Klatsch!

oder

Grundsätze zur sommerlichen Insektenjagd.

Der Fliege ists in die Wiege gelegt,

dass sie durchs Fliegen sich bewegt.

Triffst du bei ihr nur einen Fittich,

fliegt sie im Kreis und nicht mehr mittich.

Hast du zwei Flügel ihr zerschlagen,

gibts Flugprobleme – würd ich sagen.

Ihr Dasein wäre ohne Sinn.

Lang also lieber richtig hin

und lass das harmlose Gepatsche.

Komm, Liebchen, gib mir mal die Klatsche!

PS:

Das qualvolle Zerdrücken

ist nur erlaubt bei Mücken.

taz > (GROa)

Wolfi, komm!

Monolog eines Hundebesitzers

Hochsensible Staatssysteme

unterm Terroristenjoch,

ringsum ausnahmslos Extreme.

Wolfi, komm! – Da braucht man doch

einen, der dazu geboren,

zerberusgleich – Komm jetzt, Hund!

vor verbotner Welten Toren

unheimlichem Höllenschlund

alle Falschen aufzuhalten.

Jeder, den sein Bannstrahl traf,

musste leider bald erkalten,

wenn er wachte. – Wolfi, brav!

Der das Reich bewahrt vor Nöten.

Jeder, der da Arges plant,

wurd durch zielgenaues Töten

zuverlässig abgemahnt.

Einen scharfgemachten Schocker,

dass es kläfft, wenn jemand kommt,

Wolfi, los, bring schnell den Stock her!

folgsam, eilfertig und prompt.

Einen, der gern im Getümmel

giftig, laut und lästig keift,

dass ihn Bundesherrchen – Lümmel!

erst einmal nach Hause pfeift.

So einer sieht nach dem Rechten,

und dann macht er, huschhuschhusch,

allem Schlimmen, allem Schlechten

schnell den Garaus. – Wolfi, kusch!

taz > (GROa)

Herbstmond

O Mond! Wie öde, o, wie dumm

hängst du da oben wieder rum,

treibst träge dich durch Wolkenschollen,

wenn andere gerne schlafen wollen.

So käsegelb, so schal, so fahl

befunzelst du Busch, Berg und Tal.

Das nennst du Licht? Da lach ich laut!

(Dazu ist es auch noch geklaut.)

Mann, Mond, sei doch mal wie der Stern,

der Sonne heißt – den hat man gern.

Der macht sich nächtens nicht so wichtig.

Die Sonne, Mond, sie sieht das richtig:

Glut. Gleißen. Glamour. Glanz und Star.

Doch du dagegen? Ganz und gar

bloß Krater, Dellen, Löcher, Beulen.

Mensch, Mond, mit dir ist es zum Heulen!

Und Nacht für Nacht die gleiche Leier.

Hey, Mond, das geht mir auf die Eier!

O Mond, so öde, o, so dumm,

sag mir nur eins, Mond, sag: Warum?

Doch nein! Sags nicht! Bewahr dein Schweigen!

Denn etwas Schönes ist dir eigen

– da kann ich sagen, was ich will.

Du hast was Gutes: Du bist still.

taz > (GROa)

Houston, wir haben ein Promille

Die glorreichen Sieben gehn heut auf die Piste

– hicks – und ‘ne Buddel voll Rum.

Zum Vorglühen gab es zuerst mal ‘ne Kiste

mit Bud. Und der Ouzo ging um.

Countdown für die Sieben am Kennedy-Center

– hicks – und ‘ne Pulle voll Gin.

Hui-hui, der kommt heftig! Dafür jedoch brennt er

den Schiss vor dem Startschuss dahin.

Beschwingt und “Voll Schub!” geht es ab zu den Sternen

– hicks – mit ‘ner Flasche Absinth.

Wie schön, sich vom Irdischen ganz zu entfernen.

Wie froh, wer dem Elend entrinnt.

Geglückt: das Entgleiten. Prost, Umlaufbahn-Umtrunk!

Hicks – immer her mit dem Sekt!

“Klar, Houston, hier oben ist alles in Ordnung.”

Der Kühlschrank wird stündlich gecheckt.

Sie baumeln durchs All, und man scherzt miteinander

– hicks – noch ein Korn, kalt und klar,

im Auftrag der Forschung: Grad sah der Commander

‘nen Doppelstern, wo keiner war.

Ein Leben, ein Schweben inmitten von Leere

– so high – und ein Fläschchen voll Wein.

Ein Dasein, so fern jeder erdhaften Schwere.

Es könnte für immer so sein:

Ein ewiges Kreisen und Sausen und Brausen.

Ach, wäre nicht dann irgendwann

die Stimme gewesen, die da von draußen

rief: “Fliegen Sie bitte rechts ran!”

taz > (GROa)