Ich, Wetterich (notula nova 33)

Buch 4: Hallo, hier sind wir wieder! (Verbesserungen einführen. Treffermengen erhöhen. Boolsche Operatoren erweitern. Und. Oder. Nicht. Usw.)

Und: Das Kinderzimmer – Ort entropischer Simulation.

Und: ein paar Balkonnamen (v.l.n.r. & v.o.n.u.): Der Kletterer, Der Nachtwächter, Modell Haiti, Der Schweisslüfter, Zwergenheim, Welt der Gewürze, Napoleon, Alcatraz, Gassigasse, Summer of 69, fortzusetzen … (Veranda in front: Bambusialand)

Zu einem Leserbrief, in eigener Sache: Soll das eine Klage sein? (Nein. Es ist das genaue Gegenteil. Vielleicht ist es nicht einmal das. Achten Sie auch auf die kalkulierte Zufälligkeit der Form.)

Der gute Rat: Vorsicht mit lauter Kritik! Kritische Betätigung kann zu einer verpflichteten Teilnahme an einer Arbeitsgruppe führen. Kritische Energie wird dann dort im Diskurs der Sackgasse zerrieben. Schreiben Sie lieber …

Und: Mein Umweltkörper: Leibseele als narratives Element in einem komplexen, klimatischen System begreifen. Wetterdaten. Wetterichfiguren. Meteoromaneske Prosa. (Warum wird das vorletzte Wort nicht nervös unterstrichen? Wird meine Software toleranter? Oder werde ich …?)

Oder, um auf eine andere Leserfrage zu antworten: “Schreibweise der Abweichung” meint auch: einen Text, bei dem sich der Leser aktiv den Zugang dazu erarbeiten muss. Ein Text, der fast zwingend eine Mitarbeit benötigt. Etwas, das nicht oder kaum eine konsumfertige Oberfläche bereitstellt.

Überhaupt: kann man nicht einfach Arschloch sagen. Oder Depp. Oder Idiot. Man muss sich eine eigene Sprache der Abwertung hart erarbeiten. 

An dieser bestimmten Stelle …

An dieser bestimmten Stelle. Dort, wo das Wasser das Ufer unterläuft von westwärts nach nordhin wechselt, das Ufer eine unterspülte Kante sihlbruggseits. Das also wäre nun die Sihl. Tropische Schönheit des Flussbewuchses. Tagelang dort stehen. Der Forelle geht es gut. Expliziert in seiner heutigen Schaumblase stapelbar kein Einblick, er jedoch Ausblick. Georges Perec wie auch ich, wie mein wasserseitiger Ko-Isolant, alles und weiterhin, sind Umzugstiere von A nach B von Z nach Sihlbrugg nach Cremona nach Z zurück dem Strip entlang von S nach Baar und wenn wir sind wie sie sind, dann weil wir die Erinnerung an einen andern Raum mitbringen in dem wir ehemals waren. (15/18. Aus DlniS, Kap.6)

Gold (notula nova 32)

Überhaupt: die Verwerdung allen Seins.

Und: Die Kunstwissenschaft vs. die Wissenschaftskunst (Wo stehen wir denn heute? Arbeitstitel der 365 Minutenfilme: Das täglich herausragend normale Ereignis)

Auf die Frage des Söhnchens, wie Schnecken reden, langes Schweigen, meinerseits, denken, achselzucken. (Die Morgenstund. Das Blei. Der Arsch.)

Und Hartmut Gehrke: „Ich habe also einen der anspruchsvollsten philosophischen Texte des Abendlandes, der für die meisten Menschen zu hoch ist, mit einer sehr hohen Stimme lesen lassen. Und dabei erfahren müssen, dass diese Methode kaum etwas zum Verständnis der Kritik der reinen Vernunft beitragen kann. Dieses Ergebnis wollte ich mir für die Zukunft merken“.

Also: pfeifen – pfiff – gepfufft (Weiter im Textplan, heisst, über meine Schwammwerdung schreiben, beispielsweise. Und: Wollt ihr den totalen Kindergarten?)

Lieferbar: Da liegt noch ihr Schal

ab sofort lieferbar ist der Titel:

Elisabeth Wandeler-Deck

Da liegt noch ihr Schal


April 2009, 268 S., 20,5 x 13,7 cm, Klebebindung

ISBN: 978-3-905846-06-5, €21.90 / 34 SFr

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“Da liegt noch ihr Schal” erzählt von einem bestimmten Streckenstück an der Grenze von schweizerischem Mittelland und Zentralschweiz auf der uralten Route vom Norden in den Süden, vom Süden in den Norden, die heute wegen der häufigen Staus, der Tankstellen, der Möglichkeit, die Fahrt zu unterbrechen eine unscheinbare Bekanntheit geniesst. Nach dem Ende der Autobahn von Luzern her beginnt mit der Ausfahrt Baar ein Landschafts- oder Wegstück, das sich als ein Strip einer amerikanischen Stadt darstellt, das dann in Sihlbrugg Dorf abrupt endet. Ein Ort mit Verkehrskreiseln und Garagen, Raststätten und dem Motel – einem der ersten in der Schweiz überhaupt. Sihlbrugg ist vermutlich in keinem Ferienkatalog aufgeführt, da es als Transitfläche wenig zu bieten hat, das zum Bleiben einlädt. Doch ereignen sich Geschichten. So führt die Situation Motel andeutungsweise an subtilste Ränder von Gewalt und Erotik, wie um auszuloten, wann beim Einzelnen das Gefühl von Angst aufkommt. Wie ausfransende Identität wird eine Jacke von der einen Figur abgestreift und von einer andern angezogen, geht Sprachfigur um Sprachfigur durch die Abschnitte und fügt sich neu. Satzfragmente, Gesten, Dialoge, Geräusche werden von wechselnden Darstellern probeweise gekostet. Text und Figuren folgen ihren je eigenen Partituren, Thematiken und Beziehungen und bearbeiten und entwickeln das Ganze zu einem Szenarium der Bedrohung und Melancholie, der Sehnsucht und des Verlusts. (Klappentext)

Elisabeth Wandeler-Deck, geboren 1939, lebt als freischaffende Autorin und Publizistin in Zürich. Zuletzt erschienen: “Von einem Schiff zu Singen”, Prosa, 1999; “contrabund” Lyrik, Waldgut, Frauenfeld 2001; “Piraten – Haitianische Topografien”, Prosa, bilgerverlag, Zürich 2004; “(Gelächter über dem linken Fuss)”, Lyrik, Waldgut 2006; “Turbulenzen an der Luftschnittstelle”, Lyrik, mit Zeichnungen von Yves Netzhammer, Ed. Howeg, Zürich 2008

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