Dann das Fussballturnier. Ihre Grossmutter half mit, einen Pokal zu basteln: aus Staniolpapier und Klorollenkartonage. Der kürzeste Weg zum Spielfeld führte durch den Garten, war aber unpassierbar. Das Eisentor: kein Mensch hatte einen Schlüssel dafür. Der Umweg um den Block dauerte Jahre.
Die Spiele waren lange vorbei, als sie ankam, und sie bereits ein junger, gutaussehender Mann. Sie verlieh sich den Pokal selbst, dann zertrümmerte sie ihn. Ein Fremder kam hinzu und hob zwei Gruben aus.
Kategorie: die träume meiner frau
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Ein neuer Nachbar ist eingezogen. Der Mann steht früh morgens an der Türe und begrüsst mich, wenn ich zur Arbeit gehe. Zu diesem Zwecke streckt er seine riesige, gelbe Zunge aus dem Maul und schüttelt seinen Kopf mit den kleinen Hörnchen, vielleicht auch, um mir ein Nein zu bedeuten.
Vielleicht aber auch, um mir seine blendend spitzen Eckzähne zu präsentieren. Dann bläst er mir etwas rachitischen Atem hinterher. Am Wochenende haben wir ihn zum Essen eingeladen. Wir sind schon sehr gespannt.
zur erklärung (s.a. dtmf 81)

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Ein Schneider fing ‘ne Maus. Ich winkle erst beide Beine an und führe sie parallel, wie von mir verlangt. Er zieht ihr ab das Fell. Ich lege die Hände an meine Hüften und stemme die Beine senkrecht nach oben. Er macht’ sich einen Sack. Meine Haare werden bei jeder Bewegung des Kopfes von der blauen Matratze gezerrt und gezogen. Er tut hinein sein Geld. Dann sind die Füsse in schwarzen Leinenschuhen aufs äusserste zu strecken. Er kauft sich einen Bock.
Diese Übung heisst “Kerze machen”. Er reitet in den Krieg. Als Belohnung für eine gelungene Kerze legt die Turnlehrerin Bonbons in den Spalt zwischen den Sohlen meiner Schuhe. Er schlägt sie alle tot. Zum Abschluss der Stunde bilden wir einen Kreis und singen ein Lied.
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Das sei die Stimme deines Vaters auf dem Anrufbeantworter. Es ist eine Beschwerde über dein Schreiben. Über deinen Roman, der in aller Munde sei. Er habe nichts böses darüber gewusst, und: warum es denn dein Roman sein solle, wenn doch er der dich Prägende sei. Und: Da war dieses Interview mit dir in der Zeitung der kleinen Stadt. Die vielen Details. Er verstehe nun gar nichts mehr.
Jetzt habe ich auch eine Frage an dich: Hast du tatsächlich einen Roman geschrieben? Du hast mir nie davon erzählt und ich habe nie Verdacht geschöpft. Ich weiss auch nichts über die kleine Stadt. Oder ein Interview mit deinem alten Vater. Dich habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen. Warum schreibst du mir nicht?
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Natürlich kann man unter Wasser riechen. Ich nehme einen tüchtigen Atemzug unterhalb des Wasserspiegels der Wanne und lasse nach dem Wiederauftauchen Flüssigkeiten mit geräuschvollem Prusten aus meinen Stirnhöhlen laufen. Es dauert seine Zeit, denn sie haben sich beträchtlich gefüllt.
Da ist kein Chlor oder eine andere chemische Substanz, die zuvor mit dem Wasser vermengt wurde. Vielleicht etwas Kräuterextrakt und verschlafener Schaum. Danach aber verfolgt mich der süsse Geruch der Schwimmstunden vor dreissig Jahren und frischen, sauren Körper in den Umkleidekabinen. Der Geruch einer knappen Rettung oder der Geruch meines Ertrinkens.