
Lust &co. (notula nova 35)
Und: die Gratiszeitungen als Systeme formierter Intimität und Distanzlosigkeit. Diese Zeitungen als Organe permanenter Duzung.
“Ein gewisser Ahmed, im Bahnhofsviertel, trägt einen himmelblauen Pulli mit einem schönen, orangefarbenen Schmutzfleck vorne drauf.” (Barthes, Begebenheiten, 20)
Und: “Die in Alaska lebende männliche Pelzrobbe ist das bekannteste Beispiel für das Fasten bei Säugetieren während der Paarungszeit. Der ganze Sommer ist für sie nur ein einziger Rausch von Kampf und Liebe. (…)” (Shelton, Le Jeune, in: Barthes, Neutrum, 227)
Ein seltsamer Traum: Q. schreibt in einem neu eingerichteten Faszikel der NZZ mit dem Rubriktitel “Schmerz”. Er schreibt in unverständlicher Weise über mich, mein Name taucht darin einige Male auf, allerdings in so grosser Fehlerhaftigkeit oder absichtlicher Unlesbarkeit, dass ich den Text nicht zuende lesen kann.
Überhaupt: Aufgekratzte Kinder auf Windpocken. (Schauschau, da läuft die Bambushex. War beim Frisör und zeigt ihre Shoppinglust in glänzenden Henkeltaschen).
Und: die Zeit des Erinnerbaren, die als moving wall im Abstand von 20 Jahren der Gegenwart folgt. (Ist das Glas schon halb voll oder noch halb leer? Aber: “Es ist, als dehnte sich mit nahendem Alter das Reich der Erinnerung an alte, nicht rezente Dinge aus (bekanntes Gesetz der Vergesslichkeit) -> vgl. Aufnahme des gesamten Lebens ins Panorama des Sterbenden -> Memento mori = ich erinnere mich -> erinnere dich, dass du sterben musst = erinnere dich, dass du gelebt hast (…)” Barthes, Neutrum, 278) … (? Metapher der Grösse vs. Metapher der Teilmenge)
Leserinnenpost (DlniS)
Liebe Elisabeth
Ich habe ihren Schal gelesen, gewendet, bewundert, aufgedröselt, die Muster neu zusammengestrickt, das Gelb nicht vergessen – aber wo genau ist es, am Rand, neben der Mitte, in den Fransen?, Barthes, Foucault, Theweleit (eine kleine Frage) begrüsst und Gertrude Stein und Georges Perec die Ordnung der Dinge überlassen. Wenn Sophie nicht dabei gewesen wäre…
Deine Texte gehören zu meiner literarischen Heimat, was pathetisch klingt und meint, dass es wenige gibt, die schreibend ihr In-der-Wirklichkeit-stecken ausdrücken ohne das, was man Ausdruck nennt. Will sagen: Der Konditionalis ist konstitutiv in deinen Texten und dadurch jeglicher Realisierung zugewandt. Gerade darum kannst du der Zeit die Vergangenheit und die Zukunft stehlen, weil sich alles gegenwärtig ereignen kann: erinnern, vergessen, fantasieren, projektieren mit Wörtern, Sätzen, die keine andere Aufgabe haben, als sich selbst einen Ort zu geben.
Du machst das virtuos. Das und noch viel mehr.
Die Verkehrsplanerin – ein guter Name für die Figur.
Das Motel, das Zimmer – ein sehr guter Ort für die Passage. Die Vergänglichkeit.
Was ich gerne wissen möchte: Ist der ganze Text aus dem Foto, der Notiz und der kurzen Tonaufnahme entstanden?
Ist das Kapitel “die Mähne, das Herz…” der älteste Teil des Textes? (…)
Li
nachtrag: bilddoku, beiträge grüner salon 2. mai 2009
nachtrag zu hier
beitragende:
inka ehlert violoncello
sätze 1-3 aus der 1. suite von j. s. bach
für cello solo
hartmut abendschein
notula nova
lesung
installation / präsentation etkbooks
dorrit bauerecker klavier, akkordeon
christina c. messner gesang
barbie, paprika und franz. chansons
stan lafleur
die welt auf dem fusz
lesung
martin gerke klavier
florian stadler akkordeon
dorrit bauerecker akkordeon
christina c. messner violine
improvisation
ulrich dürrenfeld
videofilm: prozession
heiko weidemann gitarre
“summer”
ausstellung: sabine jansen: barbiebilder
ulrike geitel: grüne bilder
bilder, unsortiert, unvollständig:

Strickliesl II (is029a)
