Den Traum eines anderen zuende geträumt. Umgeträumt. Lag in jenem Traum noch die Asche der Geliebten auf einem Totenbett, wie es Brauch war, befand ich mich zuletzt in einer Bibliothek: Geliebte Blätter fielen leise aus den Regalen. Ihre Form: Rücken, Deckel und Bindung hatten sich aufgelöst. Die Blätter fielen leise nacheinander aufeinander auf den lehmigen Boden, zogen Feuchtigkeit, wurden weniger und am Ende blieb ihr schriftliches Durcheinander, ein Palimpsest ohne Medium auf der kalten Fläche zurück.
Linien Striche Kanten Bänder XVII

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Die Räume spielten ein Spiel mit mir. Sie nannten es Hase und Igel. Ging ich in den Keller, war dort schon das Dach. Die Wände hatten sich geschwind zur Schräge gerichtet und der kalte Beton sich in trockene Planken gelegt, vermutete ich. Stieg ich unters Dach, schlug mir auf dem Weg schon der modrige Geruch des Kellers entgegen. Tatsächlich kullerten mir schon Splitter und Schotter entgegen, noch bevor ich die eiserne Türe öffnen konnte. Im Treppenhaus, wie ich dann bemerkte, das Raunen der Stufen: Ick bin all hier. Ick bin all hier.
Am achten Tag
Am achten Tag nahm Gott das Leder,
und aus reiner Langeweile
schnitt er zweiunddreißig Teile
(zwanzig sechs-, zwölf fünfgeeckt
– Gott ist ganz schön aufgeweckt!)
und nähte einen Polyeder.
Dem blies er seinen Odem ein.
Und durch Luft aus Gottes Mund
wurd’ das Ding, o Wunder, rund.
Rund erst und danach ganz prall.
“Hey”, dacht’ Gott, “das ist ein Ball.
Ein Ball, sehr schön. Doch so allein?”
Der HErr verfiel dem Schaffensrausch:
Aus den Haaren seiner Nasen
einen knappen Hektar Rasen,
voll mit vierundzwanzig Toren
aus dem Schmalze seiner Ohren.
Dann Stutzen, Stollen, Trikottausch.
Den Strafraum, das gestreckte Bein,
Elfer (Schwalben gab’s bereits),
neben Dies- und Jen- das Abseits,
Teamchefs, Trainer und noch Affen,
welche all das gern begaffen,
die VIP-Lounge, Foul und den Verein.
Da ging ein Singen durch die Wälder:
Seht – das neue Paradies!
Dies fand nur der Teufel mies.
Ach, und wie es kommen muss,
kam es dann: Zum schlechten Schluss
schuf der den Mayer-Vorfelder.
***
die zehen des riesen sind keine hütten
& wenn er den fuß wieder aufhebt
vergangen
(Elke Erb, Gänsesommer, S.20, 2005)
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