Fahrerflucht nicht als Flucht des Fahrers: der etwa ein Zeichen missverstanden hatte. Ihm wurde nur ein Vogel bedeutet, der sich noch ein bisschen um einen Scheibenwischer wand. Etwas Haut, Federn und Gedärme an der Windschutzscheibe hinauf, sich in Fahrtrichtung nach hinten, oben verteilend. Er bedeutete nur noch wenig.
Ein anderer Vogel, der gezeigt wurde, dessen Zeigerin nun einen wütenden Fahrer flieht. Der erst aussteigt und mit einem weichen Lappen Vogelreste entfernt. Dann die Geflohene sucht. An einer Ecke, unter einer Laterne kauert ein kleines Mädchen, das den Schlaf nicht findet.
Kategorie: die träume meiner frau
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Mademoiselle Chantalle ist eine vielgesuchte Person. Man findet sie hier und da und neuerdings auch am Südbahnhof der Stadt Bern. Sie steht dort vor einem einschlägigen Restaurant in ihren rosa Leggins und schiebt sich ihre dunkle Langhaarperücke zurecht.
Sie kommt nicht hierher, um hungrig und eifersüchtig durch das Butzenglas die schmatzende Menge zu beobachten. Man sagt, es gäbe dort die besten Hähnchenflügel des Viertels. Sie steht dort, um sich wie einst in Leblon ein Opfer zu suchen. Heute nacht wird es die Wahrheit sein. Und mit ihr dieser Bericht.
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Das Mädchen unter der Laterne ist nicht missvergnügt und hat doch keine Schokolade. Es will nur nicht schlafen und schleppt sich immer wieder aus dem Bett durch den Gang hinaus auf die Strasse, um dort still kauernd auszuharren. Es ist dunkel. Es ist Nacht und einer möchte ihr flüstern: Husch, geh schlafen, kleine Maria, Daphne oder wie du heissen magst. Die Götter holen dich, schläfst du nur am Tage, eher heute als morgen.
Bald strauchelt einer über den Zweig eines Lorbeerbaums, ganz innig und besonnen. Und nimmt überrascht diese Ermahnung zurück. Spricht Selbstschelten aus. Dankt dann, dass wenigstens sein Schlaf gefunden wurde, im Angesicht so knapper Zeiten. Und der Mond scheint auch schon lange ohne Bedeutung.
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Jetzt schaue ich dahin und da ragt ein Bürokomplex. Ich kann mich gut an einen Schreibwarenladen erinnern, der uns dort vor der Schule noch mit dem Nötigsten versorgte. Dann schaue ich erneut und da steht ein Schreibwarenladen. Ich erinnere mich, dass an dieser Stelle ein dunkles Gestrüpp und zwei Aprikosenbäume standen. Sie wurden auf dem Nachhauseweg vom Kindergarten von uns geplündert. Und an das von Fahrradstürzen blutende Knie in dieser scharfen Kurve gleich nebenan. Und an andere Wunden. Und die geheilte Zeit.
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Über das Gelächter am anderen Ende des Traums: Denn dort ist mir aufgefallen, dass niemand lachte, als du deine Witze machtest. Du fielst nur selten hinter deinen strammen Frohsinn zurück, verstandst dich sogar zu steigern. Niemand lachte.
Niemand, der sich in deine Nähe verirrte, wurde von deinem offenen Mund gefangen genommen. Keine nochsoweissen Zähne, die du sicher heimlich mehrmals davor geputzt hattest, riefen spontane Freude und Anerkennung hervor. Vielleicht weinte man sogar hinter vorgehaltener Hand, als du zur letzten Pointe griffst. Ich wachte auf in einem Haufen verkrusteter Tränen und weinte darüber weiter.