Mein Vater kam in einer Nacht zu mir ins Zimmer und meinte kommentarlos, man habe über Schweden Atombomben abgeworfen. Dann verliess er das Zimmer und im Haus wurde es still. Ich konnte die halbe Nacht nicht schlafen, in der anderen Hälfte habe ich von der Auswärtsniederlage meines Fussballvereins geträumt.
Am nächsten Tag war dem Radio zu entnehmen, dass es sich bloss um Trägerraketen handelte und diese waren nicht mit Sprengsätzen bestückt. Ein Versehen, das keine grösseren politischen Konsequenzen haben sollte. Das Ergebnis des Fussballspiels wurde dagegen bestätigt. Fussball und Atomkrieg und immer noch das Schwitzen, wenn der Vater wieder die Türe öffnet. In den kalten Träumen.
“Urban Studies”: Lesung von Markus A. Hediger und Hartmut Abendschein
am Donnerstag, 17. November 2005
um 20:00 Uhr
in der station21
“Wie ein Buch, das seine Leser verschlingt!”
The Old Men’s News, Kimbuktu
“Die beiden Herren bringen in ihrem ersten, gemeinsamen Literaturprojekt das Kunststück fertig, den Leser im eigenen Wohnquartier sich verlaufen zu lassen.”
The Beyond. Journal for Art and Architecture, Trondsville
“Buchstaben in Öl und Acryl.”
KnallhART, Laufen am Berg
“Wie g e r ne ich käme!”
Die Dschungel. Anderswelt, Berlin
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Sie will sich auch nicht zu sehr mit der Geschichte der Isle of Man beschäftigen. Noch weniger mit der der Manx Cats, von der ihr gestern berichtet wurde, wie sie sich heute erinnert. Aber die Vorstellung der schwanzlosen Katzen auf einer seltsamen Insel, die nur mit Motorrädern befahren wurde, einer eigenen Regierung dort und einer eigenen Währung, machten die Inselkatzen, die von Geburt an keinen Schwanz besassen, mehr als plausibel.
Machten ihre Schwanzlosigkeit für einen Moment sogar zwingend. Das diesen Eigene wurde ihr in jenem Falle als Unvorhandenes vor Augen geführt, und sie war zufrieden, musste sie sich doch etwas weniger merken. Am Ende blieb ihr noch diese Analogie: Die Isle of Man als das Appenzell Deutschlands. Sie seufzt. Ein weiterer schlechter Witz über internationale Steuerflucht.
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Fahrerflucht nicht als Flucht des Fahrers: der etwa ein Zeichen missverstanden hatte. Ihm wurde nur ein Vogel bedeutet, der sich noch ein bisschen um einen Scheibenwischer wand. Etwas Haut, Federn und Gedärme an der Windschutzscheibe hinauf, sich in Fahrtrichtung nach hinten, oben verteilend. Er bedeutete nur noch wenig.
Ein anderer Vogel, der gezeigt wurde, dessen Zeigerin nun einen wütenden Fahrer flieht. Der erst aussteigt und mit einem weichen Lappen Vogelreste entfernt. Dann die Geflohene sucht. An einer Ecke, unter einer Laterne kauert ein kleines Mädchen, das den Schlaf nicht findet.
health & language
Der gesunde Menschenverstand: Immer nur so dehnbar wie sein engster Begriff.