Die kleine Raupe Nimmersatt frisst sich durch Äpfel und allerhand anderes Obst und Gemüse. Am Ende gar durch ein Eis und etwas, das aussieht wie ein gerauchtes Stück Schinken. Was dann mit ihr passiert, ist hinlänglich bekannt. Doch soweit kommen wir heute nicht mit der Erzählung des Geschehens. Wir erklärten eben noch, dass sich der kleine Wurm, nichts anderes ist er, durch den Apfel frisst und dabei ein Loch hinterlassen wird, sich durch die andere Seite arbeitet, die wir gerade wenden und dort die Frucht verlässt, um sich einer anderen zu widmen. Ein Loch?, sagten wir und müssen uns nun räuspern. Es sind tatsächlich derer zwei, nehmen wir das Loch auf der Vorder- und der Rückseite der Seite bzw. des Apfels. Man könnte sagen, der Apfel hat nun ein oder zwei Löcher je nach Standpunkt. Oder will man einen simplen Reinfrass schon als Loch und nicht etwa nur als Aushebung bezeichnen? Letztendlich führen wir Grundsatzdiskussionen über das Wesen von Löchern, über das Vorne und Hinten und das Fehlen von Inhalten. Und einigen uns endlich: es gibt keine Verlässlichkeiten im Leben, und Bücher, die uns nicht eben darüber hinweg helfen, wollen wir in Zukunft meiden.
Die Raupe Nimmersatt ist so ein schlechtes und gemeines Buch. Es trifft den Leser unvermittelt ins Herz und stösst ihn in ein Loch voller Grausamkeiten, oder zwei. Wir stellen es nun in unseren Giftschrank. An seiner Stelle rezitieren wir den kleinen Nick. Der lächelt immer und hat eine schöne, braune Tasche.
bible works
udo kier liest (spielt die stimme von) rainer werner fassbinder liest texte aus der bibel. eine offenbarung.
die lippen, wörter, geräusche und bilder
ich lese kiers lippen in einem zug
ich höre kiers achternbusch
ich höre zerlett
ich lese zerletts achternbusch
ich höre achternbuschs kier
ich höre die bibel
ich sehe zerlett und kier
ich sehe achternbusch
ich sehe kier
ich bin ein kind
ich bin achternbusch
ich bin die bibel
letzte reise nach harrisburg gefunden von und bei christine marendon (dgf)
2.2
am schreibtisch // versucht mich die sprache zu / doppeln zu doppelter führung zu / zwingen die zeichen in ordnung zu / bringen die / einmal sehr ordentlich aufgestellt waren bevor / wir uns kannten und / nun eher tropfend als fliessend ein / nachmals umschreiben ein / vormals und damals und mehrmals in hauch / dünnen lettern den blättern / aufdrängen und diese zu / türmen bald anschwellen / lassen ich kann sie nur / fassen indem ich sie / binde in grosser verknappung sie fortschicken möchte zu / einem der möge sie horten für / eine die das einmal lese zur / strasse hinaus in die richtige richtung den / schienen entlang im begriff zu versenden am / häuschen im regen da / wartest schon du //
101
„_________________” (begriff, im konjunktiv)
[den konjunktiv einschalten / ausschalten”>
KulturStattBern
seit mitte april also befüllt sich das ”kulturblog” unserer kleinen hauptstadtzeitung mit dem etwas grenzwertigen weblogtitel. viel ausbeute beim thema “literatur” ist noch nicht zu machen. dennoch ein kleiner link – ich schau ja trotzdem rein, ab und zu, und mit diesen eintrag hier erspare ich mir nun das umständliche gekrame in der favoritenleiste …
