Autor: etk
Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 08/2013)
Aber jetzt bist du auf der kleinen Insel. Egal, wer du bist. Du stehst da und das Wasser leckt an den Füßen.
Es ist wie damals, als du einmal ernsthaft versucht hast, das Wasser aus dem voll aufgedrehten Wasserhahn mit den Händen aufzuhalten: also absichtlich voll aufgedreht, kaltes Wasser, und dann die Hände rangepresst; es schoss in alle Richtungen davon, das hast du im Voraus gewusst, aber dennoch, du dachtest, es wäre vielleicht zu schaffen. Du hast es wohl gut zwanzig Minuten versucht. Das Badezimmer sah danach aus wie nach einer Wasserballonschlacht.
Du hast dich geschämt, dass es nicht gegangen ist.
Kann auch das Auge zu viel trinken? Schon ist der Glanz des Himmels durch die Lüfte ergossen. Ich trinke aus dem Blau der Riesen, tauche mein Auge ins Grün der Wiesen. Alles vergleitet.
Das einfache Schweizer Volk: Mann, diese Männerphantasien. Noch nie was von Rollenspiel gehört?
Ich: Urgl?
Fuck-Röschen: Ja, dann wäre ICH der Dorn.
Wie mein Hi-hi-Hirn funktioniert
Ach, das meiste wird furchtbarer Scheiß gewesen sein, wir alle vollgedröhnt vom Alk und den Joints. Einmal hat Schüll sogar einen Sechser-Joint-Apparat gebaut. Man sog allein an einem Rohr, wo der Rauch aus einer kleinen Kugelkammer kam, in die die sechs Joints führten. Die zündete man dann alle an und sog und sog aus Leibeskräften. Dann noch Bier und Schnaps und Musik. The Cure oder Floyd, meine Güte. Also zumindest mit der Musik hörten wir etwas, das massentauglich war.
Nunja, auch das Ich-bau-den-größeren-Joint wurde praktiziert. Fast wie eine Schwanzparade. Alle fleißig am bauen. Wer den längsten hatte, durfte zuerst anzünden. Und reden. Dann der korrekten Reihenfolge nach der weiteren Länge der gedrehten Joints. Bla bla. Was wir da alles wohl gesprochen haben?
Aber es ist halt so: Auch die Bilder sind verschwommen. Was hat zum Beispiel der Blick gesehen, wenn er zum Zimmerfenster der Kindheit hinausblickte? Du hättest irgendwo noch eine Fotografie, aber das ist doch nicht dasselbe. Du versuchst dir all die Szenen deines Lebens als eine wiedererstandene Vergangenheit vorzustellen, zwingst deine Augen, die Gehenden nach einstiger Mode zu kleiden, fast gelingt es dir, in dem einen Auto das kraftlose, irgendwie Armselige zu erblicken, das dich beim Anblick einer Kutsche im historischen Museum befällt. Aber die Zukunft und der Blick von ihr zurück ist nicht übertragbar. Ein vergebliches Experiment, das einen Schwindel auslöst, seltsame Verkehrungen, wie wenn man mit dem Kopf im Sand stecken und von unten beobachten würde, wie die Leute gehen: Das Knie beugt sich, der Fuß scheint den Erdboden zurückzustoßen.
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Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 07/2013)
Eigentlich lebe ich nur noch, weil ich manchmal das Gefühl habe, ich werde am Morgen aufwachen und wieder ein Kind sein in einer Familie, die besser ist als die in meiner Kindheit.
Der Vogel heute, der sich verirrt hatte und klagend-schön schrie, immer wieder, viel zu oft: Er lebt in der falschen Welt; wie ích, wie ích.
Die Härte des Lebens, was man nun Wirklichkeit nennt, Lebenskampf oder soziale Eingliederung, die nicht gelingende Anpassung an die Umwelt, was für ein blödes Wort, und all das bedeutet doch nur, dass es meist ein schlechtes Leben ist und eine verfluchte Welt.
Die Lust am Blick bezwingt das acherontische Grauen.
Karl May hat beim Schreiben natürlich nie an etwas anderes gedacht als an das, was wortwörtlich dasteht, sicher. Hier ein Beispiel: Als ich ihr die Hand gegeben hatte und mich nun von ihr wendete, erblickte ich den Bläser der Signalpfeife. Er winkte mir und ging davon, indem er sich einige Male umsah, ob ich ihm folge. Leider verstand er weder meine, noch ich seine Sprache. Dennoch hörte und begriff ich auf das Deutlichste, weshalb er mir gewinkt hatte. Er griff nämlich sein Rieseninstrument, welches in der Ecke lehnte, spitzte den Mund, formte ihn zu einem weiten, runden Schlauch, legte ihn an das Loch der Pfeife und begann zu blasen, dass sein Gesicht blau, mir es aber rot und violett vor den Augen wurde. Er wollte, ehe wir auf Nimmerwiedersehen voneinander gingen, mir noch einmal den Genuss bereiten, den er für den höchsten des Erdenlebens hielt. Ich hörte ihm zu, bis ich glaubte, Einhalt tun zu müssen, da er sonst unbedingt zerplatzen werde, und gab ihm einige Stücke kleiner Münzen, über welche er so erfreut war, dass er die Pfeife sofort wieder an den Mund setzte. Ich aber machte mich mit der Gänsehaut, welche er mir angeblasen hatte, auf das Schleunigste von dannen.
Die Sprache könnte theoretisch das Absolute vermitteln: mit den Zwischenräumen; es ginge um die richtige Anordnung von Wörtern, auf dass die Wortabstände sagten, was kein Wort sagen kann
Die Schriftis: Wir glauben an die heilige Dreieinigkeit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
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Kleine Sommerpause („Cervelat-Grillen mit den Calaveras“)
Wir machen eine kleine Sommerpause bis zum 29.7. In unseren Sommerpausen entstehen immer tolle Projekte, wie letztes Jahr, beispielsweise:
Eine Papercam-Story
Viel Vergnügen!
Lieferbar: The Bellbox Archives (Schellenböxli 1-10)
Supplement-Katalog von Hartmut Abendschein
The Bellbox Archives (Schellenböxli 1-10) ist Installationsobjekt bzw. Guckkasten-Assemblage, das 2012 als Supplement zu Schellendiskursli / Schellenexkursli entstand. Es handelt sich dabei um 10 beleuchtete Archivboxen als Guckkästen, die Wimmelbilder und kleine Objekte enthalten, die sich wiederum auf den Schellen(disk)ursli-Komplex beziehen. Dieser kleine Katalog (12 S. mit Farbbildern, limit. Aufl. von 50 Stück) dokumentiert die Inhalte der Boxen und die Boxen als Ensemble und ist nun erhältlich.
Katalogbilder und Objekte:

(Katalogseite, Box 01)


(Objekt, beleuchtet)

(Blick in eine Box)