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Wenn wir beide an einem Text schreiben, ganz egal, wofür er ist, dann ist es doch wichtig, dass du meinen Part liest. Du kannst nicht einfach sagen, das von mir Geschriebene sei unwesentlich für deine Arbeit, wenn diese am Ende unsere gemeinsame Arbeit sein soll. Du kannst nicht einfach allen erzählen, du leistetest eine theoretische Arbeit, die mit meinem Geschriebenen nichts zu tun habe.

Du solltest, wenn wir weiterhin sagen wollen, es handele sich bei der Arbeit um unsere Arbeit, nicht ausweichen und behaupten, das von dir Erarbeitete sei völlig unsichtbar. Ich fürchte, wir schreiben aneinander vorbei. Das meinen auch meine Brüder.

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Unser Blick fällt auf das Schulgebäude. Wir sehen ein modernes Atrium, dessen Innenhof dezent und kostengünstig begrünt wurde. Es werden Getränkepackungen getreten. Man beschiesst sich damit auch gegenseitig: wer zuletzt davon berührt wird, muss sie aufräumen. Die Pausenglocke lässt die Gänge flirren. Wo ist der Chemiesaal? Wo das Lehrerzimmer? Wo die Toilette?

Im Terrarium im Souterrain hängt ein träger Leguan auf einem trockenen Ast. Unser Lieblingstier: 360° Panoramavision. An der Informationstafel stellt sich die immergleiche Frage: Ist Frau XY wieder krank oder Herr Meyer endlich tot? Fällt eine Randstunde aus? In der Aula probt der Schulchor. Wir hören: eine singt falsch. Und: einer kommt aus dem Takt.