Werner

(M10)

35 Jahre. Es ging mit Riesenschritten auf die 40 zu. Er war immer noch Bibliothekar. Viele seiner Altersgenossen leiteten große Betriebe, versahen hohe politische Posten oder amteten als Professoren. Hatte er versagt? Nein, er war mit seiner Arbeit zufrieden! Hoher Verdienst lockte ihn nicht, hier konnte er sich selbst sein. Er beneidete niemand, weder den Direktor noch irgendeinen Vorgesetzten.

In: Vollenweider, Ernst: Die Stadt der Gerechten. Zürich, 1968

Dienstkleidung

(M08)

Zur Beseitigung dergleichen geschmacklicher Unsicherheit wäre man im folgenden geneigt, geradezu die Einführung einer neutralen Dienstkleidung zu befürworten, etwa jener lange(n) blendweiße(n) Berufsschürze, wie sie Vollenweider als Schweizer Spezialität vorstellt (…), oder, wie Jägersberg anregt, eine jährlich wechselnde Tracht für die Bücher-Soldaten … die Damen ganz in gelb und rot, knieumspielt, hüftbetont, und nach den Jahreszeiten einrichtbare Ausschnitte, die Herren in grünen Latzhosen, Tankwarte des Geistes (…).

In: Döhmer, Klaus. – Merkwürdige Leute : Bibliothek und Bibliothekar in der Schönen Literatur. Würzburg : Königshausen und Neumann, 1982 (S.33)

Komplementäre

(M06)

Die Autoren lassen bibliothekarischem Verwaltungsgebaren eher dort Gerechtigkeit widerfahren, wo sie seine Fehlentwicklungen als Antwort auf nicht weniger absonderliches Benutzerverhalten deuten. Dabei wird dieses mit ebensoviel Lust am überraschenden Detail gezeichnet, wie es üblicherweise zunächst mit der Person des Bibliothekars selbst geschieht, sodaß man verführt ist anzunehmen, Nutzer und Verwalter seien die dialektischen Komplementäre einer einzigen literarischen Anmutung – des Bibliotheksmenschen. Capotes Beschreibung einer „typischen“ Benutzerin etwa fügt sich nahtlos auch ins gängige Bibliothekarinnenklischee: Mildred – mit ihrem strähnigen Haar und den speckigen Brillengläsern, ihren fleckigen Fingern, … ihren flachliegenden Augen (…)

In: Döhmer, Klaus. – Merkwürdige Leute : Bibliothek und Bibliothekar in der Schönen Literatur. Würzburg : Königshausen und Neumann, 1982 (S. 47)