Gamma ran!

Der Ball ist rund

Stil Radlerbund

Rar, bist du, Lendl

Du Strandbrille

Rundbildlaster

Stulle dran, Bird

Brustrillen, Dad

Alb, lindre Durst

Lid, stur labernd

Bildnudel starr

Stirnbude drall

Rund ist der Bald

(Wolfgang Bortlik, Am Ball ist immer der Erste, S.18, 2006)

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Hinter den Gardinen bewegt sich etwas müde auf und ab. Wenn ich du wäre, stände ich dahinter, und schaute auf mein fassungsloses Starren: von der frisch gereinigten Strasse auf den Vorhang. Du wärst ich und müsstest meine Hörner tragen und in diesem Moment den Mund zum Atmen öffnen. Unsere Hände griffen zu einem Taschentuch in unserem Mantel. Auf einer Ablage links neben dem Schreibtisch. Und wir schnäuzten kräftig und bliesen die Verstockung aus den Kanälen unserer Stirn. Wir schauten auf das Tuch, leicht angewidert, und legten und steckten es zurück, um es zu trocknen. Diese Geste bewegte etwas Luft und diese den Vorhang hinter dem Fenster.

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Dann ist da dieses kleine Aufsatzthema: Über die oft unterschätzte Notwendigkeit des kleinen Kissens. Man sucht Beispiele: Man reisst die Fensterläden auf, morgens in der Winterfrühe, und herein kommt nichts als blaue Dunkelheit. Ein Kissen für diesen Tag, denkt man, ein kleines nur. Eines, das man vor die Augen drücken kann; in dem sich Rotz, Tränen und die abgelegten Bilder der vergangenen Nacht geborgen fühlen. Aus besonders saugfähigem Stoff muss es gemacht sein. Und rund oder quadratisch. Am besten mit einer roten Giraffe darauf und die Ränder gehäkelt. Am besten, man setzt es in Anführungszeichen. Dann ertönt ein Gong. Eine mindere Terz. Dann gibt man ab.

Die Spange (M. Mettler)

Nicht genug anpreisen kann ich den jüngst erschienenen Roman von Michel Mettler Die Spange. Dort finden sich so krude und skurrile Passagen wie diese:

Genau genommen ist dieser “Zahnarztroman” eine geschickte Verquickung solch seltsamer Einfälle. (Oder aber auch recherchierter Fakten aus der Zahnmedizin, generell den Naturwissenschaften? Ich habe das nicht im einzelnen nachgeprüft. Es ist einerlei, weil schön. Überhaupt: ich glaube dem Roman jedes Wort). Noch genauer genommen ist die titelgebende Spange vielleicht als der narrative Stoff oder Kitt anzusehen, der die einzelnen seltsamen Elemente (oder auch: Zähne) zusammenhält. (Eine Spange, eben). Absolut empfehlenswert also und gar nicht relevant-realistisch. (Weiteres entnehmen Sie bitte den einschlägigen Rezensionen …).

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Dabei lese sie nur Anthologien. Die Texte von verschiedenen Autorinnen und Autoren und gerne zu einem Thema. Monothematische Sammlungen von Schriftstücken ihr völlig unbekannter Menschen. Natürlich lese sie diese im Schlaf, sonst fände sie ja keine Zeit dazu. Sie will ehrlich sein. Sie lese nicht die Texte der Autoren, sondern lediglich die biographischen Angaben. Und sie wisse auch, dass diese von Herausgebern behandelt, ja teilweise umgeschrieben und entsprechend angepasst wurden. Das störe sie überhaupt nicht.

Im Gegenteil: es seien ja auch nicht die Autorenbiographien, die interessierten, sondern das, was daraus gemacht wurde. Und ja, sie kenne die Herausgeber. Sie übernachte bei ihnen, bisweilen.