in: floppy myriapoda, Subkommando für die freie Assoziation, Heft 12, 2009, S.8ff.
Ein Amalgam aus Texten der notula nova mit Texten von Ann Cotten, André Jahn, Kai Pohl, Olaf Spillner u.a.
in: floppy myriapoda, Subkommando für die freie Assoziation, Heft 12, 2009, S.8ff.
Ein Amalgam aus Texten der notula nova mit Texten von Ann Cotten, André Jahn, Kai Pohl, Olaf Spillner u.a.
wenn ich mich nun schon wenn
mich eingeholt hat mich ein
habe eingeholt die segel laken
schlierig schleirig mir einge
holt taschen brot eingeholt guava
wiederholtes ein ein
über das Averbal jedoch ein Austausch möglich sei. Erste Metrofahrt. Es gibt die Wagen der Frauen und es gibt Engnis. Da quetsche ich mich dazu. Das Visum muss verlängert werden. Es gibt die amtlichen Prozedere und das Plaudern. Ich quetsche mich vor. Scheinverstehen Scheintüren Scheinzuhören ich befasse mich weiter mit dem Wort “rau”, das sein schönes “hhh” hergeben musste, denke an Ruach, das Rau(h)e, und das ähnlich lautende Wort aus der Schöpfungsgeschichte, dieser wunderliche Geruch des Abends. Und schon vertagt, das schöne Crescendo und Decrescendo der Rede, habe darob vergessen, nach dem Inhalt der Voten zu fragen der rauchenden Teetrinker um mich herum,
Kühl, bedeckt, strahlend blaue, unwirkliche Risse. Solange schlüpft durch das enge Holzgitter neben der Tür …
Noch nahe einem unbekannten Traum, morgendlich traurig. Nicht die müden Augen Augen in der Nacht gewachsen, voller Erinnerung dorthin. Nervöses, frühes Schreiben. Sprechender, mahnender Schlaf („Wieder bist du aufgewacht …“)
Klägliche Ordnung eines Relationengewirrs, Gleichzeitigkeiten von links nach rechts. Gerüche, Klänge, Bilder in Buchstabenketten gereiht. Das dunkle Gehirngeheimnis auf weißem Papier. Das Unsagbare als Attrappe. Was bleibt, sind schwarze Gestelle.
Kaffee und Zigaretten auf der Terrasse. Zwei verzweifelte Versuche, der Nacht zu entkommen: einen Strauß Blumen gepflückt auf der Wiese zwischen den Schafen und Ziegen; und Walter Hölderlin vorgelesen (Hyperion an Bellarmin über die Deutschen).
Die Nacht und die andere Natur; die Nacht und ihr Vertrauter.
Aus “Gestell und Ungestalt. Fassung erster Hand” von Rainer Hoffmann. Gestell und Ungestalt ist soeben bei etkbooks erschienen.
Und du, etk:litcards: bist ein Konzeptkunstprojekt. Verkäufe sind eigentlich gar nicht vorgesehen.
(Aus: Hartling, digitale Autor, S.297)
(Allerdings gibt es bei jenem Dauerhaftigkeit. Allerdings auch: eine strenge, maximale Verteilungsregel. Ein Entropiekonzept von Text. Kollektivierung von Unikativität. Eine gewisse Entropie des potentiell zu Sammelnden und seiner Orte. Sammlung ist auch immer eine Frage des zu definierenden Sammlungsraums.)
Das Hemd und der Hut
Die Jacke und die Hose
Gehören mir nicht
Und, das Söhnchen: will eine Siesta von 2 Kilometern machen. (Ihn förmlich beim Überdenken der Aussage beobachten. Staunen. Kindliche Raum- und Zeitkonzepte.)
Nicht aber: Die Parallelgesellschaften. Offline- und Onlineliteraturen und ihre Leser. (Kaum Überschneidungen bei den Teilnehmerkreisen der 2 Rezeptionsmärkte, so die persönliche Beobachtung. Doppelter Fetisch: man liest ein Buch ODER bspw. ein Blog, aber nicht einen Text (immer noch nicht). Die künstliche Trennung dieser Bereiche seitens Kritik und Betrieb wirft praktisch zurück in vortheoretische Zustände von Textbegrifflichkeit. Another gap to close.)
Und, zu unserer Bibliothek: bald nicht mehr Bücher verwalten, sondern nur noch Thesen, die unsere Fortexistenz sicherstellen sollen.
Oder, vielleicht einmal so:
Dranmor: Erzähler sucht Text
BC: Text sucht Erzähler
IS: Text und Erzähler suchen Autor
ab sofort lieferbar ist der Titel:
Rainer Hoffmann
Gestell und Ungestalt
Fassung erster Hand
September 2009, 84 S., 19 x 12 cm, Klebebindung
ISBN: 978-3-905846-07-2, 10 / 16 SFr
Stw: Experimentelle Prosa / Erinnerung / Lesbos
Mehr …
“Nennen wir es augenblickliches, erstes Schreiben, erste Sprache der Erinnerung ihre grünen Früchte … Momentum: das Noch-Nicht-Geronnene als suche, beginne das Schreiben, gerade jetzt eine Form zu finden, oder als dürfe, könne es selbst bleiben, verharren, einen Augenblick in der unendlichen Fülle, in der Brüchigkeit und Flüchtigkeit seines Stoffs: sich fremd in dessen Ungestalt. … Die Zeit kurz nach dem Ereignis, den Zwischenfällen, Begebenheiten, nahe ihrer Wahrnehmung, ihrer Beobachtung. Die Zeit kurz vor der Ablagerung, Verschüttung oder gar ihrem Verschwinden. Die Zeit vielleicht noch vor der Skizze. …Nicht der Stoff im Hinblick auf ein Thema, Motiv. Belanglose Folge. Ohne Absicht, ohne Zweck, ohne Linie sein Eigensinniges und Eigentätiges: sein Zufälliges, Unbändiges, Diffuses. … Nicht der Glaube an die Freiheit (oder gar Unschuld) dieses Augenblicks der Wille zum Unmittelbaren erliegt zuerst dem Zwang. Das Unmittelbare seltsames Begehren, merkwürdig fixe Idee flieht unserem Bewußtsein immer schon voraus in die Unendlichkeit … Der Glaube aber an die Neugier der Sprache auf die Leichtigkeit der Ordnung, die dunkle Organisation des Erinnerns, die Ästhetik seiner Augenblicklichkeit. … Ich berichte nicht. Ich analysiere nicht. Ich eigne mir nichts an. Ich liefere mich aus … einer unmöglichen Erzählung des Erinnerten. (Ihre Unmöglichkeit ließe sich definieren, über folgenden Ort: eines Schreibens ausschließlich von innen her.) … Vor diesen wenigen Pfählen am Abgrund beginnen. Den wahnwitzigen, den paradoxen Versuch, inmitten eines jungen Erinnerns teilnehmend nachzubilden, wie dort verwandelt geschieht, was geschah. Und daher niemals so geschehen ist. Jede Erinnerung vergeht, bleibt einmalig, im Nu.” (Klappentext)
Rainer Hoffmann, Köln (*1963) Ilshofen, Baden-Württemberg. Studium der Afrikanistik, Philosophie und Ethnologie in Köln und Wien. Forschungsaufenthalt in Bamako und Sikasso, Mali. 2001-2003: Kurzgeschichten für Mädchen. Work in Progress: “Hackfleischkörper oder Feiningers Schwierigkeiten mit der Liebe”. Wohnt und arbeitet als freischaffender Künstler und Barkeeper in Köln.
Rezensionswünsche bitte per E-Mail …
Leseproben