Das neue Land

Entdecker Neidhardt von der Quandt

entdeckte manches fremde Land.

Fand hier ein neues Flussgerinnsel

und dort auch eine Palmeninsel.

Erspähte siebenhundert Berge.

Sah fremde Völker, Riesen, Zwerge.

So an die siebzehn Kontinente

fand Neidhardt bis zu seiner Rente.

Wen das besonders faszinierte,

war König Kurt, der Quandt regierte.

Sein Reich wuchs durch das neue Land,

was er als angenehm empfand.

So wurde Quandt, zurückgekehrt,

von seinem König hoch geehrt,

gelobt, belohnt und andres mehr.

Ins neue Land zog bald ein Heer,

um mittels der Gewalt von Waffen,

sich dies erobernd zu beschaffen.

Doch kam es gottlob nicht so weit.

An seiner Schwervergesslichkeit

litt der berühmte von der Quandt,

der’s neue Land nicht wiederfand.

taz > (GROa)

Der Text erschien schon in einer anderen, früheren Version und unter dem Titel “Verse von den fünf Versuchungen” (Wilhelm-Busch-Preis) auch an dieser Stelle.

Ich bin gut

Ich bin gut. Und fest im Glauben.

Bete täglich für die Tauben,

Stummen, Blinden und Verirrten,

die mit Wodka sich bewirten.

Meide, selbst vom Schnaps zu schlürfen.

Spende denen, die bedürfen.

Hasse -wie die frommen Nonnen-

jede Form weltlicher Wonnen.

Ich sag zum Scheinheiligen: Nein!

Müh stets mich um den Heilgenschein.

Die Reize schöner, junger Weiber

und ihre wohlgeformten Leiber,

sie können mich nicht motivieren.

Und mein Brevier brav zu studieren,

seh ich als meine heilge Pflicht.

Zigarre? Danke. Rauche nicht!

Kein Laster geht zu meinen Lasten.

Und schlemmen? Ich mag lieber fasten.

Hab auch nie nach Geld geschielt.

Glücksspiel? Hab ich nie gespielt.

Bin stets reichlich hilfsbereit.

Höflich bin ich jederzeit.

Hab nie jemand angespuckt.

Nur: Ich lüge wie gedruckt!

taz > (GROa)

Die Wahrheit über Paulus

Träge, unbegabt und faul

war Jünger Paul, geborner Saul.

Und hielt sich Männer und auch Weiber

als Ghostwriter (deutsch: Geistschreiber),

die das, was Gott und heilger Geist,

privat, in kleinem Kreise meist,

an heilgem Tiefsinn von sich gaben,

in Briefe eingetragen haben.

Die Briefe machten Paul bekannt,

so dass er bald zu Luxus fand,

zu schönen Fraun und gutem Essen.

Die Geistschreiber sind längst vergessen.

taz > (GROa)

Urlaubskarte

Wer will nicht mit Türkenlümmeln

Knackigfrischen Kümmel mümmeln?

Auf sonnenhellen Ziegenfellen

Mit Zeliş Knoblauchzellen pellen?

Hoch auf Amanos im Osten

Honigschwere Früchte kosten?

Wer liebt nicht die kühlen Wogen

Unterm heißen Himmelsbogen?

Aus Shishas süßen Rauch zu trinken,

Um in Bildern zu versinken

Von Sultanen, von Osmanen,

Harems, Troja, Karawanen?

Wer findet das milde Klima

Nicht wie andere nur prima?

Wer, beim Kalif, ist so öde,

Dass er lieber bleich und blöde,

Angestrengt, steif und verstockt

statt dem auf Büchermessen hockt?

Originalbeitrag zur Buchmesse 08 > (GROa)

Erntetag

Jeder, der Gemüse mag,

liebt den Ausruf: Erntetag!

Weil man gern der Arbeit Früchte

schließlich auch genießen möchte.

Frisch, gesund und ungespritzt.

Hier wird kein Konzern gestützt.

Also steh ich vor den Beeten,

froh zunächst, doch dann betreten:

Übers Fallobst zieht der Schimmel

unter dunkelgrünem Himmel.

Fünfzehn gingen ans Getier,

sieben Äpfel bleiben mir.

Der Salat: fatal geschossen.

Schnecken: froh und unverdrossen.

Winzig ist die Möhre bloß.

Herr, der Sommer war doch groß!

Sieh dort die Kohlrabi-Form,

ist die nicht total abnorm?

Dito die Kartoffelknollen –

die kann keiner wirklich wollen.

Welke Wicken! Kranke Kressen!

Und ich brauch doch was zu essen.

Wo einst Wirsing war, wächst nichts.

Liegt es an der Art des Lichts?

Liegt es am Diktat der Sterne?

Hat Gemüse mich nicht gerne?

Oder liegt es gar daran,

dass ich gar nicht gärtnern kann?

Ja, da wären noch die Beeren,

wenn da nicht die Amseln wären.

Kommt doch jährlich das Gefieder

nur der Beeren wegen wieder.

Auch der Lauch ist knochentrocken.

Mausetot, die Artischocken,

wie auch Gurkenart “Grimaldi”.

Bleibt jetzt bloß der Gang zu Aldi.

taz > (GROa)