Verzeichnungen

(M11)

Auf qualitative Differenzierung ist auch in der vorliegenden Arbeit verzichtet worden. Ersatzweise sei hier die Frage nach der Interdependenz von literarischer Qualität einer Darstellung und ihrer Bewertung des Sujets gestellt. Läßt man als Qualitätsindex jene Auswahl gelten, wie sie durch Verzeichnung in einem neueren Literaturlexikon mittleren Umfangs geleistet wird, so erfüllt etwa die Hälfte der ausgewerteten Texte diese Bedingung. Von diesen nun stellen rund 60% Bibliothek und Bibliothekar mit überwiegend negativen, zumindest aber satirisch überpointierten Eigenschaften dar, signifikant mehr als das Gesamt der Texte (etwas mehr als 40% negative Urteile). (…) Selten oder höchstens in Arbeiten minderer literarischer Potenz ist die Bibliothek selbst unaustauschbarer Darstellungsgegenstand, ist ihre Eigenart als Arbeitsplatz abhängig Beschäftigter thematisiert: Häufiger dagegen begegnet sie als Mythenträger. Selten auch nimmt der Bibliothekar mit seiner Berufsidentität Gestalt an: Literarisch reizvolle Protagonisten werden fast durchweg unter der Rubrik „intelligenter Sonderling“ geführt.

In: Döhmer, Klaus. – Merkwürdige Leute : Bibliothek und Bibliothekar in der Schönen Literatur. Würzburg : Königshausen und Neumann, 1982 (S.96f.)

Antwortbogen

1) Die Existenzform. Oder Daseinsform. Inemuri. Der Anwesenheitsschlaf.

2) Das Erscheinungsbild. Verblutet, bis zur Unkenntlichkeit.

3) Allgem.: Auftrag. Bildungsenteignung durch Bildungsaneignung.

4) Z.B. die allmähliche Verknüpfung des Geschriebenen mit dem Schreiben.

5) Die Schule: Neue Weimarer Klassik.

6) Hauptfach: spekulative Physik.

7) Sozialkompetenz. Verblutet mit seiner Umgebung.

8) Ein Urlaubsziel. Geliebt vom Meer, wohnt in den Bergen.

9) Unwetter. Wenn Saugnäpfe nicht mehr haften.

10) Nasalanz, Nasometrie, Nasalitätsmessung.

11) Gegenfrage: Was ist kein Roman?

Werner

(M10)

35 Jahre. Es ging mit Riesenschritten auf die 40 zu. Er war immer noch Bibliothekar. Viele seiner Altersgenossen leiteten große Betriebe, versahen hohe politische Posten oder amteten als Professoren. Hatte er versagt? Nein, er war mit seiner Arbeit zufrieden! Hoher Verdienst lockte ihn nicht, hier konnte er sich selbst sein. Er beneidete niemand, weder den Direktor noch irgendeinen Vorgesetzten.

In: Vollenweider, Ernst: Die Stadt der Gerechten. Zürich, 1968

Perkampus, wie Sie vielleicht wissen

Heute bekommen Sie kein Gedicht von mir. Oder eine andere kleine Form. Heut gibt’s was aus der Mikrowelle. Die wöchentliche Geheimschrift, an der ich wohl über einen längeren Zeitraum arbeiten werde und die noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, ist noch zu schreiben. Das nenne ich einen Privatroman. Doch habe ich für Sie wieder ein hübsches Bibliotheksfragmentchen ausgegraben, das sicherlich bald noch eine Rolle spielen wird. Dann gilt es noch eine gelbe Nelke zu besorgen, denn so will der mich heute besuchende Dichter Michael Perkampus am Bahnsteig von mir in Empfang genommen werden. Worüber werden wir sprechen? Hierüber vielleicht. Natürlich hierüber und hierüber. Vielleicht auch hierüber. Sicherlich wird er grossen Durst mitbringen, wenn er nicht gestern schon mit dem Kollegen Hediger über die Stränge geschlagen hat. Der Klimawandel. Wir werden sehen …