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Lieferbar: Roland Reichen, Sundergrund

Roland Reichen

Sundergrund

Roman

Es sei halt auch eine blöde Situation gewesen damals, sagt der Fieder: Das Zeug schon in der Pumpi, die Pumpi schon im Fuss, und oben in der Pumpi, da schwamm auch schon das kleine, rote Blutfädeli; er hatte die Vene also endlich erwischt. Warum musste die Spritze da auch ausgerechnet in dem Moment verstopfen? Sicher, er hätte schon an die Hodleren seckeln können, um für eine frische Spritze zu lugen. Aber daran, da denkst du halt auch nicht, in einem settigen Moment. Und schon gar nicht, wenn es in einem Joghurtbecherli vor dir noch sechs andere Nadeln hat. Nur an einer war ja der Käfer. Es war dann halt einfach Pech. (Klappentext)

Sundergrund erzählt vom kurzen, irrwitzigen Leben eines Drogensüchtigen aus dem Berner Oberland. Fieder Kleinjenni wächst in prekären familiären Verhältnissen und einem engen, finsteren Tal auf. Er sucht nach Wärme und Geborgenheit unter den Menschen, stolpert dabei aber ein ums andere Mal – zum Schluss bekommt er noch nicht einmal ein anständiges Begräbnis. Kapitelweise sind dem Leben Fieders jene seiner Eltern und Grosseltern gegenübergestellt, die ihrerseits als Billigarbeiter ausgebeutet wurden und wenig zu lachen hatten. Sundergrund bildet so eine Chronik der Deklassierung. Der Roman erzählt von Menschen, die in den letzten hundert Jahren in der Schweiz unter die Räder gekommen sind, weil sie von Anfang an schlechte Karten hatten. Wie der Protagonist den gesellschaftlichen Normen nicht entsprechen kann, missachtet die Sprache des Romans die Normen des Standarddeutschen; in dessen Syntax sind immer wieder ungrammatische, dialektal geprägte Einschübe und Einsprengsel hineinmontiert.

Mehr: http://www.etkbooks.com/sundergrund

Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 04/2014)

Mögliche Texte 14

Eine Geschichte schreiben, in der alle meine Freunde vorkommen.

Für die XXX:

Das ist das rechte Batzenschwein

Das scheißt tagaus und scheißt tagein

Es kann kaum vorne so rasch schlingen

Wie hinten schönen Scheiß zu singen

Es zeigt der Kompass bei allen Lebewesen in dieselbe Richtung. Hin zum Tod.

Ein Mann von 58 Jahren (also 22 Jahre vor dem Tod) denkt zurück an sein Ich von 22 Jahren, also vor 36 Jahren: Wie er im Kino saß, alleine, egal, man wartete halt, auf irgendetwas, man wartete halt, auf eine Sie vielleicht, doch nur der Film kam, was machte das schon, man war jung – dies war doch das Schönste am Leben überhaupt; nur damals noch ungewohnt.

Vielleicht haben wir (Menschen) früher nur zwei-dimensional gesehen und gehört (dies lässt sich schwer vorstellen, ich weiß). Später beweist man eventuell einmal, dass es noch mehr als nur die drei Dimensionen gibt. Dann wird man beginnen, lernen zu wollen, auch diese Dimensionen wahrzunehmen.

NOTIZHAFT: Wenn mir ein interessanter Gedanke kommt, schreibe ich ihn unmittelbar in ein NOTizheft oder auf einen Zettel oder hierhin (in den Blog). Sonst dreht sich mein Hirn um und um um ihn herum und um ähnliche Überlegungen. Ich mache diese Notizen aber unterwegs so flüchtig, dass ich zuhause die Hälfte nicht mehr entziffern kann und auch vergessen habe, worum es ging. Aber mein Kopf war unbelastet, es rutschte nichts in die quälende Tiefe. Befreiung durch Niederschreiben.

Seebestattung: We are happy to sea you.

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