Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 11/2013)

»Xxx«, sagte sie, halt etwas, was weiß ich, was. Das sollte man überhaupt einführen in Texten, dass man schreiben kann: Xxx, kam es aus der Küche. Er sah fern. Was kümmerte ihn ihr Geschwätz.

[Doktor Fausto Frederico Tedesco Wagner stellt uns folgenden Beitrag zur Verfügung:]

DER SCHLÜSSEL ZUM WAKE

Dieses Schnäuzchen, wie er da am Platzspitz steht, sieht er nicht aus wie einer, der möchte Deutscher sein (der Teufel zur Faust)? Immerhin die deutsche Sprache liebte er, wollte in ihr schreiben, zweifellos. Sein einziges Theaterstück wurde zu seinem Entzücken auf Deutsch uraufgeführt. Im Ulysses kommen Wortschöpfungen vor, wie sie nur im Deutschen üblich sind: bullockbefriending, zum Beispiel. Und wo hat er lange gewohnt: Im K-und-K-Reich, der Monarchie. Und in der Schweiz. In Italien hat er Ettore Schmitz (sic!) gefördert. In der Schweiz sich gegen England gesträubt.

Der Prozess des immer tiefer vorhandenen Wunsches, seine Werke in Deutsch zu schreiben, liefert der Wake, ein Werk im Prozess: Wenn es zu Beginnn an einer Stelle noch hieß: over and over, so wird das bald einmal zu ufer and ufer. Ja, Joyce weist auf seine Deutsch-Affinität schon mit dem ersten Wort hin: Meint riverrun nicht deutlich Erinnerung?

Eine solche Deutung sei strengly forebidden? Geh, versteck Dich hinter dem Riesengeborg, sag Gutenmorg zu all den anderen Osti-Fostis dort und erlaube mir zassnoch: Nicht alles scheint auf der oberflake liegen zu kommen, viele Gedankjen schlummern unter dem Feigenbaumblatt wonnerful unterdrugged.

Dass is it duss oder auch: Es ist eine Hundesleben!

Kartoffeln zum Raclette kommen ursprünglich nicht aus der Schweiz, Geranien auch nicht – die obendrein eigentlich ›Grummligen‹ heißen sollten. Aber so nennt man im Innland schon jedes zweite Dorf der Schweiz. Der Insider weiß warum.

Da steht ein Herr; und ich in ihm: Wer aber ist dieser?

Bevor ein Hinweis gedeutet werden kann, muss er als Hinweis erkannt werden.

Ich schreie und brülle gekonnt meine Zeichen – bin aber umgeben von Blinden. Komm Hundi, komm!

Die Lohnschere geht immer mehr auf, die Parzen können nicht mehr knipseln; es leben Direktoren wie Putzfrauen munter auf ewig weiter.

Dominik Riedo: Ero di Minidok.

Zwist unter Zauderern.

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Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 10/2013)

Im Namen des Fetten, des Lohnes und des Holocaust.

Die Phrenologie ist nicht mehr Sache unseres Jahrtausends. Trotzdem meinen wir zu wissen, wann wir einen ›Charakterkopf‹ vor uns haben. Auf Eduard von Keyserling (1855–1918) trifft dies aus Sicht der meisten Menschen kaum zu: Als derart hässlich und im direktesten Wortsinn ›dekadent‹ gilt der Schriftsteller durch das Porträt von Lovis Corinth, das ihn als Mittvierziger zeigt. Doch vielleicht liegt diese Wirkung hier vornehmlich darin, dass der nobel aufrechten und stolzen Haltung des Grafen das Gesicht quasi widerspricht: Eingefallen und bleich scheint es, dazu kommen eine proportional zu große Nase, wüste Tränensäcke und ein praktisch nicht vorhandenes Kinn. Die Augen schauen wie ›entgeistert‹ ins Leere.

Wer liebt einen Schwabbel-Schwamm?

Ich schmeiss alles hin und werde Operettenprinz.

Das Christentum in seinem Jetzt-Zustand und seiner Herkunft kann gut für alle Religionen stehen: Seine verderblichen Funktionen offenbaren die Negativität religiöser Vorstellungen und kirchlicher Systeme an sich. Diese Herrschaftssysteme dienen objektiv weder Befreiung noch Erlösung (das tut zwar Literatur auch selten, aber:) … sondern Unterdrückung und Desorientierung.

Jean Pauls Prinzip der Traum-Literatur: leichter als Luft. Das Konstrukt der Techniker: schwerer als Luft.

Widerstreit zwischen der Welt, wie sie (fast) alle wahrnehmen können und der Art, wie sie mein Körper noch wahrnimmt.

All diese kleinen Wohnlebgelegenheiten: Jedes Mal ein herbeigesehnter, mechanischer Uterus?

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Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 09/2013)

DRs ungeschriebene Bücher: Ich möchte mal ein Buch schreiben mit dem Titel: ».«. Das wär nett. Wie soll der Inhalt aussehen? Egal.

Wann ist

Es so

Weit

Gekommen,

Dass man

Irgendwo

Zeilen trennen

Kann und

Das Gebilde

Dann

Gedicht nennen?

 

 

NIEBELSCHÜTZ

Ein feiner Hörsinn:

Aus jeder Wunde

Wurden Ohren.

Mit solchen Ohren

Hörte er

Die Welt.

Zu viel

Getöse für

Diese Ohren.

 

 

Auch die Distanzen waren beängstigend. Warum ist die Welt, warum ist das Universum so eingerichtet, wie wir es erfassen? Du hast das schon als Kind aufgeschrieben und erst später bei Joyce gesehen, dass er dasselbe gemacht hat: »Ich wohne in Littau, Kanton Luzern, Schweiz, Europa, auf der Erde, im Sonnensystem, in der Milchstraße, im bekannten Universum …« Also erstens einmal mehr: Alles schon gedacht, alles schon getan, alles schon aufgeschrieben. Wieder hast du etwas abgebrochen. Und zweitens, eben: diese Distanzen! Oder diese Wege. Du wirst nie die ganze Schweiz sehen, geschweige denn ganz Europa. Wann aber hatte man genug gesehen, um über die Welt reden zu dürfen. Und wie weit waren die Besuche austauschbar: Konnte man New York schon mit siebzehn sehen oder erst mit siebenundvierzig? Und was musste man vorher gesehen haben, damit man bei nur einem Besuch alles mitbekam, was wichtig war. Soziologisch, architektonisch, kulturell, zeitgeschichtlich, kulinarisch et cetera. Man sieht nur, was man weiß …

Weiter gefragt: Wie weit waren die Erlebnisse im Leben austauschbar, damit man am Ende doch ungefähr gleich über eine Sache denken würde wie jetzt? Oder würde die kleinste Vertauschung schon einen ganz anderen Menschen aus einem machen? Du dachtest, ganz am Ende wüsstest du vielleicht darüber etwas Bescheid. Aber das weißt du weniger als zuvor. Der Kopf voll Äther.

Im Traum bin ich von bösen Bikes vergewaltigt worden: Soll ich abtreiben? Kleine Fahrrädchen rollen schon in meinem Uterus herum …

Wie mein Hirn funktioniert: Sehe ich Militär, denke ich: PENG!

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Veranstaltungshinweis: EIN GEMISCHTES DOPPEL (Fr, 20.9.2013, Kulturbahnhof Affoltern)

etkbooks präsentiert:

Elisabeth Wandeler-Deck liest aus dem Erinnerungstext «Ein Fonduekoch geworden sein» und Hartmut Abendschein gibt die multimediale Performance-Lecture «Schellendiskursli / Schellenexkursli – eine poetische Analyse des Schellenursli.»

FR, 20.9.2013 KUBAA

TÜRÖFFNUNG UND BAR AB 18.30 UHR

LESUNG UND PERFORMANCE 19.30 UHR

KULTUR BAHNHOF AFFOLTERN

http://WWW.KUBAA.CH

Mehr:

http://www.etkbooks.com/fonduekoch

http://www.etkbooks.com/schellendiskursli

Giacomo Joyce – Schellendiskursli – Fondueköche – Süditalien (Werkstattbrief 2/13)

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir freuen uns, Ihnen folgende neue Texte und Arbeiten vorstellen zu dürfen.

James Joyce:

Giacomo Joyce.

Originaltext mit Aneignungen von

Alban Nikolai Herbst und Helmut Schulze


September 2013, 72 S.

ISBN: 978-3-905846-25-6

„My words in her mind: cold polished stones sinking through a quagmire.” [JJ]

„Eine Spätzin unter den Wagenrädern Dschagganaths, des bebenmachenden Erschütterers der Welt. Sei ihr freundlich, Masser Gott, gròsser Masser Gott!“ [ANH]

„Eulenaugen, neunmalklug. Eulenklugheit starrt aus ihren Augen, die sich bei ihrer Summa gegen die Heiden ganz auf die Neunerprobe verlassen.“ [HS]

Die Notate des „Giacomo Joyce“ entstanden in Triest wahrscheinlich um 1914/15. Sie sind das poetische Protokoll eines verbotenen Begehrens und wurden zurückgehalten; einzelne Formulierungen flossen aber deutlich in Joyces berühmten Roman „Ulysses“ ein. Fünfundvierzig Jahre nach Klaus Reicherts Übersetzung von 1968, die unmittelbar auf Richard Ellmanns Freigabe der Originaltexte folgte, legen Herbsts und Schulzes „Aneignungen“ überraschend neue Interpretationen des Protokolls dieser innigen und doch hoch skrupulösen, weil „inkorrekten“ Leidenschaft vor. (Klappentext)

Mehr: http://www.etkbooks.com/giacomo_joyce

http://de.wikipedia.org/wiki/James_Joyce

http://albannikolaiherbst.twoday.net/

http://parallalie.twoday.net/

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Hartmut Abendschein:

Schellendiskursli / Schellenexkursli.

Eine poetische Analyse des “Schellenursli”

mit einem Kommentaressay und zahlreichen Illustrationen

sowie einem Nachwort von Elisabeth Wandeler-Deck


Juli 2013, 92 S.

ISBN: 978-3-905846-24-9

zur tagesrückzeit nacht das dorf

der mensch schläft was sich nun bewegt

ist die natur spürt spuren auf zäsuren

noch bevor es dazu menschelt fragt sich

was hat ursli was der neue glocken

mensch verloren neben unschuld para

dies ursprünglichkeit und gartenzaun der kindheit

aufgegangner mond erkenntnis zugewinnt

den adam eva kleist motor er rattert

schon das dorf liegt noch in blindheit

Das bekannte Kinderbuch „Schellenursli“ (Carigiet/Chönz, 1945) geniesst in der Schweiz Kultstatus. Dabei wird es, seit seiner Publikation, weitgehend kritikfrei als Kanoniker und Identitätstext durch die Jahrzehnte gereicht.

Zum bald 70. Geburtstag möchte sich „Schellendiskursli / Schellenexkursli“ diesem Text in experimenteller, poetischer Weise nähern und Probleme und die Vielschichtigkeit der darin versammelten, diskursiven Einlassungen im Bild und Text untersuchen. Dabei geht es nicht alleine darum, beispielsweise – aus heutiger Sicht – neoliberale Ideologeme zu markieren und zu stigmatisieren. Vielmehr durchziehen Bild und Text multiple Diskursaussagen, die breite Wissensfelder der

Theologie, Psychoanalyse, Ökonomie, Philosophie, Sexualität, Literatur etc. berühren: „Schellendiskursli / Schellenexkursli“ greift diese auf und dekonstruiert sie zu einem komplexen, assoziativen Gewebe, das neue Zugänge legen soll.

Mehr:

http://www.etkbooks.com/schellendiskursli

http://de.wikipedia.org/wiki/Schellenursli

STIMMEN: “Ursli und die wunderschöne Dialektik” (Rez. in WOZ, 5.9.13) / “Nicht nur Linguisten und Sprachwissenschaftler werden ihre Freude am Buch haben, sondern auch generell Interessierte an der Materie und Menschen, die Texte kritisch hinterfragen. Zudem eignet sich „Schellendiskursli / Schellenexkursli“ auch als Lehrbuch darüber, wie man Texte zerlegen und analysieren kann.” nahaufnahmen, 24.08.2013 / “Die Härte der Glockenzone – eine Schelle” in: Salzkristalle und Trüffelpilze, 2.7.2013 / Beitrag und Interview in “Subkutan” Radio RaBe, 3.7.2013

Hartmut Abendschein lebt und arbeitet in Bern. Zuletzt erschienen: “Die Träume meiner Frau. Hybride Stoffe” (2007). “Bibliotheca Caelestis. Tiddlywikiroman” (2008). “The Chomskytree- Haiku (Rhizome(Rhizome))” (2011). Dranmor (2012). Mehr: http://www.abendschein.ch

Mehr: http://www.etkbooks.com/schellendiskursli

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NEU als E-Books / Digitale Editionen (http://www.etkbooks.com/ebooks):

Giuseppe Ungaretti:

Süditalienische Reise.

Mehr: http://www.etkbooks.com/sueditalienische_reise

“Erinnerungen und Träume lassen die Zukunft reifen” (Nachwort – nicht im Band enthalten)

STIMMEN: … diese anmutige Hingabe an die Orte (»unheimlich und episch«, wie es einmal heißt), das am Ende mit dem Autor »ziel­los[e]« Herumstreifen in Neapel – all dies ist mit diesem Buch möglich, wozu auch die kongenialen Zeichnungen von Sabine Jansen beitragen. in: Begleitschreiben, 28.7.2013

Elisabeth Wandeler-Deck:

Ein Fonduekoch geworden sein.

Mehr: http://www.etkbooks.com/fonduekoch

STIMMEN: “Elisabeth Wandeler-Deck hat eine sehr schöne Form und Sprache für beide Themen gefunden, Essen und Familie. Und viel hineinverpackt zu Vanillekipferln, Loup de mer, Tafelspitz, Zuger Kirschtorte, Kleinem Gulasch oder Safranreis.” Ingrid Fichtner

“Da habe ich ein sehr schönes und überaus witziges Buch erhalten. Die Spaghetti-Zeichnungen sind im Zusammenhang mit den Rezepten ebenfalls witzig. [Elisabeth Wandeler-Deck hat] wirklich ein Familienbuch geschrieben – darüber hinaus, dass es auch an ein Familienkochbuch erinnert.” Zsuzsanna Gahse

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Veranstaltungen / Save the date:

Gemischtes Doppel.

Mit Elisabeth Wandeler-Deck (“Fonduekoch”)

& Hartmut Abendschein (“Schellendiskursli”-Performancelecture)

20. September 2013, Zürich, Kulturbahnhof Affoltern

25. Oktober 2013, Zürich, Cabaret Voltaire (Zürich liest)

Hybrido Unreim.

Roland Reichen, Christian de Simoni und Hartmut Abendschein

28. November 2013, Bern, Café Kairo, Mehr: http://www.unreim.ch (Lieferbar: Automatentexte)

Hybrides Publishing.

15. April 2014, etkbooks @ Universitätsbibliothek Bern (Vortrag, Buch am Mittag)

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Online-Publikation:

litblogs.net – literarische weblogs in deutscher sprache (ISSN 1662-1409):

Lesezeichen 2/2013. – 8. Juli 2013

In dieser Ausgabe: Naife Gespräche mit Hans Krüsi, schweißlackierte Gesichter, Tiefseeelefanten und kleine Bären, Wachsflecken und Rauchwolken, Königs=Säfte und Stäube in Bewegung, Schreibmaschinen-Poesien auf Bauchhöhe, das Geheimnis einer Blutgruppe, ein Besuch bei Mr. Tomas­z­weska und Newtons Lex prima, eine Puppenversammlung im Niemandsland, Lorenzo Lotto und seine Mutter, geile Dolden, Eidechsen im Regen, ein Hauptbahnhofs-Espresso uvm.

Mit Beiträgen von Stan Lafleur, Dana Buchzik, Rittiner & Gomez, Hartmut Abendschein, Sudabeh Mohafez, Guido Rohm, Michael Perkampus, E.A. Richter, Anatol, Benjamin Stein, Norbert W. Schlinkert, Hendrik Rost, Markus Stegmann, Andreas Louis Seyerlein, Jörg Meyer, J. S. Piveckova, Marianne Büttiker, Christiane Zintzen, Helmut Schulze, Alban Nikolai Herbst, Phyllis Kiehl und Andreas Glumm

Mehr: http://www.litblogs.net/inhalt-022013/

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[etkbooks cover, 2013]

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