Winter!

Hey, Winter, dass du eins mal weißt:

Für mich bist du das Allerletzte.

Nichts gibt es, was mich mehr entsetzte.

Wer dich kennt, weiß, was hassen heißt.

Marquis von Schlamm, Schlick, Glitsch und Matsch,

Herr jener schalen, trüben Pampe

im fahlen Schein der Straßenlampe

auf eisigen, verwaisten Wegen.

Und tausend Arten Schnee und Regen.

Das, Winter, ist doch alles Quatsch!

Fürst von Verfall und zu Verwesung,

wie alles Bunte, Blätter, Blumen,

zergeht zu kargen, toten Krumen!

Du bringst mit klirrend kaltem Schrecken

komplette Völker um die Ecken.

Libellen. Grillen. Hummeln. Falter.

Das nehmen wir dir übel, Alter!

Du brauchst mal ‘ne Levitenlesung.

Baron von Faul und Falb und Fahl,

in deinen tiefgekühlten Welten

herrscht Niesel, Nebel, Not, Erkälten,

Vergehn, Verdorren, Tod, Verenden

und scharfes Ziehen in den Lenden.

Wenn’s dich nicht gäb – mir wär’s egal.

Du nervst nur, grauer klammer Graf,

kaltblütigster der Diktatoren.

Durchlaucht von rot verfrornen Ohren,

mach doch mal einfach Winterschlaf!

taz > (GROa)

2 mal NEIN (notula nova 109)

Und wer bewacht den digitalen Fuhrpark?

Und wer liest sich mit der Gralswelt ins Jenseits?

Und wer hat das lange Leben nach dem Tod?

(Die Spuren der Ohnmacht)

Ah, die Schweizer Orthographische Konferenz steht für Auskünfte zur Verfügung. Mit Wettbewerb (treff.)

Heiz

Spuren

http://www.n-n.ch/

(Und: Das Weblog hat kein Konzept. Es hat eine Biographie (oder drei), schreibt @Goncourt. (Was dann richtig ist, wenn man Biographie nicht als Konzept betrachtet. Als Speicher von Lebensspuren oder dessen ersetzende Zeichen. Als Erfahrungstrog. Als Verhandlungsmasse.))

Und er: Mit einem Programm der kontinuierlichen Diskontinuität. Und ein anderer: mit einem Programm der diskontinuierlichen Kontinuität. Wie geht das zusammen? Es hat etwas mit Haltung und Ausdruck zu tun.

Apropos: „ich finde, wenn es hiesse “20 mal JA für 2 mal NEIN “, wäre das kein zeichen der lächerlichkeit, sondern ent- und geschlossenheit. diese abstimmung ist keine abstimmung wie jede andere. form und inhalt stehen in keinem verhältnis. sie fordert geradezu ein bekenntnis zu einer haltung des kulturellen miteinanders ein. das schweigen / die nichtsichtbarkeit wird im moment des entscheids zu einem abhängigen, passiven akt der zustimmung (s. minarettinit.). independent wäre das also auch nicht.“

Noch ein Gedicht? Mit dem Titel „Du nicht“: Mein Gedicht / handelt nicht / von Häuten, Fleisch / noch Blut / es hilft mir nicht / und dir / und äussert sich / nicht hier / nicht nur / über Struktur / und trotzdem kenne / ich eine frau in chur / die findets gut /

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sonntag (Zu “I love the NPF“). In: Mono

sonntag (Zu “I love the NPF“). In: MONO. Von Haus am Gern (deutsche und englische Version). Monografie; Herausgeber: Kanton Bern. Texte: Hartmut Abendschein, Rolf Bismarck, Ali Bouzaroura, Trmasan Bruialesi, Franz Dodel, Andrea Domesle, Chri Frautschi, Sylvain Froidevaux, Maren B. Gingeleit, Daniel Grimm, Samuel Herzog, Christine Dorothea Hölzig, Marc Munter, Thomas Schönberger, Silvia Schröer, Claudia Spinelli, Konrad Tobler, Stefan von Bergen, Till Velten, Peter Vittali, Bernhard Wiebel, Annelise Zwez. Schuber mit 20 individuell gestalteten Heften. Konzept: Haus am Gern; Gestaltung: pol, Bern. Auflage 600 dt. / 400 e; 2010. ISBN 978-3-9523691-1-1 / mehr …

Dodel, Franz: Die Kuh

Kühe machen nicht den Eindruck, besonders leidenschaftlich zu sein, obwohl das Aelianus – allerdings von den ägyptischen Kühen – behauptet, die im Kult sogar Aphrodite vertreten haben sollen.

Im Berner Oberland und im Emmental stehen die Kühe oft noch immer in dunklen, niedrigen, aber warmen Ställen. Dort atmen sie in langsamen, tiefen Atemzügen ihre eigene Feuchtigkeit, die sich dann vor allem während der langen Winterzeit als Milch in den prallen Eutern sammelt. Im Sommer – so behaupten einige – werde die Milch aus dem Gras hergestellt, das die Tiere draußen auf den Weiden fressen.

Für die Volkswirtschaft ist das Euter der wichtigste Körperteil der Kuh. Die Hörner sind von diesem, allerdings aberwitzigen, Gesichtspunkt aus zu nichts nützlich und werden öfter einfach entfernt. Mit dieser einseitigen Wertschätzung und der kosmetischen Verstümmelung verliert die Kuh alles, was an ihre einstige Leidenschaftlichkeit erinnern könnte. Die Hörner sind übrigens die polare Entsprechung zum Euter; steil und hart ragen sie gefährlich in den Kosmos, woher der Kuh Energie und Stille zukommen. Dagegen hängt das weiche Euter schwer gegen die Erde, immer im dringenden Verlangen, Milch zu spenden und so Quelle der milchflüssigen Ströme aus der Mitte des Glücks zu werden. Die Erinnerung an dieses Glück ergreift die Kühe nur einmal jährlich, wenn sie im Frühling zum ersten Mal aus dem engen Stall aufs Weideland gelassen werden: Dann stieben sie in scharfem, ungestümem Galopp über die Matten, die Erde dröhnt unter ihren Hufen, und das erinnert sie an den Glanz am leeren Horizont, als es weder Zäune noch Ställe gab.

Zwischen Euter und Hörnern liegen – näher natürlich am Offensein zum Himmel – die dunklen Augen, die immer nirgendwohin blicken, wobei dieses Nirgendwo sich beidseitig der Erdkrümmung entlang zum nie endenden Kreis biegt und so die imaginäre Scheibe verdoppelt, die von den aufgeschwungenen Hörnern gehalten wird. Göttinnen haben deshalb oft Kuhhörner, während sie machtvoll auf ihrem Thron sitzen und die Welt gebären. Stiere – dies nur nebenbei – bleiben auch als Gott nur Stier und erläutern nichts als dumpfe Kraft und Fruchtbarkeit, bevor sie in langen Reihen und kurzen Rhythmen in steinernen Sarkophagen beerdigt werden.

Um wieder auf die hiesigen Verhältnisse zurückzukommen: Irgendwie scheint es mir immer ein schändliches, typisch männliches Vergehen an einer Kuh zu sein, wenn sie zwischen dem Eisengestänge festgeschnallt wird, damit man ihr zum Beispiel die Klauen schneiden kann. Die Kühe ertragen das Leben mit uns in erstaunlicher Geduld und dies in vielerlei Hinsicht.

Wenn ich in allergrößter Not wäre, und wenn die Welt oder ich morgen untergingen, so würde ich meine letzte Nacht gerne in einem Kuhstall verbringen. Das ruhige Kauen der geheimnisvollen Mantras, die tiefen Atemzüge zum Belüften des warmen Leibes und die traumlose Sicht von einer Dunkelheit in die andre, das alles wirkt tröstlich beim gleichzeitigen Bedauern, nicht recht und nicht zeitig genug angekommen zu sein.



(c) etkbooks / Franz Dodel. Dieser Text erschien in dem Buch “Von Tieren”. (Mit Illustrationen von Chantal Meng)

Franz Dodel ( *1949 ) Schriftsteller und Fachreferent an der Universitätsbibliothek Bern, lebt und arbeitet in Bern ( Boll-Sinneringen ). Seine literarischen Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet. Vom selben Autor sind jüngst erschienen: Nicht bei Trost. Haiku, endlos, illustriert von Serafine Frey, Edition Korrespondenzen, Wien 2008, 607 S. [Z. 6001 – 12000], ausgezeichnet mit dem Österreichischen Staatspreis 2009 (»Schönste Bücher Österreichs«). Nicht bei Trost – a never ending Haiku, 3 Bde., illustriert von Rudolf Steiner, Edition Haus am Gern, Biel 2004. [Z. 1 – 6000], ausgezeichnet im Wettbewerb »Die schönsten Schweizer Bücher 2004«.

Links / Mehr:

http://www.franzdodel.ch

http://www.etkbooks.com/von_tieren

@etkbooks twitterweek (20101218)

kluge beobachtungen zum möglichen delicious-ende: http://hackr.de/2010/12/17/der-knacks #lbn / @jusupi haha! merci. (aber gefahr: geklammerte zeichen sind doch etwas antik … mal sehn) / RT @hackr: delicious ist/war der letzte intelligenztest im web. / jusupi: @etkbooks pas(t) scho(c)ko – ladig notula tella / wie klingt eigentlich so der arbeitstitel?: “co(n)text production. ‘Notula Nova’ als Gleitwerk und Schaulagerpaste” #lbn / jusupi: @etkbooks doch das lass ich gelten,aber ohne Rot (Pferd) + Gold (Bond). PUR is best.(Vom Plastikeierlöffel besser als vom Edelstahl.) / @jusupi nicht mal in der ferrari-edition von rocher ??? / jusupi: @etkbooks Da wüsste ich aber einiges! Nr. 1: Nutella schmeckt nur ohne Brot. / nichts spricht im moment gegen ein nutellabrot. / nbp: (12) Gentech-Mais http://bit.ly/g5aygM / / cht cht cht machen die schneeschippen. / schnell mal noch ein delicious-backup: http://techcrunch.com/2010/12/16/is-yahoo-shutting-down-del-icio-us/ / nbp: CHWOCK http://bit.ly/ewZWCw / Zensuransinnen #wörter / nbp: Franz Dodel: Das menschliche und das tierische Wesen (Vortrag) http://bit.ly/hf83EJ / #dfdu übrigens als geräusch. als onpo massiver textgestalt. / Im Zentrum steht also das Prozessieren von Informationen: “Der Kontext ist die Botschaft” #dfdu / starke resonanz bei franz. ab samstag: ausstellung von materialien, quellen- und sekundärtexten zu “nicht bei trost” http://trunc.it/dbena / nbp: Lieferbar / Vortrag: Von Tieren http://bit.ly/hPxpEu / “Krypto-Phantastik. Kein Algorithmus kann das.”. Autorschaft und Öffentlichkeit des literarischen Bloggens http://trunc.it/dabji #lbn / nbp: Der Ritt auf dem Ochsen http://bit.ly/hrufZv / holla. amazon wieder da. wahrscheinlich ein performancestau wegen zigmillionen schaulustiger #ddos #autopoesis / amazon down? das hat google ja clever eingefädelt … / “San Pedro Claver” von Hubert Fichte http://t.co/od06HAa via @phonostar Mit Fritz Rasp, Bernhard Minetti, Wolfgang Reichmann u.a., 1976 /



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