Blatt 2 (ERSTES BUCH.)


ERSTES BUCH.

FRANZÖSISCHE SCHRIFTEN.

PROLOGUS.

NOMPAREILLE ROMAIN.

     Knabe hast du die Bälge gezogen? Ich will orgeln ein Lied von Liebe, von teutscher Kraft, von Sehnsucht und Biedersinn.
     Es fahren schiessende Lichter mir auf und nieder im Geiste, sammelt ihr Lieben, Froschlaich, Gottesseegen, ihr könnt euch Wetterpropheten erziehen.
     Introite, sunt hic etiam Dii! es ist noch nicht alles Leben befroren, aus der Brust kömmt der Warme Athem hervor, der in den Haaren zu Reife gerinnt, inwendig qualmt’s wohl noch fort, und die Seele arbeitet in den Qualm.
     Zieht dahin ihr Monaden, Witzgefunkel, liebliche Kreaturen, sie haben kein Herz noch und lieben sich doch; keine Arme, und umfangen sich doch; keinen Mund und mögen sich küssen, keine Flügel und schiessen wie Blitze.
     Samenthierchen wärens denn wohl? wundervolle Natur! ein Firmament hat sie in den Menschen geworfen, und er kann doch närrisch wohl werden.
     Wie’s zappelt, das kleine Gewürme, wie sie schlängeln durcheinander, gebt ihnen Luft und einen einzigen Tropfen, und ihr sollt eure Lust sehen, wie sie schwimmen und eilen; noch sind sie gebunden in der Mutter, die sie umfängt.
     Köpfe haben sie nur, und zugespitzte, gelenkige Schwänze, so rudern sie in Myriaden dahin, wollt ihr Menschenfischer werden, werft nach ihnen den Angelhacken hinaus.
     Es kömmt ein Ton auf der Welle daher gefahren, neugierig sammeln sie sich um ihn her und er saugt sie auf, und sie verschlingen sich und flechten ein Netz um ihn, und in dem Netze hat eine Seele sich gefangen.
     Dich zartes, niedliches Nompareille hab’ ich vor Allen gewählt, in dir sollen sie wiedergeboren im Fleische werden: fügt euch zusammen, ihr leicht geschwänzten Gestalten, eine Seele will einkehren in euer Reich.
     Es will die Zeit der Geburt sich nahen, sieh nach den Gestirnen Knabe, wir wollen die Nativitat den Werdenden stellen; was sind die Aspecten?
     Böse Zeit, schlimme Zeit! Es droht das neue Gestirn mit der Keule den teutschen Auerochsen zu erschlagen, die Meduse schaut starr zur Erde hernieder, die nordischen Bären tanzen brummend, der Löwe flieht den Hahnenschrey, die Hunde wedeln: weine nicht Medea, dort fliegt das Schiff mit deinem Schatze dahin. Ehre hin, Alles hin!

     Böse Zeit, viel üble Zeit! Es buhlt der Teufel mit der Welt, allnächtlich wohnt er alten Metzen bey, kalt und frostig die Umarmung, viel bös Gerücht wird dort gezeugt.
     Warum hab’ ich denn empfangen in diesen finstern Constellationen, warum hat der schwarze Thau der dunkeln Mitternacht mich auch getroffen und befruchtet? Ich wollte ja nicht buhlen mit dem Bösen.
     Musst ich erdunkeln vor dir, tief Verhängnis, damit du mit deiner Nacht mich überschatten konntest? Unselige, die ihr sollt gebohren werden, den Satanas werdet ihr zum Vater haben, und die Gebrechlichkeit zur Mutter.


010

schalt das quadrat ein muner

strauchratten sind unser terrortest

rot und süss ist der erste kontakt

rot das blut auch in ndiaga niaw

so der schoss nach französischem tanz

spräch ich nur mit der katze mit schlitz

Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 05/2012)

Der Mensch ein triebdynamischer Organismus, der in seinen Beziehungen zu den Objekten voranschreitet? – Wären nicht gerade Schriftsteller solche, die sogar diese Beziehungen überwinden, darüberhinausgehen, selbst schöpfen: zuerst noch auch für andere, dann nur noch für sich?

Streichle das Horn Deines Lieblingseinhorns! (Einhorn? Dreihorn?)

Adam horcht an einer Frucht: Was sagt sie ihm?

Nach uralten Sagen legte man in Romoos immer an Vollmond ein ganzes Stück Brot auf jeden leeren Sitzplatz im Haus, um die Geister der Toten zu versöhnen. Der Pfarrer musste nach zwei Jahren Bankrott anmelden.

Die Einheit der Handlung darf in der Oper nicht so verstanden werden, dass man immer ›nur vorwärts‹ erzählen soll; gerade die Musik kann ja eine Gefühlsregung, die eigentlich nur Sekunden – ja, Momente dauert, in minutenlange Melodien übertragen: Was weiß das Herz schon von Sekunden?

Schlecht Geschriebenes ist wie etwas aufdringlich Erzähltes, das man nicht hören möchte.

Vielleicht lachen die Tiere eben doch schon lange über uns, denken schon lange »dubito, ergo sum« – und hatten schon vor Jahrtausenden diverse Cartesianische Momente.

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Erkundungen für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand











































Quote „Eine antschändige Haltung, Mann, du träumst auch von’nem Kiosk, was ?Grundschulräch n&Abort,und in der Freizeit am Sack … Die Kstanienallee, an der ich mit dem Fahrrad vorbeifuhr, vertrocknete. Vermoderter Dodgson:ich bin eine ganze … …“ (o.S.)
Source Erkundungen für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand, Rolf Dieter Brinkmann, Rowohlt, 1987 – 410 Seiten
Keywords Arkaden, Schaufenster, Fahrrad, Stühle, Kiosk
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Produced 06.10.2009, 08:43 AM
Added 09.12.2009, 02:08 PM
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URL (Video) http://www.youtube.com/watch?v=-SlnHA5J6Yw
Status Live!
Amazon Review „eines der coolsten bücher in deutscher sprache, 31. August 2001, Von Ein Kunde – irgendjemand hat mal gesagt, rolf dieter brinkmann hätte das erfunden, was heute unter dem label „popliteratur“ gehandelt wird. Wenn „popliteratur“ bedeutet, dass ein autor seine eigene befindlichkeit beschreibt und in kontext zur gegenwärtigen kultur setzt, trifft das wohl zu. Allerdings stellen die erkundungen alles, was man heute von den neuen Autoren zu lesen kriegt weit in den schatten – brinkmann gefällt sich nicht in narzistischer pose: man hat bei jedem satz das gefühl, dass es für ihn absolut überlebensnotwendig war, genau das so zu schreiben.
eines der bücher, die man nicht durchliest sondern immer wieder zur hand nimmt, am besten mit einer flasche billigem wein und irgendwo aufschlägt, um in präziser, expressiver sprache zu schwelgen. handlung gibt es nicht. das buch besteht aus tagebucheintragungen, briefen und notitzen, in meiner ausgabe im faksimile gedruckt, so dass man beobachten kann, wie brinkmann mit zunehmender alkoholisierung mehr und mehr tippfehler macht und sich in einen weltekel steigert, gegen den thomas bernhardt bisweilen harmlos wirkt.“