Restanzen (notula nova 16)

Einkaufszettel / Bioladen

– Falafel

– Grüner Salat

– Würstchen

– Bier

Und der Tippfehler in einer Bibliographie: „Salat der Zerstörung“. (Heute hat er sich sehr über „Gustavs Traum“ geärgert. Über die Textur. Über den formalen und stilistischen Eskapismus, wie er sagte. Jugendliche Restauration. Die meisten Feuilletons haben das schon richtig analysiert.)

Houston, wir haben ein Verdauungsproblem! (Vgl. auch zur Dromoskopie: Virilio). Ähnlich: Objektpermanenz ungleich Subjektpermanenz (Analog Realität/Fiktion)

„Die Ruhe liegt zwischen den vier ‚weißen’ und den vier ‚schwarzen’ Formen; das ist ihre normale Neigung. Es ist wichtig, sie vor den anderen zu äußern, ohne sich überhaupt um die Äußerung der anderen zu sorgen. Sie ist das wichtigste Gefühl.“ (John Cage, Für die Vögel … Formen = Formen des Gefühls)

Kein Wort spreche ich mit der Welt, bevor ich nicht eingestempelt bin. (Fühle mich heute etwas ungedehnt. Der Nachbar mit einem Artikeltipp aus der Annabelle. Über das Adidas-Syndrom. Der Artikel konnte nicht gefunden werden.)

Ein anderer Kollege führt mich durch seine Restanzensammlung. Diese, anschwellend, wie er sagt, weil ihn der zunehmende Mailverkehr immer mehr konsumiert. (Wir sprechen auch über die Ampelphasen der Stadt. Und einen 3-jährigen mit komplexem Minenspiel.)

Nachtrag „Hör mit Schmerzen“: In einem Antiquariatsschaufenster, freistehend: Allgemeines deutsches Kommersbuch. (Front- und Backcover mit jew. 4 spitzen Nieten an den Ecken.)

Colours (notula nova 15)

Poetische Positionen, Lesbarkeiten: Das verständlich Unverständliche gegenüber dem unverständlich Verständlichen. (Und beides: gegen erloschene Seelen).

Auch: Obliviologie – Wissenschaft des Vergessens. (Ich weiss nicht, ob ich viele Leser habe. Ich habe 150 Beobachter. Es ist nicht das gleiche. Aber es ist in Ordnung.)

Dann: Die Reisebegleiterin kann auch in ihrer Freizeit nicht das Berufsgrinsen ablegen. (Schräg gegenüber im IC BE-ZH. Den Seidenschal in rot und blau. Ein Luftflottenabzeichen. Unbekannt. „Das Werk als Simulation seiner selbst“. Auch ad BC. Vorbereitung, 267)

„Get off your shirts and wait for further instructions“ (Scooter). Im Kinderzimmer riecht es heute etwas streng. Meinst Du nicht? (Ein paar Momente später, gegenüber, die wie um ihr Leben rasende Rentnerin mit ihrer Gehhilfe auf Rollen. Heute: in gelber Strickjacke und Turnschuhen. Will man sie weiter beschreiben, scheitert man. Schon ist sie wieder weg und auf und davon.)

Reformschreiben (notula nova 14)

Und: Der Wille als Welt der Vorstellung.

Die Badetücher

Trocknen an den Zweigen des Baums

Ein vorletztes Mal

(Kein einziges Mal habe ich im See ein Bad genommen. Stets die Dusche. Die Aussendusche im Gartenbassin benutzt. Zur Reinigung und Erfrischung. Vielleicht auch daher, oder: symptomatischerweise: mein Interesse an der Form.)

Und: Die Zombies des Leibaprioridispositivs. (Nebenbei: Das Gegenteil von Literatur ist die sog. Berner Literatur.)

„Haben Sie das Rundschreiben von Simon [des Ministers für das staatliche Unterrichtswesen] über eine Reform des öffentlichen Unterrichts gelesen? Der den Leibesübungen gewidmete Abschnitt ist länger als der über französische Literatur. Das ist ein kleines, bedeutungsvolles Symptom.“ (Flaubert an Turgenjew, 13. November 1872)

Manche duschen länger. Manche scheissen länger. Was soll da besser sein? Dunstglocke oder halbgelüfteter Mief. So oder so ist das Bad zu lange besetzt. (Das darf auch notiert werden, nach dem Verlassen.)

Das System war nie glaubwürdig. Nachdem aber die laufenden Sach- und Personenschäden kaum mehr auffälliger werden können, muss man wieder Wörter finden für seine Repräsentanten, die nicht mehr als Narren zu bezeichnen sind.

Quartette (notula nova 13)

Heute ist das Wetter so schlecht, dass es schon fast wieder schön ist. Mit etwas Phantasie sitze ich nicht in der Innerschweiz (ich sitze nicht, ich stehe), sondern auf den Äusseren Hebriden. Die Grenzen fallen leichter. Nach oben sind es nur noch 100 Meter, scheint es. Der Dunst bleibt stabil.

Mehr noch als an helleren Tagen ist die Boje am geometrischen Schwerpunkt des Sees natürlicher Bestandteil der Landschaft. Ein Ort macht Pause. Nur das vereinzelte Zischen regennasser Offroaderreifen deutet auf Bewegung hin.

Während ich das notiere, merke ich, wie sehr ich noch da bin. (Der Grund des Schreibens: Zirkularität. Existenz.)

Dabei möchte ich auch ein Kartenspiel erfinden. (Oder heisst es: an einem Kartenspiel schreiben? Eines entwerfen? Konstruieren? Auf jeden Fall: Die Herstellung von Texten und/oder/mit Bildern, die sich unverknüpft verknüpft aufeinander beziehen. Die Beziehungen herstellen mit gleichzeitig Lesenden. Mit Spielern … Vielleicht eine Art Skatspiel mit sprachlichen Mitteln. Ist so ein Spiel (eine einzige Partie) nicht schon eine Geschichte?)

Überhaupt: F.M.s Hüttenquartett.

Eigentlich romantische Prosa (notula nova 12)

„Romantik: Sollte nicht der Roman alle Gattungen des Stils in einer durch den gemeinsamen Geist verschiedentlich gebundenen Folge begreifen?“ (Novalis; Werke, Briefe / Wasmuth, Bd.2, F1, S. 383) „Die Schreibart des Romans muss kein Kontinuum – es muss ein in jedem Perioden gegliederter Bau sein. Jedes kleine Stückchen muss etwas Abgeschnittenes – Begrenztes – ein eignes Ganzes sein“ (ebd., S.384) „Eigentlich romantische Prosa – höchst abwechselnd – wunderbar – sonderbar – sonderliche Wendungen – rasche Sprünge – durchaus dramatisch. Auch zu kleinen Aufsätzen.“ (Ebd., S.366 … Nach Barthes, Vorbereitung, S.230)

Die Bibliotheca Caelestis als romantischer, absoluter Roman in genau diesem Sinne.

Flugtag. Vom Balkon aus zu beobachten; die Testflüge der neuen Kampfflugzeuge. (Krieg ist, wenn uns die Sonne blendet. Dann auch: eine vor allem akustische Angelegenheit).

Immer mehr Haare

Wohin immer ich blicke

auch auf dem Rücken

Du willst zu mir in meine Klause? Warten wir erst auf die Bewilligung von Rom. (Nun ein Rotweinfleck auf einer Fussnote).