Anstelle eines Vorworts

Wir hoffen auf Ihre Diskretion und ihr Verständnis. Wir machen Sie zu Mitwissern, Betroffenen und Teilen des Dramas. Wir öffnen unsere Archive und Sie finden Konvolute vergilbter Zettel und Registerkarten, verzeichnete, signierte, wir können nur vermuten, von wem. Wir sind Schiffbrüchige, die sich an nächstbeste Planken krallen, solange, bis uns die Kräfte verlassen und wir versinken. Wir ergänzen, wo wir können oder müssen, ordnen, deuten, lesen, was sich vor unsere Feder bewegt.

Wir fühlen uns sicher, wo eins und eins zwei sind, und wo nicht, behaupten wir, dort sei ein Traum. Wir behaupten ernsthaft, es sei der Traum eines anderen.

zu den kommentaren hierauf und mit herzlichem dank fürs geduldige lesen an markus hediger und meine frau.

Vorwort zu DTmF (V1)

Es wird Ihnen unglaublich erscheinen. Wenige Tage nach unserem Umzug fanden wir in einer zu der Wohnung gehörigen Kellerparzelle eine alte, zurückgelassene oder vergessene Holzkiste mit der Aufschrift “Die Träume meiner Frau”.

Darin ein Konvolut vergilbter Zettel und Registerkarten, wahrscheinlich Eigentum des verstorbenen Vormieterpaares. Neugierig geworden, versuchten wir das seltsame Material zu ordnen, ja, erst einmal zu lesen, denn auch die Schrift war von der Zeit stark in Mitleidenschaft gezogen worden, brüchig und teilweise verschwunden. Die kleinen Texte waren fast alle mit einer rätselhaften Zeichenfolge ausgerüstet, für die wir aber erst später eine Erklärung suchten und hoffentlich gefunden haben. Wir haben weiter versucht, das Material wieder zugänglich zu machen, d.h. es zu transkribieren, zu ordnen und – wo es nötig war, Unlesbares oder Unsicheres zu ergänzen bzw. auszudeuten.

Dem seltsamen Code nebst anderen Bemerkungen über diesen Notizen hatte man wohl eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Wir vermuten also, es sind Protokolle und Teilergebnisse eines grösser angelegten Experiments, das wohl nicht zuende geführt werden konnte. An dieser Stelle danke ich meiner Frau für ihre Mithilfe an diesem Projekt. Besten Wissens und Gewissens übergeben wir Ihnen heute “Die Träume meiner Frau”.

Die Syntax als Semantik (DTmF)

Um noch einmal zu präzisieren: die Signierung der Stoffe ist als ironisches Verfahren gedacht, auf das ich nicht verzichten möchte. Ironisch, weil es natürlich eine Art Scheinwissen oder Scheinforschung suggeriert. Diese Form der Offenlegung einer Pseudo-DNA der Texte ist zwar einigermassen positivistisch (wie die angedeutete, aber noch weiter zu bearbeitende Legende zeigt) und die Ordnungen (und damit Sortier- bzw. Lesbarkeiten) der Texte, wenn auch nur bedingt erkenntnisbringend, so doch nicht an den Haaren herbeigezogen. Aber noch einmal ironisch, weil die vorgegebene Struktur der Signatur (ihre Syntax), die die alle Texte umschliessende Formel (oder: Ästhetik) ist, hinter der sich das Subjekt versteckt. (…) Unterstützt werden soll diese Labelung durch die jeweilige Vergabe eines descriptors, der ein geregeltes Vokabular bzw. einen Thesaurus impliziert, aber nur eine Assoziation zum Text und auch Texttitel ist. Jeder (Der) Metatext ist (hier) also nur Paratext, sozusagen.

Wege zum Manuskript (DTmF)

Liebe Leserin, lieber Leser

Wie Sie vielleicht bemerkt haben, wurden bis auf einige Ausnahmen die einzelnen Stoffe der Reihe Die Träume meiner Frau vom Netz (d.h. vom Weblog) genommen**. Die Rohmaterialien bleiben allerdings weiter im Readerbereich. Die übrigen ausgewählten dienen noch als Beispiele und Belege bzw. deren Kommentare* sind relevant für die Reihenstruktur. Aus den 100 Stoffen werde ich nun ein (ca. 110-seitiges) Manuskript basteln. Vorerst wird das Material gesichtet, leicht bearbeitet und klassifiziert, d.h. es wird mit einer Signatur und einem natürlichsprachigen descriptor (der später auch title-funktion hat) codiert. Das wird allerdings einige Tage (Wochen?) in Anspruch nehmen. Hier finden Sie ein Beispiel (Ausschnitt):

Die Vorgehensweise, die Ver- und Entschlüsselung, die auf die Mehrdimensionalität und Tiefenstrukturen des Materials hinweist und damit multiple Gruppierungsmöglichkeiten eröffnet, ist in Ansätzen hier (v.a. in den Kommentaren) beschrieben. Weitere Stufen und Schritte werden beizeiten bekannt gegeben. Das literarische Weblog “taberna kritika” wird wahrscheinlich wieder ab nächster Woche bedient …

“Ein Traum, was sonst?”, gibt Kleists Prinz von Homburg im letzten Auftritt des fünften Aktes Kottwitz als Frage zurück. Worauf sich aber die (Vor-)Frage bezieht, so eine Lesart (Kottwitz: “Nein, sagt! ist es ein Traum?“), bleibt offen.

Ich wurde nach einer sehr allgemeinen Beschreibung zu diesem Konvolut gefragt. Heute möchte ich behaupten: Diese Arbeit versteht sich als Arbeit am Traumbegriff (Der Traum als Text / Der Text als Traum) bzw. der plakativen Ausstellung menschlicher Unmöglichkeit adäquater Deutung bzw. “Ordnung der Dinge”.

* noch online: 94, 91, 88, 78, 77, 76, 75, 72, 71, 69, 58, 43, 33, 22, 21

** (strike-edit: 19.05.), alle texte sind nun offline

100

Gegen Fertigungen. Gegen reuigen Eiter. Er neigt in nur ein Etui: Ein Tiger. Ein tiefer, enger Eifer reift ihn ein. Einen Einer reiten. In Ferien gegen Güte feiger Gerten. Gegen Grete. Ein Grete-Reiten in eure Neigungen. Eure Figuren gürten in einer Gier.

Ein Tier reiten. Gerne in Eiger, rief er. Rief Gunter. Eine neue Egge turnen. Eine Gute. Eine Grüne. Ungern genug … Nein, Ennui.