Digitale Literaturvermittlung

Soeben erschienen:

Renate Giacomuzzi / Stefan Neuhaus / Christiane Zintzen (Hrsg.)

Digitale Literaturvermittlung

Praxis – Forschung – Archivierung

Angewandte Literaturwissenschaft, Band 10

StudienVerlag Innsbruck

284 Seiten, zahlreiche Abbildungen

€ 29.90/sfr 47.90

ISBN 978-3-7065-4883-0

Darin:

Literaturproduktion im Internet

Christiane Zintzen: in|ad|ae|qu|at – Das Weblog als multimediale Anthologie

Hartmut Abendschein: Hybride Projekte – Schreiben, Vermitteln, Verlegen in der Zeit medialer Übergänge

Thomas Schröder und Andreas Wiesinger: Online-Zeitung im Wandel. Überlegungen zur Neudefinition eines nicht mehr neuen Mediums

Andere (digitale) Welten

Alban Nikolai Herbst: Die Dschungel. Anderswelt

Hartmut Abendschein: taberna kritika – kleine formen

Andreas Louis Seyerlein: particles | birdy | Die Amerikanerin

Christiane Zintzen: in|ad|ae|qu|at

Mehr: hier, hier, hier

Üxhöl-Dügüx-Kedröm-Diggs

Sie lagen dann wieder eine Weile still in ihren Liegestühlen und lauschten dem Plätschern des Uferwassers, das von dem ferneren Rauschen der Strömung weiter draussen im Fluss untermalt war.

Ist schon verdammt gut eingerichtet hier draussen, um einem als Cro-Magnon-Mensch ein wenig Erholung zu bieten, dachte Aaron. Diese Ruhe, dieses Plätschern, dieses Sonnenlicht. Ja, alles einfach dafür eingerichtet, um sich ein wenig gehen zu lassen.

Als wäre das alles dafür gemacht, dass sich der Cro-Magnon-Mensch darin ausruhen kann.

Und ja, es gab diese verrückten Theorien über die Erde, das Sonnensystem, die Galaxis und das gesamte verdammte Weltall, dass alles, angefangen von den Gesetzen der Natur bis zu den Gewichtsverhältnissen zwischen den Elementarteilchen verdammt präzise daraufhin abgestimmt ist, vier Cro-Magnon-Menschen an einem Fluss ausruhen zu lassen. Naja so ungefähr jedenfalls hatte Aaron das einmal an einem dieser Anny-Elling-Vernissagen von einem dieser Oberkosmologen auseinandergesetzt bekommen. (Aaron konnte sich vage daran erinnern, dass die ganze Geschichte darauf hinausgelaufen war, das Liegen in einem von Anny Ellings Liegestühlen als das grandiose Endresultat des ganzen verdammten Universums zu erklären; und verdammt nochmal, genau das tat Aaron jetzt: Er lag in einem dieser unendlich bequemen Anny-Elling-Liegestühle und liess es sich verdammt gut gehn).

(Aus: L.E.M., Üxhöl-Dügüx-Kedröm-Diggs, S.138)

L.E.M. ist Lukas E. Meier, Sänger der Band kleinerHAi und Science-Fiction-Autor. Er hat bisher unter dem Namen Louis Hagendorn die zwei Kriminalromane Der Abgang und Black Day veröffentlicht. Er ist 1971 geboren, hat Psychologie studiert, etwas Philosophie und etwas Informatik. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich mit dem Weltall-Projekt, einem mehrere Romane umfassenden Kosmos, dessen erster Band Üxhöl-Dügüx-Kedröm-Diggs darstellt. Der zweite Roman des Weltall-Projekts wird im Dezember 2010 erscheinen.

einladung zur werkschau #6

am freitag und samstag, 3./4. september lädt nun schon zum 6. Mal

“werkschau – der berner salon” im westrich, bahnstrasse 22, bern

mit beiträgen von: peter piek / françois gribi / li mollet / peter bachmann / hartmut abendschein / alexander egger / thomas blaser / rittiner & gomez / etkbooks / hanspeter bundi / bobby vacant & the worn / l.e.m. / weak records / roland jung / black iron brothers / gugelhopf.ch … mehr: http://www.werkschau.org/programm.html

kleiner freitag, 3.9.:

geöffnet ab 19 uhr, kleiner barbetrieb. live: peter piek, bobby vacant & the worn, l.e.m. …

samstag, 4.9.:

geöffnet ab 18 uhr, programm beginnt um 19 uhr. live: li mollet, hanspeter bundi, peter piek, black iron brothers …

mehr: http://www.werkschau.org/

Architextur: Aufblitzen des Erzählens

Günter Eichberger porträtiert Elisabeth Wandeler-Deck und Da liegt noch ihr Schal

(…)

3

Ein Nicht-Ort ist Sihlbrugg, allerdings nicht im Sinne einer positiven Utopie. An der „Durchfahrlandschaft“ baut sie gleichsam weiter, nicht mit Baumaterialien, sondern mit dem Material der Sprache. „Hänge weitere Architekturen hinein mit ihren Personenfiguren – es entstehen Architexturen. Es blitzt Erzählen auf.“ So nimmt Gestalt an, was gar nicht da ist, wenn auch „nur“ als Text.

Ist das Motel im Buch „Da liegt noch ihr Schal“ nun ein reales – eben jener nach amerikanischem Vorbild in die Schweizer Landschaft „gepflanzte Fremdkörper“ – oder eine Art „Memory Motel“, das aus Erinnerungen zusammengesetzt ist und im nächsten Moment des Vergessens in sich zusammenstürzt, wie in der Nummer der Rolling Stones und einem Theaterstück von Wolfgang Bauer? Wandeler-Deck zitiert dazu aus Peter Eisenmans „Aura und Exzess“: „Fiktion wird zur Simulation, wenn sie ihren fiktionalen Zustand nicht als solchen erkennt, sondern versucht, einen Zustand der Wirklichkeit, der Wahrheit oder der Nicht-Fiktion zu simulieren.“

Die Türen, die nach draußen führen – Pforten der Wahrnehmung – , machen das Motel erst aus. Von innen können wir das Gebäude nicht sehen, wir müssen uns ins Freie, „ins Offene“ begeben.

Und wie liest sich das?

„Oh rufen wir, dem Text die Haut abziehen! Dem Gebäude die Haut abschälen!“ (Laut Roland Barthes ist die Sprache eine Haut: „Ich reibe meine Sprache gegen die andere. Sie ist, als ob ich Wörter anstelle der Finger hätte oder Finger an der Spitze meiner Wörter.“ Und aus dieser Reibung entsteht die Lust am Text.)

(…)

Mehr: http://www.gat.st/pages/de/nachrichten/4255.htm