überschreibungen 10

(die täglichen dinge)

viel zu wenig ist heute darüber festzuhalten. (). und natürlich: zeitliche gründe.

die da wären? nun, ich habe einem freund versprochen, ein paar skizzen zu sichten. darüber etwas zu sagen. die aus meiner sicht besten zu benennen. das brauche zeit. ich musste mich gestern abend dafür über drei stunden in stimmung trinken. sie will wissen, ob es die zeichnungen seien für das andere manuskript. die zeichnungen der frau des freundes. oder etwa die bilder für die träume meiner frau. man komme ja bei der vielzahl der projekte nicht mehr mit. ich habe sie dabei und sie seien für “urban studies”. ich finde bis jetzt die skizzen 3, 4, 6, 10, 13 und 14 sehr gelungen. sie wurden auch ausschnittweise schon in dieser serie gezeigt. das fände sie auch. aber auch andere. einige erinnern an unfertige grundrisse von neubauten. ja, vor allem diese, sage ich, und: wollen wir anfangen?

dann wird gefroren, gebadet und eingekauft. es wird eigentlich nur behauptet, dass gefühlt werde oder diese dinge erledigt würden. das ist, fällt mir auf, vor allem in diesem kapitel so. Hat Dranmor hier den Fokus verloren?, heisst es an einer stelle (die badewannenszene in III,3a – Permafrost), und vielleicht ist es tatsächlich so, als begönne ab dieser szene eine neue ichbezogenheit und wahrnehmungsfähigkeit des erzählers. oder: als verschmelze der erzähler zum ersten mal mit seinen schreib- und leseakten. (bei nochmaliger lektüre: befremdendes gefühl – die einlassungen des primärtextes müssen plausibel gemacht werden. eine art innerer monolog, vielleicht? es gibt da zuwenig hinweise …). aber natürlich auch analog: die eingelassene kurzerzählung „der konventionelle magaziner“. (eine ganz andere sprache. eine ganz andere erzählweise). hier musste kaum verändert werden. wie bei den wahlverwandtschaften handelt es sich hierbei um einen text im text, der strukturell das verfahren in nuce spiegeln soll: eine legitimation für erzählerische literaturgeschichtsklitterungen und daher: eine fiktionsklitterung. (soviel zum thema relevanter realismus. wen interessiert der schon?). CONTAINER: erstaunlich, die assoziativen und auch positiven Kommentare wiederum zu III,3a – Permafrost. Eine Passage, an der ich sehr gezweifelt habe und die (im Verhältnis) etwas stärker bearbeitet werden musste. Dann die Replik „manchmal das gefühl: d. wird ein ausufernder fussnotentext“. Vielleicht steckte dieser Mechanismus schon zu diesem Zeitpunkt im System. Und: Der Überschreibungentext ist nicht nur Fussnotentext zu Dranmor – sondern auch umgekehrt. Die beiden Textebenen verstehen sich also gegenseitig als Materialhinweise. Apropos Material: Die “wirklichen” Bruchstücke und Fragmente, von denen ich ausging, dass sie aufgegeben werden müssten, weil zu sehr überarbeitungsbedürftig (wie bspw. III,2 oder III,4), konnten wiederum als „Übungsmaterialien“ des Erzähler recycelt werden. Schön, wenn das mit allen Texthaufen so ginge.

(zu dranmor III,2a-III,4; übersicht überschreibungen)

überschreibungen 9

(abschäumen)

(was bisher geschah, oder:). für später eingestiegene: es geht hier immer noch um die beschreibung der bearbeitung eines romanmanuskripts. oder: es handelt sich um die abbildung eines leicht eingreifenden lektüreerlebnisses. (ein abschreckendes, weil alles noch so unfertig ist, weil es noch so viel zu tun gibt, weil die zweifel so gross sind, was denn gestrichen werden muss. und: es muss wieoftgesagt massiv gestrichen werden).

und dass dieser bericht sie doch reichlich spät erreiche. ich entschuldige mich. der kleine sohn hatte hohes fieber. und ich wusste zuerst nicht, was tun, und: ich musste ihn pflegen. sie könne sich ja vorstellen: Es wird alles unwichtig, wenn ein Kind krank ist . sämtliche vorstellungskräfte neutralisierten sich. und: man liege nur noch am hustenden puls des kleinen – darum dieser bericht erst heute. und, ja: das kind sei wieder gesund. gottseidank. keinmensch wisse, warum dieser plötzliche fieberschub (…) sie verstehe. aber nun will sie, dass wir endlich zur sache kommen.

zwei dinge, hauptsächlich: die arbeit an der zentralen passage des kapitels. (III,1c=Über Berge schreiben). ich glaube, die ist mir einigermassen gelungen. (auch wenn sich eine kernthese noch nicht so richtig herausschälen lässt (ie: über berge zu schreiben als sich über den berg schreiben)). aber klar, hoffentlich die analogie: Heimat ist auch im Flachland ein Berg und/bzw. Die (meine) Sprache ist auch in der Fremde nur Dialekt. das wirkt wohl nur aus dem kontext heraus und vielleicht etwas gespreizt. ich zitiere also die verbesserte form um dieser stelle (um einmal explizit ein sanfte transformation gezeigt zu haben, wie einmal angefragt wurde): Woran schreiben, wenn der starre Blick aus dem Fenster fällt? Die Fensterrahmen, blätternden Simse, die bei windiger Bise knarren und sich in hölzerne Instrumente verwandeln. Entlaubte Bäume geben die Sicht auf eine Bergkette frei: Über Berge schreiben, immer, auch wenn über anderes geschrieben wird. Woran ich schreibe ist vergessen. Wofür ich schreibe, weiss ich nicht. Ich weiss nur, wogegen ich schreibe. Ich schreibe gegen Berge. Gegen diese Berge.  Die Berge, die ich sehe, sind Prellwände und leiten etwas um. Hitze ist es nicht, wären sie sonst vereist? Sie verleiten Kälte aus allen Richtungen. Auch aus der Heimat. Umgeleitete Heimatkälte. Heimat, die sich auflöst, um nirgends zu sein; um überall sein zu können. Die Heimat ist auch im Flachland ein Berg. Verzweifelte Schreibübungen, um das Zittern der Hände in den Griff zu bekommen. Die Gleichgültigkeit des Themas. Die Form ist das Thema. Die Nichtvollendung, ewiges Baustellengelände des einzelnen Wortes. Dessen Summe: das Fragment.

Das Schreiben passiert in einer Giesserei; und schreiben ist giessen. Das Umfüllen, Verfüllen von Flüssigem, Flüssigkeiten, Molekularem in eine feste Form. Einen Berg zu beschreiben, lässt ihn erröten. Das Hoffen auf Erkaltung, auf eine Formgebung nach Entfernung des Mantels. Die Nahtstellen und Ränder: an diesen muss gefeilt werden. Vielleicht wird es eine Büste. Ein Lächeln oder eine grimmige Fratze. Vielleicht auch Torso oder abstraktes Gebilde, das für das Weiche oder Harte stünde – oder für beides.
DAFÜR: Woran schreiben, wenn der starre Blick aus dem Fenster fällt? Die Fensterrahmen etwa, die blätternden Simse, die bei windiger Bise knarren und sich in hölzerne Instrumente verwandeln. Entlaubte Bäume geben die Sicht auf eine Bergkette frei: Über Berge schreiben, immer, auch wenn dabei über ganz anderes geschrieben wird. Woran ich schreibe ist fast vergessen. Wofür ich schreibe, weiss ich nicht. Dagegen nicht, wogegen ich schreibe. Ich schreibe gegen Berge. Gegen diese Berge. Generell.

Die ständigen Berge, die ich sehe, es sind Prellwände und leiten um. Nicht trockene Hitze, wären sie sonst vereist? Sie verleiten Kälte aus allen Richtungen in diese Region. Auch aus der Heimat. Umgeleitete Heimatkälte. Heimat, die sich auflöst, um langsam nirgends zu sein; um überall sein zu können. Die Heimat ist auch im Flachland ein Berg. In der Ferne – verzweifelte Schreibübungen, um das Zittern der Hände in den Griff zu bekommen. Und: die Gleichgültigkeit des Themas. Dabei ist die Form das Thema. Eine förmliche Nichtvollendung des Schreibens, ein ewiges Baustellengelände jedes einzelnen Wortes. Dessen Summe: höchstens Fragment.

Passiert das Schreiben beispielsweise in einer Giesserei; ist das Schreiben giessen. Das Umfüllen, Verfüllen von Flüssigem, Flüssigkeiten, Molekularem in eine feste Form. Einen Berg zu beschreiben: das lässt ihn erröten. Das Hoffen auf Erkaltung, auf eine Formgebung nach Entfernung des Mantels. Die Nahtstellen und Ränder: an diesen muss gefeilt werden. Vielleicht wird es eine Büste. Ein Lächeln oder eine grimmige Fratze. Vielleicht auch Torso oder abstraktes Gebilde, das für das Weiche oder Harte stünde – oder für beides.
soweit eine etwas längere ausstellung der bearbeiteten passage. (ich weiss, also fasse ich mich im folgenden kurz). weiter also nur der hinweis, das darauffolgende kapitel (III,1d=Deadline*) dafür ersatzlos gestrichen wurde. (nicht ersatzlos, das hätte ein zu grosses loch in den plot gerissen, aber: der übergang wurde durch einen direktes mailzitat (exzerpt, kursiv) sichergestellt – ich hoffe, das bleibt weiterhin lesbar)

dann: sie weiss noch nicht, ob sie dieses verfahren gutfinden soll. sie ist sehr skeptisch, als ich ihr sage, dass es noch mehr stellen gäbe, die ich wohl so bearbeiten werde. müsse. (was hat sie etwas gegen paraphrasen? bzw. umgekehrt: hat sie vielleicht sogar etwas gegen das original?). sie ist heute sowieso sehr skeptisch. vielleicht ist es ja die eifersucht. diese familiensache. sie will nicht, dass sie zur sprache kommt. sie hat es aber herausgefordert

CONTAINER: Diverse Kommentare und Materialeinbettungen. Hoffe die Bildbeschreibung (Bildnis Wilhelm Augusts von Holstein-Gottorf im Kommentar) ist einigermassen authentisch, und ja Brinkmann musste da rein. Brinkmann und Staden – Was für ein Bogen! Und: der schöne Kommentardialog mit Hediger – aus Sicht des jetzigen Standes (und des Ausgangs des Romans, den ich hier natürlich nicht verrate) sind die dort und zu jenem Zeitpunkt benutzten Begriffe des Abschäumens, auch: des Kopfbrasiliens – tatsächlich prophetisch … Etwas noch, hier festgehalten, die Überlegung nämlich, ob die Passagenuntertitel numerische Datumsangaben bräuchten (ohne Jahreszahl freilich – in dieser Form, vielleicht: “(Debe mara pa, 06.12.)” o.ä.). Die mutmasslichen (erzähl)zeitlichen Abstände zwischen den Passagen könnten so kenntlich gemacht werden. Inhaltliche Löcher könnten so abgesteckt werden, die Grösse der Leerstellen festgelegt … vielleicht ist aber auch das offenzulassen.

(zu dranmor III,1a-III,2; übersicht überschreibungen)

überschreibungen 8a

(nachtragend: über koffer/ andere gefässe)

ein wort noch: (nur ein wort?). zum bindeglied zum beispiel. auch: bindemittel. (oder: schmiermittel). d.i. doch: das, was die dinge (die texte) zusammenhält und dann wieder trennt – wie hier einmal behauptete wurde (…)

das sähe sie etwas anders. das sehe doch konstruiert aus, im nachhinein, vermute sie. laut. dann: ob das nicht etwas billig sei? (oder meint sie etwa durchsichtig?) und auch nicht besonders aussagekräftig. nicht wahr? fast etwas wütend.

die vielen kellerkisten. die kartons und koffer. (langsames ein- und ausatmen). alles verbrauchte metaphern. ähnlich jener atemluft, die den text durchzieht. die nun einmal hineinmontiert (-geatmet) wurde. das muss man sich noch einmal überlegen, mit den zitatmontagen. und rigoros streichen.

sie meine, dort und so verbraucht?, frage ich. und: sie möge, wenn sie könne, doch bitte ein (besseres) beispiel abliefern, so eines, das die mutation des inhalts zur form und der form zum inhalt, nein, besser, oder anders: der die ausweitung des inhalts zur form und umgekehrt, illustriert oder sonstwie bespricht.

natürlich wird darauf keine antwort gewusst. nicht spontan. aber man wisse, entgegnet man, dass es da etwas gäbe. etwas geben müsse. dass man so etwas schon gesehen habe. und man verspricht ein zitat bis zum ende der woche … darauf warte ich noch heute. und ebenso auf einen verschollenen koffer mit hörspielen und hörbüchern. einen hörbuchkoffer, den ich frei erfunden habe. (darin nun auch noch der zauberberg). der nach seinem verschwinden nie mehr gefunden, bereitgestellt oder von irgend jemandem in empfang genommen wurde. und damit nur noch als bild brauchbar – wie sie sehr wahrscheinlich bestreiten würde – : vor allem und in erster linie als bild: der xfachen verschalung eines inhalts durch sein medium. und meint damit am ende: den traum von einer optimalen verpackungen. SO EINEN traum, wie … wie diesen. CONTAINER: Definition 2 – Der Container ist auch ein Gefäss, in dem die formlosen Dinge ihren Platz finden. Die kleinen, hautlosen Dinge. Fröstelnde, einsame Kommentare auch. Und hierzu? Es gab keine Kommentare hierzu. bis auf diesen, im nachhinein, noch dazu gestrichenes. das auch.

(zu dranmor II,3a; übersicht überschreibungen)

überschreibungen 8

(zwittern)

(verstehen sie mich jetzt bitte nicht falsch). es wurde eine detaillierte beschreibung des schreibprozesses angekündigt. von “einer art écriture automatique” war die rede. (und wird im nachhinein von mir als etwas prätentiös empfunden). dabei ist dieses verfahren weder ein selbstgewähltes (das problematisiert die “écriture”, über die umstände: später einmal, vielleicht), noch ein wirklich automatisches, sodass von dem begriff eigentlich nichts mehr übrigbleibt.

ich erzähle ihr also in ein paar sätzen, wie sich das immergleiche wochenprogramm abspulte. ein grober plot (des gesamtunternehmens) hatte sich nach ein paar wochen herausgestellt. es ginge ums schreiben an sich, wie sie sich vielleicht denken kann. ein sehr privater ansatz. usw. kann man machen, sagte sie nur einsilbig. und die kapitel: die einzelnen inhalte (das “stopfen”, habe ich es einmal genannt) wurden nach der beendigung des jeweilig vorangegangenen weiter skizziert. im laufe einer woche wurde für den freitag (sie lacht: “ihrem exklusiven schreibtag”, sie wisse ja), an dem so ein schreibschub einer passage jeweils ausgelöst und umgesetzt wurde, dann weitere inhaltliche präzisionen vorgenommen. sechs bis sieben stationen, die ich durchhangelte, in einem ersten atemlosen fluss. zwei stunden durfte so etwas dauern. maximal. sie schüttelt den kopf. jetzt begreife sie vielleicht, warum der text zuerst handschriftlich entstand. entstehen musste. nur so konnte schnell etwas zu papier gebracht werden. nur so konnte ein schneller text entstehen, der – und hier doch der aspekt des automatischen – immer nur von einer spontanen nahaufnahme hüpfen sollte, zur nächsten.

hier muss ich den verweis zu einem textversuch mit dem titel: Titelverteidigung (Dranmor und die “Rohre, Linien, Drähte, Kanten“) schalten. (dieser text ist allerdings noch passwortgeschützt). es geht in ihm aber im wesentlichen um die frage der erzählerischen assoziierung (produktions-) und assoziierbarkeit (rezeptionsästhetik) von (tatsächlichen und abstrakten) räumen und gegenständen des dranmortextes. der text muss allerdings noch weiter reifen … (der eine. der andere natürlich auch.) …

… einer art snapshottechnik, die sich allmählich einstellte. je weiter man im text voranschreite, merke man das. (hoffe ich). fahre ich fort. was natürlich sich auch erst später in diesen dranmortext hineinentwickelte. man kann das aber jetzt (bei der ersten lektüre) noch sehr deutlich sehen. bei einer weiteren korrektur/lektüre würde ja, ich hatte ihr das schon angekündigt, der text etwas regelmässiger gebrochen, vielleicht sogar zerstört werden. (). ein schreibschub von 2 stunden auf der basis einer minimalen plotskizze?, fasst sie zusammen. und natürlich dem abtippen des textes. bei diesem vorgang könnten auch noch allfällige korrekturen gemacht werden. und, sie zieht die augenbrauen etwas hoch, natürlich lese ich den text meiner frau vor. ich meine vorlesen, denn sie soll sich ganz auf den ton des textes konzentrieren. sie fragt mich, ob ich ihr auch einmal daraus vorlesen würde. wie wäre es denn mit jener passage? ich frage zurück, welche sie meinte.

dabei wollte ich heute über den begriff der aufarbeitung nachdenken. und den der abarbeitung. und auf einem anderen zettel steht noch über das autobiographische scheitern im allgemeinen und im besonderen und erst beim zweiten hinsehen entziffere ich richtig über das autobiographische schreiben im allgemeinen und im besonderen. und dass man doch automatisch autobiographisch schreibe. im allgemeinen wie im besonderen. doch etwas anderes: (vielleicht aber auch nicht). ich transkribiere in folgender passage einen weiteren begleitzettel. (ein notizzettel, der während des lektüreakts angefertigt wurde –(„damit es nicht verloren geht”, ja), wäre aber eigentlich auch etwas für den “container” -, ich bitte also das holpern zu entschuldigen). und was “überschreibungen” weiter bedeuten soll?: eine art bindeglied zwischen dranmorprimärtext und den anderen kleinen formen?! auch bindeglied zwischen schreibendem und schreibend vorgestelltem? auf jeden fall: eine weitere verwirrung um das ich (die ICHS), also, eine ruhigere, etwas persönlichere note. eine etwas freiere form. (können sie damit etwas anfangen?). und: es wird in dieser rubrik ja auch ausdrücklich davor gewarnt, dass ich (=hab) nicht allzu wörtlich zu nehmen sei. dass ich mich also nie angesprochen fühlen würde, würde man etwas hieraus (aus dieser rubrik) zitieren und mich damit konfrontieren. (das ist eine behauptung und kein versprechen). in manchen dingen vielleicht aber auch nicht … vielleicht wäre es ja ein versuch wert …. hierzu gibt es eine weitere fussnote (ein kaum entzifferbares mikrogramm), die auf eine andere (aber vielleicht in bestimmter weise ähnliche) zwitterfunktion des personals (für autor und leser der anderswelt i.d.f.) aufmerksam macht. (natürlich: das personal, das dort polyperspektivisch, polymorph, … angelegt ist, sei hier aufs äusserste reduziert. es handelt dreht sich alles nur noch um mich. dem autoren, dem leser, dem erzähler dieses textes, der doch nur ein weblog ist. und damit ein roman). doch dazu später mehr … CONTAINER: ein längerer Kommentarthread zu II,2 b (newton), v.a. zum Kindheitserinnerungsdiskurs. Ich glaube, jetzt, wo ich diesen Eintrag noch einmal lese, kann ich Helmut Schulzes () Hinweis („ich glaube, daß ich glaube, gerne kind gewesen zu sein.“) noch einmal sehr gut nachvollziehen (bzw. in diesem Text beglaubigt sehen): die Relativierung der Kindheitserlebnisse im nachhinein – fällt mir nun auf – ist natürlich (konsequenterweise) auch nur ein weiteres Motiv des Protagonisten im freien konstruktivistischen Fall. // Dann: nach erneuter Kursivsetzung (nur so machte das im jenem Zusammenhang Sinn) einer Passage (II,3a, ende), muss dieses Verfahren auf alle Halluzinationsstellen konzeptmässig angewendet werden … Und: “So könnte es gewesen sein” ist natürlich ein Hildesheimerdiebstahl. Aber in diesem Zusammenhang ein Zitatzitat der imaginierten Lektorin des Icherzählers. Oder meiner Frau? Eine Leihgabe, letztendlich.

(zu dranmor II,2b-II,4; übersicht überschreibungen)

überschreibungen 7

(schreiben, [automatisch/biographisch“> 1)

corvus corone corone=rabenkrähe. merkmale: schwarzes gefieder; unterscheidet sich von der erwachsenen saatkrähe durch die befiederte schnabelwurzel und den weniger spitzen schnabel (…) wenn man von krähen spricht, meint man meist rabenkrähen, die westliche unterart der aaskrähe. die in osteuropa und in italien verbreitete unterart ist die nebelkrähe. beide unterscheiden sich, abgesehen von ihrer verbreitung, nur durch ihr gefieder, das bei der nebelkrähe am rücken und am bauch grau anstatt schwarz wie bei der rabenkrähe ist. die schweiz liegt im grenzbereich der vorkommen der beiden unterarten: auf der alpennordseite, wo die rabenkrähe sehr verbreitet ist, tritt die nebelkrähe nur selten auf. im tessin, stellenweise auch im wallis und in graubünden, brüten hingegen regelmässig nebelkrähen. gelegentlich kommt es in den letztgenannten gebieten auch zu mischbruten, die fortpflanzungsfähige bastarde hervorbringen. als berüchtigter nesträuber und kulturschädling wird die rabenkrähe schon lange verfolgt. aus ökologischer sicht gibt es dafür allerdings keine stichhaltigen gründe. (…)”

und dass ich mich wundere, dass sie erst jetzt das thema anspricht. dann aber wieder wundere ich mich, dass sie es überhaupt anspricht. nach ihrem studium. bei ihrer profession. man könnte darüber natürlich stunden verplaudern, ich versuche es aber so kurz wie möglich zu machen: selbstverständlich muss man immer den text vom autoren trennen. denn es ist immer alles erfunden. und: selbstverständlich kann man einen text nie ohne autoren lesen, denn er steckt immer in einem zusammenhang.

(diskursteilnehmer, sagt man nun). darum ist es klar, dass die rabenkrähengeschichte naturgemäss in so einen text fliesst, wenn diese hier in bern reihenweise vergiftet und erschossen werden (sollen). aber auch ist klar, dass die rabenkrähe in diesem text natürlich auch etwas ganz anderes ist, als eine rabenkrähe. (beantworten sie die frage, die sie nun stellen, sich bitte selbst). oder eine fastvergewaltigung eines mannes (eines lieferanten): so etwas steht in den zeitungen. so etwas steht zwangsläufig in mir, wie alles, das von mir in nächster umgebung () aufgesaugt wird.

nein, mir persönlich ist das noch nicht passiert, ob sie das beruhige? sie sagt, sie sei nun generell beruhigt, aber …

aber: biographisches schreiben ist immer objektives schreiben. und: das objekt bin in diesem falle ICH. (ich möchte da ja nichts aus mir herausnehmen, dazu reicht mir die zeit* heute auch nicht, aber: etwas in mir wandelt um, d a s ist “das biographische” = ich bin ein umwandler, ein katalysator, oder was sie wollen). und, zur zeit*: ich habe es – glaube ich – hier noch nie erwähnt, aber die passagen entstehen unter „einer art écriture automatique“. drogen? nein, ausser, dass die anwendung dieser technik zu einer art droge werden kann.

sie sagt, ich solle doch endlich etwas genauer werden. beispiele geben, benennen, oder zumindest beschreiben, wie ich das machte. ich verspreche ihr, das an dieser stelle zu tun. ich bin müde heute. ich will schlafen.

ein fingerzeig im text vielleicht: Nichts liegt vor. Schlimme Liebesgedichte, Kreuzreimiges, Paarreimiges. Es ist nicht auszuhalten. Das muss alles umgeschrieben werden. Alles lesbar und verständlich gemacht werden. Das darf man so nicht mehr lesen können. Das muss man zerstören, damit es wieder ein Genuss ist zu lesen. Hätte man nur jemand anderen angefasst und ausgegraben. Oder: vielleicht ging es ja nur um das ausgraben. = dabei gehen ja immer ein paar dinge kaputt. ps.: die rabenkrähe ist nach jüngsten meldungen wieder heilig und darf nicht angefasst werden. (die unberührbarkeit). man hat ja auch derweil andere sorgen mit dem federvieh … pps.: gerade merke ich, dass die oben eingeschaltete rabenkrähe ästhetisch doch sehr einem bestimmten hedigerschen bildkonzept entspricht. ich hoffe, er entschuldigt. (es ist aber, wie vielleicht bemerkt wurde, nicht photoshop, sondern ein css-effekt (der allerdings nicht bei allen browsern wirksam wird) … auf codeebene sind das also zwei ganz unterschiedliche ansätze). CONTAINER: ein (1) Kommentar in dieser Teilmenge. Ein Selbstkommentar. Ich habe mir hier (II,2a=In den Krähenkrieg / Genealogie) ein Gedicht von Albrecht Goes zugeordnet. „hierzu und motivisch zu dIV / dV“, steht da. Ich weiss beim besten Willen nicht mehr, warum. Vielleicht, wahrscheinlich, weil darin der Schrei einer Krähe hallt. Vielleicht fällt mir das im Frühjahr wieder ein. Der Vollständigkeit halber: Nach schwerem Winter // Ob dir gleich in winterwährend / Dunkler Welt den Sinn versehrt / Schwermut, die der süßen Hoffnung / Flügelschlag und Flug verwehrt, // Ob der Hall vom Schrei der Krähen / Dir im Ohr noch, lang und bang, / Und aus Nächten, vieldurchwachten, / Klagender, des Windes Klang – // Ach das Herz, es mild zu trösten, / Ist das Kleine groß genug: / Eine gelbe Krokusblüte, / Einer Wolke Frühlingszug. //. Dann, noch etwas fehlt: Der Hinweis auf eine noch plausibel zu beschreibende Schreibkompetivität zwischen Erzähler und Roman. (Dies vielleicht in einer noch zu schreibenden Passage II,1d). Und (noch hineinzumontieren, oben): “Das eigene Schreiben zur Quelle eigenen Schreibens machen” (…)

(zu dranmor II,1e-II,2a; übersicht überschreibungen)