
9.1
in einem hotel // wir beschweigen das zimmer das / selbe vormaliger treffen lektüren / liest sie überraschend ein / weiteres mal aus dem text liest / nach kurzer besprechung sie wiederum / mich meinen körper partien passagen / der offenen und auch geschlossenen / häute nimmt sie in die hand wie / papier meine schultern gesicht und die tieferen / stellen und zeilen mit allem was lese / organ bis wir beide ans ende gekommen geschlossen / als bücher auf tischen ganz neben / einander warum frage ich und noch / mehrmals warum sie das tue nach allem was / war es bedeute für sie sagt sie / endlich ein existentielles versichern sie / könne nur eines das lesen der dienst / früh am morgen ich müsse verstehen der preis / ihres daseins man komme nun / endlich zur sache wo sei / der nun noch mal verdoppelte lohn ich / erschrecke nichts gar nichts sei / von mir bezahlbar drei münzen sei / alles was ich noch besässe erregt muss / ich zudem gestehen der ihrige / text sei genommen nicht meiner ich warte man / warte auf antwort erst dann sei / ein ausgleich mir möglich vielleicht / sage ich sie verschwindet sehr / wütend ins bad //
no years eve (am neinjahrestag)
der formatierungen halber und der länge wegen gibt es den schon gestern abend heiss umstrittenen text für kurze zeit hier und als pdf (noyearseve.pdf).
für material/hinweise zu XIII/XIV: ein kleiner dank von hier aus an bon tempi (kleine schnitte).
10. Schachtel (Mutmassungen)
Was ist noch darin in den Kartons, Kisten und Koffern? Wäsche vielleicht? Eine rote Strickjacke. Ein altes Jackett. Strümpfe. Ein Handschuh. Der andere ging verloren. Vakanz. Jeder weiss, es geht nicht um die Kleidungsstücke, die sich noch darin befinden, sondern um die, die sie getragen haben oder sie vielleicht noch tragen. Die andere Hälfte eines Paares. Oder: wo und wann man sie getragen hatte. Also geht es auch nicht um einen Karton oder eine Schachtel, sondern um ein Zeugnis, das sie wiederum mantelt.
es geht um die angst. um einen schuh, genauer: um den anderen, treten sie nicht als paar auf an einer strassenecke, an einem kleinen bach im wald oder an den fernbahngleisen. es geht um den gemutmassten verlust. es geht vor allem um die angst vor der eigenen phantasie.
Gruppenrahmen
also räumtest du die neuesten Codes ab, inmitten
von laszivem Geschnuppere, Stimmen-
Gestöber, in die Küche schlitterst du mit lässig
geöffnetem Kragen, herrje, heilige
Sebastian-Brust. diese Gruppenrahmen, Foto-
Platten im Gepäck o Auslöserlicht
lümmelten wir bei inständiger Ripphemd-Freude
das macht Kraft das ist unser Eldorado
– du Wächter, deine Sorge ist Kleinmut
(Hendrik Jackson, Dunkelströme, S.36, 2006)
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