(Anachoret)

Ich lasse einen Bogen Papier zu Boden taumeln.

Ich lasse die Löwenzahnstauden wachsen

und Samen bilden,

ich lasse die Morgenluft ins Zimmer dringen.

Nichts ist zu tun.

Nichts ist zu verstehen.

(Christian Lehnert, Ich werde sehen, schweigen und hören, S.36, 2004)

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über das Wasser

der Nebel geht übers Wasser

erstaunlich sag ich

muss also um übers Wasser

zu gehen vom Wasser sein

(Heinrich Detering, Schwebstoffe, S.28, 2004)

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zeitungsbilder, ekphrasisch

nein, wenn man es nicht weiss, man kann hierauf nicht erkennen, dass es sich bei dieser person in der rechten hälfte des bildes um ludwig hohl handelt, der, etwas verwirrt, aus seiner klause (in seiner klause?) in die kamera blickt, 1967, photographiert von daniel vittet, im vordergrund: zeitungen, papiere, notizzettel auf einer leine aufgehängt, wie nasse wäsche, hohlsches archivsystem, produktionsästhetik, wie seine texte: klamm, kalt und noch nicht ganz trocken, spirituosenflaschen auf einem kleinen tisch, rechts aussen, im unteren drittel, der tisch in der mitte: „zugemüllt“ würde man heute vielleicht sagen, ein spiegel, in der bildmitte links, könnte aufschluss über den rückraum geben, man erkennt darin weitere flaschen, wein vermutlich, halb voll oder halb leer, ein stuhl darunter, nach links aussen gekehrt, zum diewandanstarren, vermutlich, darüber: porträt eines finsteren älteren herrns, zwischen schopenhauer und ernst jüngergrimm, ist, sind es natürlich nicht: die zeit! ansonsten: nicht viel zu sehen, vielleicht sollte noch von einem in elegante falten geworfenen vorhang berichtet werden, weiss anmutend, der aber eher, seinen lebensgewohnheiten entsprechend, nikotinbraun vorzustellen ist, und überall papier, das schatten wirft; rechts aussen verdampft eine zigarette, darum auch die seltsame haltung der hohlschen linken hand: verkrampft, als hätte man sie ihm gerade daraus entrissen. sonst: nicht viel zu sehen. wirklich nicht.