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Plötzlich waren sie alle wieder da. Dennis. Patrick. Christian. Und Peter. Marcel. Daniel. Philipp. Alexander. Florian. Kevin und Jan. Sebastian. Tim oder Timo. Und Felix. Ach Felix. Auch Christopher. Fabian. Nils. Marko. Benjamin. Sowie viele Namen, die mit numerischen Anhängen versehen waren. Auch Ortsnamen, Geburtsdaten und Sonderzeichenfolgen tauchten fast bildlich und völlig unverschlüsselt vor mir auf. Das allerdings in einer enormen Geschwindigkeit, sodass ich nur mit grosser Mühe von ihnen Notiz nehmen konnte.

Am Ende hatte ich eine umfangreiche Aufstellung mit fast allen von mir jemals benutzten Passwörtern. Eine dennoch sinnlose Liste, war es mir doch unmöglich diese den entsprechenden Anwendungen zuzuordnen oder gar deren Existenz nachzuweisen.

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Ein Notizheft liegt wie Hoffnung neben dem Bett. Der Versuch, es weiter zu füllen, war bis jetzt nur bei jedem dritten Traum mit Erfolg gesegnet. Auch heute Nacht wollte sie ihm wieder einen Traum aufschreiben, war aber von den vorangegangenen durchwachten Tagen so schlaff, dass sie sich nicht dazu durchringen konnte. Also fiel sie wieder in einen tiefen Schlaf. Ungewöhnlicherweise träumte sie ein zweites Mal und träumte sich einen Notizblock, der sich im Schlaf langsam füllte.

Am nächsten Morgen fand sie ein Protokoll davon in diesem Büchlein. Aber der Geliebte, dem sie ihn erzählen wollte, kam nicht mehr in dieser Woche und auch nicht in den folgenden.

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Wir sind gewiss nicht in einem windigen Hotel am Rande der Wüste abgestiegen und sehr erstaunt über seine Gunst. Zwanzig Euro pro Nacht für die ganze Familie: da wird man sparen und reich sein in wenigen Wochen. Um unsere Kosten weiter zu senken, verhandeln wir mit dem Maître. Wir werden die Minibar nicht berühren und auch nicht die Heizung, denn es wird kalt heute Nacht. Auch Dusche und Handtücher bleiben tabu und wer braucht schon ein Frühstück? Das Kind schläft sehr gerne in unserem Bett und Licht machen wir nur im Notfall. Nein, auch die Kissen können getrost entfernt werden und zu Telefon und Fernseher in den Schrank.

Der Hotelchef ist ein gnädiger Mensch, sodass sich bei jedem unserer Zugeständnisse der Nachtpreis verdoppelt. Nun zahlen wir eine fünfstellige Summe und bleiben gerne eine Woche länger.

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Was also können wir dafür, dass der Boden eines von uns angemieteten halben Zimmers, dreihundertzwanzig D-Mark, achtkommafünf Quadratmeter, auch von der Obermieterkatze bewohnt wird? Da sind Obermieterkatzenhaare überall und das, was passiert war, konnte schliesslich jedem passieren. Irgendwann fällt ein nasses Hemd zu Boden und es war sicher nicht auszuschliessen, dass das eine oder andere Haar daran kleben bleiben wird.

Da muss man nicht cholerisch werden. Da muss man nicht das Hemd noch einmal einzeln waschen wollen und einen dummen Satz sagen. Da muss man sich nicht wundern, wenn man sich am anderen Morgen mit einer durchgeschnittenen Kehle findet.

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Du vermutest eine klassische Übergrösse. Im Schuhkarton dagegen lagern moderne Schriften. Darauf verblassen raurote Striche aus dem Fasermarker und eine nur noch kleine Titelei zieht sich diagonal über den Deckel. ICH, heisst es. Darin findest du achthundert kopierte Seiten. Hinten und vorne bedruckte. Knapper Durchschuss und kleinste noch entzifferbare Punktzahl. Du bekommst diesen Auftrag. Lies!

Doch du wirst sie vergrössern müssen. Und: Es befindet sich nur ein einziger wahrer Satz in dieser Schachtel. Finde ihn heraus. Bis morgen früh.