überschreibungen 13

(phasen und strukturen)

sehr heterogen, die überlegungen zu und in diesem kapitel. und wenig haupttextbezogen. (muss auch mal sein). dafür ein paar gedanken zu grösseren strukturen. zuerst über die befürchtung, die generell in der 1. hälfte von kap. 5 aufkam: es ist etwas vage und betrifft alles, was ich (man) noch nicht erklären kann: ich hoffe, dass die bedeutung nachrückt (nur z.b.: stil- und themenwechsel, o.a. die geringe bedeutung von dranmor in dranmor, oder die unvermittelten montagen, die übergänge verlangen). in die elemente, die nicht geplant waren und ihre einfügung in “das ganze”. (und über die hoffnung: dass es überhaupt etwas ganzes ergibt, oder einen hauch davon oder eine ahnung). mit dieser hoffnung wurden auch die texte dranmors gelesen. dann auch über den zu erwartenden effekt: je mehr geschrieben wird, umso weniger scheint es auf einen formulierbaren kern (1 formulierbare bedeutung) hinauszulaufen. (fussnote: der exildiskurs bzw. das motiv erscheint mehr und mehr erzwungen und muss vielleicht etwas tiefer gehängt werden, vgl. a. das exposé: also etwa, dass so eine situation (die startsituation des erzählers) nur auslöser sein kann, über das schreiben zu schreiben z.b., endefussnote). und: ein weiteres problem beim tendenziell anschwellenden text: die trennungsängste, oder: die unfähigkeit zu streichen oder zu kürzen. (ich muss mir da noch ein system überlegen).

sie kann da natürlich auch ein paar tipps geben. in solchen fällen müsse man mit listen arbeiten. wie schön, dass so etwas wie ein inhaltsverzeichnis aller passagen schon existiere. und gut, wenn man jetzt schon begönne. ich sei ja an einem punkt angelangt, der entscheidungen forderte: man sehe, der zeitrahmen sei ohnehin gesprengt und man müsse den gesamten prozess neu entwerfen. am besten schon heute abend. wie es wäre mit heute abend. sie könne vorbeikommen in der stadt, heute abend, und kenne auch ein nettes, kleines, ja, fast unbekanntes restaurant, wenn ich befürchtungen hätte. sie werde einen tisch reservieren.

unbedingt festzuhalten, also, der neue zeit- und arbeitsplan für dieses jahr/projekt (entwurf): 1. phase (konsolidierung, bis ende april), daraus: manuskript version 2. – 2. klassifikation der passagen (0=zu streichen, 1-3=stark bis kaum/nicht zu bearbeiten). – 3. phase (zuerst überarbeitung der passagen mit klass1, dann klass2, bis ende august). – 4. konsolidierung, daraus: manuskript version 3. – 5. neues exposé*. – 6. vorlektorat (start: oktober?) so, ungefähr. CONTAINER: Natürlich, interpretiert man auf der Ebene dieses Zitats („Die beste Definition der Heimat ist Bibliothek.”, aus: Canetti, Blendung (zu V,1a)), schleicht sich das Heimat-/Exilmotiv wieder durch den Hintereingang hinein. Einer der wenigen, ausführlicher gewürdigten Orte des Textes ist tatsächlich die Bibliothek: als Arbeitsstelle, Wohnort, Identität, Gedächtnis/Erinnerung etc. Dann wurde die Frage aufgeworfen, ob es sich nicht vielleicht um einen Entwicklungsroman handelte: das muss man im nachhinein wahrscheinlich bejahen. Tatsächlich sind aber schon viele Gattungsbezeichnungen auf den Primärtext “Dranmor” angewendet worden, sodass man sich damit einmal gesondert auseinandersetzen müsste. Wie natürlich auch mit dem Pilzmotiv, das mehr und mehr als Symbol der Wucherung an sich fungiert und damit auf performativer Ebene natürlich auch diese Abteilung meint … * zuletzt und dort unbedingt mit hineinzunehmen: “das ich, als wartendes und stets neu sortierendes, als phasensignifikant.” und: “langeweile als positives konzept”. soweit. soso.

(zu dranmor V,1a-V,1e; übersicht überschreibungen)

überschreibungen 12a

(abfälle)

sie sei über diesen satz, nein, eigentlich über seinen nebensatz gestolpert. dann habe sie den ganzen band1 gelesen. er dürfte interessant sein, für mich. sie bringe ihn heute abend mit.

Eine Sprachsammlung. Dabei gibt es Abfälle, Wörter fallen weg, kann man das, was sie vorher sagen wollten, vielleicht nie wieder sagen. (). (). und analog? wenn die umgebung der wörter wegfällt?: man kann das nicht nur in übertragenem, sondern auch in ganz geophysischem sinne verstehen. sagen denn dann die wörter eigentlich überhaupt noch etwas aus? (die zeitliche entfernung, also, aber auch die räumliche – ist das nicht eigentlich das gleiche? gibt es ein gemeinsames mass?). wo doch überall behauptet wird, sie sagten etwas aus, aber eben etwas anderes. und: dass genau dieser ansatz den leser vollständig als autoren inthronisieren würde. und eine überschreibung, keine überschreibung mehr, sondern unabhängiges werk, das aus sich selbst zu verstehen ist. und keine traditionen mehr. und gattungen. und und. und damit ist ein roman (als figur und als gattung) natürlich völlig berechtigt, einem gedicht eine szene zu machen. (). das: nur am rande.

(zu dranmor IV,1w; übersicht überschreibungen)

1 Zsuzsanna Gahse, Instabile Texte, s.7

überschreibungen 12

(grosses gelände, rohstoffe)

zum einen: dass in diesem halbkapitel stark sichtbar wird, wie die ursprüngliche anlage des textes gedacht war. als novelle nämlich, die sich aber mehr und mehr aufplusterte, die sich sprachlich verselbständigte, die ausuferte ohne aber den plot stark zu komplexieren: die an terrain gewann und in verschiedenen parzellen nun übungen (deklinationen) vollführt. natürlich mehr spielraum. natürlich mehr oberfläche. befreiend zuerst, dann aber (ebenso natürlich) die frage, wo das hinführt. die zeitliche unabsehbarkeit (daraus, wenn etwas nicht am reissbrett gezeichnet wurde), die aber, wie in einem kommentar geschrieben wurde, auch gewinn sein kann. die zeitliche unabsehbarkeit muss nicht abschrecken. tat es vielleicht am anfang – das hat sich nun ein bisschen geändert. zu dem von dir (i.e. hediger) gemeinten projekt dranmor: wichtig ist (in meinem falle, da es für dieses projekt keine deadline gibt. und anders, als noch in der skizze dort angedeutet), dass ich mich nicht selbst zu sehr dränge, sodass mir die lust vergeht. wichtig ist auch, dass es nicht die einzige arbeit bleibt. dass es da etwas überschaubares gibt (oder i.m.f., oder auch in unserem: mehrere kleine manuskripte, die entstehen), das auch tatsächlich in absehbarer zeit umgesetzt und abgeschlossen werden kann (…), das in diesem stadium. (in einem jahr ist also diese frage noch einmal zu stellen).

ich gebe zu: das kapitel vier ist sicher eines der schwächeren kapitel, eines, an dem stärker gearbeitet werden muss, eines, das mit noch viel mehr erklärungsbedürftigen montagen arbeitet, eines, in dem die motive (von roman und dem erzähler) sehr verwirrend sind (und sich überlagern), eines, das darum noch sehr viel mehr mit typographischen elementen spielt (spielen muss), wirft sie mir vor. dann habe sie keine grosse lust verspürt, daran intensiv weiter zu lesen und schlage nun vor, gleich zum nächsten kapitel überzugehen. sie werde das aber nachholen, wenn dieser teil soweit sei. ich vermute allerdings auch, sie möchte mich etwas strafen.

aber zurecht: ohne das original wird auch diese stelle kaum lesbar sein. dabei skurril: einen pathetischen gedichttext dranmors [abb.: dranmor, edward gray (1. hälfte), in: gesammelte dichtungen, 4. a., 1900″> von roman (ich erinnere: eigentlich einem widerpart des erzählers, eigentlich aber: alter ego) inhaltlich in eine jugend- sprachliche szene (vielleicht der neunziger jahre) zu überführen. das beispiel (umsetzung titelung bis z. 4): Eddi is noch nich soweit // Nach Dranmor nach Alfred Tennysons Edward Gray // emma moreland und edward gray treffen sich auf der strasse // EMMA: hej eddi, alles klar? lange nicht gesehn. und, schon unter der haube, oder solln wir uns mal wieder treffen? (zwinkerzwinker). in dieser art. (). das ist natürlich starker tobak (oder: “das ist doch jugendtheater!“) und wirklich fraglich (fragwürdig), ob man das zeigen eines scheiterns einer semantischen übertragung jenseits aller formen so anpacken kann. das muss man sich wirklich noch überlegen. (und notfalls einfach streichen). andererseits: wie mir hier wieder auffällt, ist dieses vorgebliche verfahren romans natürlich auch wieder eine art überschreibung und zitiert im kern diesen text (und umgekehrt: reziprozität). vielleicht ist also nicht das verfahren generell verkehrt, sondern ich muss nur an dieser ganz konkreten umsetzung feilen. CONTAINER: dann natürlich auch wieder Beruhigung. Das Naturgemässe der Pathetizität von Jugendlieben – wie anders will man das in diesem Falle auch anpacken? Denn als Rohstoff.

(zu dranmor IV,1g-IV,3; übersicht überschreibungen)

überschreibungen 11

(kannibalische texte)

oder: formen der binnen- und intertextualität im dranmor-komplex.

so einfach und aus dem stegreif könne ich ihr das gar nicht beantworten. nicht jetzt und am telefon. da müsse ich mir erst notizen machen. die müsse ich ordnen und ausformulieren. die müsse ich überprüfen und wenn nötig: neu formulieren oder verwerfen. das brauche zeit, sage ich, und: ob sie das verstehe? ob sie verstehen könne, dass ich dazu erst später etwas sagen könne. nächste woche vielleicht, und nicht heute. dann: ob es an ihr liege, fragt sie mich. oder, ob es an IHR liege? denn: es ginge doch wohl schon lange nicht mehr um diesen text. um diese texte …

beispielsweise: wilde wehen (IV,1e) und das erscheinen der passage in einem themenheft der klivuskante (25). das zeige doch, dass diese passage(n / (ich würde sagen, auch andere hätten diese qualität, bspw: „Über Berge schreiben“)) auch ohne einen kontext funktionieren. (die passage dokumentiert einen geburtsvorgang, beschreibt, wie ein text entsteht; der im manuskript darauffolgende wiederum ist eine passage als erzählung mit dem titel Loipenblut (IV,1f)). pikant: der offensichtlich harmlos daherkommende text (konventionell erzählt, fast pointenlos, mit einem eher stabilen ich-erzähler) wurde selbst einmal eingeschickt und abgelehnt. verschränkungen: in loipenblut geht es am ende um mögliche kannibalische handlungen eines verschwundenen erzählers. durch die hineinmontage (vgl. auch Ein konventioneller Magaziner (III,3c)) in dieses manuskript entsteht die paradoxie der aufladung eines erzähltextes durch den kontext: der beschreibung eines erzähl- oder schreibprozesses. der zweite text kannibalisiert also den ersten. der erste im rückblick den zweiten. das kannibalenmotiv kommt aber nicht unvermittelt, sondern wurde schon im vorgängigen kapitel durch die erwähnung hans stadens und dokumentation seiner aufzeichnungen über das brasilien des 16. jh. vorbereitet. welcher text verschlingt nun welchen und bleibt am ende übrig? analog: ist nicht auch der überschreibungstext ein verschlinger des dranmortextes oder vice versa? (darüber muss man sich gedanken machen. und: ob nicht vielleicht dieses motiv das hauptmotiv der ganzen veranstaltung ist). die parasitäre beziehung des erzählers zu seinem material. oder: des autoren zu seinem erzähler. auch hier wieder die komplexe struktur der beziehungsebenen. nicht zuletzt das pilzmotiv. eine später sehr präsente verbildlichung der angst des wirtes vor einem ungebetenen gast (ersetze vielleicht?: autors/leser). wie auch immer: loipenblut wird in diesem kontext erst richtig lesbar. CONTAINER: an der Stelle ein Dank an Tatjana Markulin, ohne deren Kommentar ich vielleicht gar nicht auf die Idee gekommen wäre „Wilde Wehen“ (in einer nur leicht bearbeiteten Form) einzusenden …

(zu dranmor IV,1a – IV,1f; übersicht überschreibungen)

überschreibungen 10a

(die übung)

Ganz sicher. Ich habe über sich allmählich verdichtende Konjunktive geträumt. Und Quantitäten. CONTAINER: Da war schon einmal die Rede von. Heute Nacht hatte es Konsequenzen. Heute Nacht habe ich einen alten Untertitel gestrichen. Heute Nacht wurde ein neuer gesetzt. Zur Erinnerung: Dranmor oder Die Übung in würde. Wie immer: vorläufig.

(zu dranmor 0,0; übersicht überschreibungen)