im briefkasten // tags darauf nun nicht mehr / zwischen und über und unter nicht / von mir gewollter erwarteter schreiben sie / wurden mit wenigen hinweisenden worten und klaren / bedrohlichen massnahmen gegen versender gebannt liegt / sehr einsam ein umschlag ich ahne die / urheberin der verschickung tatsächlich von ihr / ist der brief mit der frage warum / man ihr denn diesen text in / ursprünglicher form noch einmal / kommentarlos zustelle ob man denn nichts mehr mit / ihm anfangen könne ob nicht mehr / zufriedenheit walte ob man gar / am ende die schuld nicht zu tilgen / gedenke was schäbig und traurig sie bräuchte / das geld und zwar bald darum noch einmal / anbei die rechnung für ihre bemühung ein / hoher betrag eine in dieser höhe nicht nur / äusserst schwer sondern gar nicht bezahlbare rechnung mit / freundlichen grüssen //
7. Schachtel (Grammantik)
Dieser Schachtel liegt eine wirkliche Schachtel zugrunde. Sie ist aus grauem Plastik, enthält neun Fächer und ist oben immer offen. Sie ist eigentlich keine Schachtel, sondern ein Zettelkasten oder eine Registertonne. Sie ist vorne beschriftet und hinten nicht: Schachteln oder Den Ursprung umkreisen, steht darauf. Darin finden sich einige jüngst bedruckte Zettel aus altem Papier mit zwei am Rand orthogonal zueinander stehenden Linen. Irgendwo findet sich Platz für den Haupttext. Darüber (über der längeren Linie) ist Platz für den Titel. Er gestaltet sich immer so: X. Schachtel (XXX)
man müsste ein Bild dazu einstellen, um ihre vorstellungskraft zu beleben. doch es würde sie nur schwächen. kommen sie doch einfach mal vorbei und schauen sie es sich an. in dieser schachtel sollte übrigens etwas ganz anderes stecken. seis drum. nun wissen sie, dass ich es mit den begriffen nicht ganz wörtlich nehme … und: selten spielt ihre grösse eine rolle. (andere sagen vielleicht: gattung oder form und bezichtigen mich des mordes oder der scharlatanerie).
Linien Striche Kanten Bänder XL

7.1
im briefkasten // zwischen den hochglanzbroschüren in / plastik geschweissten verbrauchsangeboten den / tüten zur sammlung getragener kleider und schuhe den / wahlunterlagen den blättern der / nachbarschaftshilfe den wohnungsgesuchen und / flugblättern weilender scherenbeschleifer den / automobilneuigkeiten und anzeigen / jeglicher art und couleur zwischen rechnungen / mahnungen auch einer karte ein / irrläufer der mit dem rest in / die neben dem biefkasten stehende tonne geworfen / wird auch ein sehr förmlich und wichtig sich gebender brief mit dem / stempel des namens der zeitschrift die / schon und vergessenermassen vor wochen von / mir mit den texten versorgt und beschickt sich / nun meldet um eilig ja eiligst von mir den / bescheid zu erhalten erhofft / diesen text auch zu drucken anbei / ein vertrag mit der bitte um / rückruf begnadet sei das was / da eingeschickt wurde beim / zweiten besehen des briefes erst / merke ich spricht man nicht von dem / von mir als verfasser geschriebenen sondern ganz ausschliesslich nur von / den von ihr ganz alleine gearbeiteten stellen des textes //
Fette Kapitälchen
Führen zu langen Diskussionen mit Lektorinnen und Lektoren. Darüber beispielsweise, ob man diese gleich zu Beginn eines Romans setzen sollte, vor allem in Verbindung mit einer wörtlichen Rede, die nur ein End-, keinesfalls aber ein Anführungszeichen beinhaltete (beinhält? beinhielt? beinhülte?). Der Roman begönne damit also nicht einmal nur hypothetischerweise mit einem Schlusszeichen, liesse man den ersten Satz ausser Betracht, sondern tatsächlich. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass der erste Buchstabe als fettes Kapitälchen gesetzt wurde und man deshalb auch auf das Anführungszeichen verzichtet habe, weil mit ihm das ganze unschön, und überhaupt: dass man dafür nicht unbedingt den Autoren, sondern viel wahrscheinlicher das Lektorat in die Verantwortung nehmen müsse. Natürlich könne man sich ein Anführungszeichen in einer Kapitälchenreihe auch mühelos im Kopf ergänzen, aber, so im weiteren Verlauf der Diskussion, bliebe da immer noch ein ästhetisches Unbehagen, für die- oder denjenigen, der sein Fehlen entdeckte. Sind die Lektorinnen und Lektoren aber nur ausgedachte, dann lösche man an dieser Stelle das Licht und versuche zu schlafen. Dieses Thema bietet Stoff für lange Winternächte und wir haben doch erst Oktober.