im Skulpturenpark Schönthal
im Skulpturenpark Schönthal
Ein Schneider fing ‘ne Maus. Ich winkle erst beide Beine an und führe sie parallel, wie von mir verlangt. Er zieht ihr ab das Fell. Ich lege die Hände an meine Hüften und stemme die Beine senkrecht nach oben. Er macht’ sich einen Sack. Meine Haare werden bei jeder Bewegung des Kopfes von der blauen Matratze gezerrt und gezogen. Er tut hinein sein Geld. Dann sind die Füsse in schwarzen Leinenschuhen aufs äusserste zu strecken. Er kauft sich einen Bock.
Diese Übung heisst “Kerze machen”. Er reitet in den Krieg. Als Belohnung für eine gelungene Kerze legt die Turnlehrerin Bonbons in den Spalt zwischen den Sohlen meiner Schuhe. Er schlägt sie alle tot. Zum Abschluss der Stunde bilden wir einen Kreis und singen ein Lied.
dass du
hinter der schwelle
immer die tür suchst
ist doch kein haus
dieser kuss
(Uljana Wolf, kochanie ich habe brot gekauft, S.50, 2005)
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Thermometer im Rektum fiebernder Säuglinge.
Das sei die Stimme deines Vaters auf dem Anrufbeantworter. Es ist eine Beschwerde über dein Schreiben. Über deinen Roman, der in aller Munde sei. Er habe nichts böses darüber gewusst, und: warum es denn dein Roman sein solle, wenn doch er der dich Prägende sei. Und: Da war dieses Interview mit dir in der Zeitung der kleinen Stadt. Die vielen Details. Er verstehe nun gar nichts mehr.
Jetzt habe ich auch eine Frage an dich: Hast du tatsächlich einen Roman geschrieben? Du hast mir nie davon erzählt und ich habe nie Verdacht geschöpft. Ich weiss auch nichts über die kleine Stadt. Oder ein Interview mit deinem alten Vater. Dich habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen. Warum schreibst du mir nicht?