Vorösterliche Krise

Bei der Eiermalmaschine

saß der Has mit finstrer Miene,

wo er düstren Geists bedachte,

was er eigentlich da machte:

“Ist es Lebenszweck des Hasen,

Hühnereier auszublasen?

Ostern durch das Land zu eilen,

bloß um diese auszuteilen?”

Der Mond stand fahlgelb überm Feld.

Der Has bezweifelte die Welt:

“Eier kochen? Eier färben?

Kommt nichts Größeres vorm Sterben?

Eier so schlecht zu verstecken,

dass selbst Kinder sie entdecken?

Ist dies das Ziel der Hasenheit?

Ach! Eiernde Erbärmlichkeit!”

Ergriffen von den eignen Worten

trank der Has noch zwei Verpoorten.

Dann folgte er voll Konsequenz

dem Schicksalsruf der Existenz:

“Nur eines scheidet mich vom Affen:

Ich werde etwas Großes schaffen!”

Und stieg – die Löffel stolz erhoben –

von unten aus dem Bau nach oben.

Dort aber hat der Fuchs gesessen.

Der hat den Hasen dann gefressen.

taz > (GROa)

Koalitionsgeflüster

Er saß, ganz Staatsmann, da und sah ihr in die Augen

Und sagte: Schlaues Mädchen, weißt du was?

Wir sind die Einzigen, die hier im Staat was taugen.

Das Land braucht uns. Wir beide machen das.

Wenn wir zwei beide jetzt zusammenhalten,

Dann haben wir den Bundestag, den Bundesrat,

Dazu die Seilschaften von deinem Alten,

Ich zähme Medien und Proletariat.

Opposition? Die machen wir zunichte

Und dann so richtig große Politik.

Wir beide, Schätzchen, schreiben dann Geschichte.

Du wirst ein Star, mein Schatz. Ist das nicht chic?

So wandelte sie machtbeschwingt von dannen

Und er stand da und dachte so bei sich:

Na warte, Mäuschen, deine eignen Mannen

Die ziehen dich noch richtig übern Tisch.

Die werden dich noch derartig zerreißen,

Dass für das Amt von dir nichts übrig bleibt.

Und sich dann gegenseitig selbst zerbeißen.

Und rate, wer sich dann die Hände reibt?

taz > (GROa)

Hoffnungslose Romanze

oder: Was wirklich geschah

Sie waren sich seit Jahren schon bekannt.

Und aßen in derselbigen Kantine.

Sie reichten sich wie immer ihre Hand.

Und er war eigentlich mit der Blondine.

Sie waren weltanschaulich auseinander.

Und – trotzdem – beide spürten es sofort.

Für sie war er der erste echte Mann, der

Ganz Einheit war mit jedem seinem Wort.

Und er fand sie so ungewöhnlich mutig.

So widerspenstig, frech und klug und schlau.

Und nicht wie sonst so ausgesprochen putig.

Sie war – für ihn – ein Traum in Dunkelblau.

So standen sie und sagten ihre Worte

Und waren innerlich doch so entflammt

Und träumten sich an weit entfernte Orte

ans Meer gemeinsam Hand in Hand am Strand.

Und steckten doch in den gewohnten Hüllen

Und blieben selbstverständlich sehr formell

Und konnten ihre Liebe nicht erfüllen.

Es war ja schließlich ihr TV-Duell.

taz > (GROa)

Am achten Tag

Am achten Tag nahm Gott das Leder,

und aus reiner Langeweile

schnitt er zweiunddreißig Teile

(zwanzig sechs-, zwölf fünfgeeckt

– Gott ist ganz schön aufgeweckt!)

und nähte einen Polyeder.

Dem blies er seinen Odem ein.

Und durch Luft aus Gottes Mund

wurd’ das Ding, o Wunder, rund.

Rund erst und danach ganz prall.

“Hey”, dacht’ Gott, “das ist ein Ball.

Ein Ball, sehr schön. Doch so allein?”

Der HErr verfiel dem Schaffensrausch:

Aus den Haaren seiner Nasen

einen knappen Hektar Rasen,

voll mit vierundzwanzig Toren

aus dem Schmalze seiner Ohren.

Dann Stutzen, Stollen, Trikottausch.

Den Strafraum, das gestreckte Bein,

Elfer (Schwalben gab’s bereits),

neben Dies- und Jen- das Abseits,

Teamchefs, Trainer und noch Affen,

welche all das gern begaffen,

die VIP-Lounge, Foul und den Verein.

Da ging ein Singen durch die Wälder:

Seht – das neue Paradies!

Dies fand nur der Teufel mies.

Ach, und wie es kommen muss,

kam es dann: Zum schlechten Schluss

schuf der den Mayer-Vorfelder.

taz > (GROa)

Auf ein Wort

Ein Wort nur war es, und sein Fühlen

welkte hin wie einst erblüht.

Schnell und stark. Und auszukühlen

schien sein Herz, das so geglüht.

Ihr Lilienleib, so duftumflossen,

war ihm nicht mehr makellos.

Sanftes Meer der Sommersprossen

schien ihm plötzlich grob und groß.

Ein Wort nur. All das Wundervolle

wurd ihm da unsäglich dumm.

Ob sie mit ihm schlafen wolle?

Und sie fragte bloß: Warum?

taz > (GROa)