertrieben, soll er in Bayern das Evangelium verkündet haben. Er wird mit Kassian von Imola gleichgesetzt, den seine Schüler in der Zeit Diokletians mit Griffeln zu Tode marterten, weswegen er als Patron der Stenografen und Lehrer gilt.

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Literaturliste Dranmor

PrimLit

Dranmor’s Gesammelte Dichtungen. Vierte, durchgesehene und vermehrte Auflage. Frauenfeld, J.Huber, 1900.

Ferdinand Schmid: Rückblicke auf verunglückte Colonisationsversuche in Brasilien. Rio de Janeiro, 1881

Ferdinand Schmid: Über Handel und Wandel in Brasilien. Journalistische Skizzen. Rio de Janeiro, 1883

SekLit

Dewulf, Jeroen: Dranmor, der erste Kosmopolit der Schweizer Literatur. In: Orte. Schweizer Literaturzeitschrift. Nr.144/2006. S.53-57.

Feistele, Max. – Die Lyrik Ludw. Ferd. Schmids [Dranmor“> / Liz.-Arbeit Univ. Basel, 1969 – (diese Arbeit ist signifikanterweise verschollen)

Frey, Adolf: Schweizer Dichter.  S.143-149. Leipzig : Quelle & Meyer , 1914.

Greyerz, Otto von: Einleitung zu den ausgewählten Gedichten Dranmors. IN: Die Schweiz im deutschen Geistesleben, Bd. 28, Leipzig, 1924

Günther, Werner: Dichter der neueren Schweiz Vol.1. S.67-85. Bern, 1963-1986.

Neumann, Gerson Roberto. – “Brasilien ist nicht weit von hier!” : die Thematik der deutschen Auswanderung nach Brasilien in der deutschen Literatur im 19. Jahrhundert (1800-1871) / Gerson Robert Neumann. – Frankfurt am Main : Peter Lang, 2005

Pester Lloyd 22. Jg, Nr. 69, 24. März 1875, Beilage: Dranmor (nicht zugriffig)

Saitschick, Robert: Meister der Schweizerischen Dichtung des neunzehnten Jahrhunderts. Jeremias Gotthelf, Gottfried Keller u.a. IV, 428 S. Frauenfeld, 1894

Schaffroth, JG: Der Dichter Dranmor. In: Alpenrosen. Ein schweizerisches Sonntagsblatt. Jg. 15, Nr. 3-6. 1885. S. 20, 27, 35, 43

Stern, Martin: Ludwig Ferdinand Schmid (Dranmor): Ein Schweizer Schicksalsgenosse Karl Postls und Nikolaus Lenaus; Festschrift fur Prof. Dr. Nikolaus Britz zum sechzigsten Geburtstag am 7. Nov. 1979. IN: Gladt,-Karl. Lenau-Almanach 1979. Vienna : Braumuller, 1979.

Vetter, Ferdinand: Ferdinand Schmid (Dranmor). Eine litterarische Studie. Bern 1897.

Nachträge und Ergänzungen gibt es u.a. hier

Paare am Morgen VII

Was sein kann, ist. Doch es sind nicht die Wörter, die wurden verbogen – entstellt und wieder gerichtet. Und nur noch schätzbar: die Orte und Zeitpunkte, an denen sie vor ihrer Entstellung geäussert wurden und die aus Sicht der Beteiligten auf eine Schieflage, auf eine unterschiedliche Haltung, auf eine Missstimmung hinwiesen, mit der zu leben war. Es war die potenzielle Möglichkeit praktischer Wahrheit, die in jedem theoretischen Handeln erzählerischer Substratbildung steckte. Doch nur, wenn Wahrheit als solche akzeptiert würde.

Es sind die kleinen Persönlichkeiten, die gemeint waren. Die damit verbunden und dahinein gewickelt und gelesen wurden, und von denen gedacht wurde und die so eingeschätzt wurden, jeder müsse sie erkennen und jeder würde sich auf der Spur eines Geheimnisses ahnen. Einen Wissensvorsprung erhalten – dem Schreibenden gegenüber, den Beteiligten gegenüber. Jenen gegenüber, denn wer dies lesen würde, würde unerkannt bleiben, und dessen Lesen und Verstehen nicht steuerbar. Und eine Rechtfertigung damit unmöglich, und ein Beschluss unausweichlich, und eine Bestrafung unerlässlich.