Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 01/2014)

Der zum Tode verurteilte in Polen: Er wählt den Schnaps. Sein Körper, der das zum ersten Mal trinkt, genießt es so, dass er nach dem medizinisch eingetretenen Tode gewissermaßen aufersteht, als riesige Alkoholverarbeitungsmaschine, die hinabsteigt in die Erde und von innen heraus die Welt zerreißt.

Kurze Botschaften, Flaschenpost, Gravur im Ring: Was wollt Ihr denn?

Oder ist etwas ganz anderes im Gange: Wenn wir in einer Welt n leben und einen Atemzug tun, so ist die Welt n und wir mit ihr zerstört worden, ins Nichts, aber in der gleichen ›Zeit‹ eine Welt n+1 kreiert worden, die bis und mit dem Atemzug mit der alten Welt n alles gemein hat, um dann gerade mal einen Atemzug länger zu dauern, worauf die Welt n+2 folgt etc.? (Original-Kopie plus einen Hauch mehr / wo n-1 endete, macht n alles bis dahin mit, dann eine Atemgeneration länger etc.)

Thomas Pychons Beschrieb des widerwärtigsten Runterwürgens von Gummifressen (»Die Enden der Parabel«, ca. Seite 190) versus das Marmeladenessen bei Hans Henny Jahnn (in seiner Erzählungen-Sammlung »Dreizehn nicht geheure Geschichten«). Wie tickt die Zunge?

ZWEIHALBJAHRHUNDERT

Nein, ein Genie war unser Schmidt nicht. Unser? Ja, unser: Denn wir erkennen ihn immer, egal ob in Briefen an Heinz Jerofsky, ob im Frühwerk, den mittleren Jahren oder dem Spätwerk: Immer ist da dieser Rhythmus, der Sprachrhythmus, das, was nur bei ihm so zwischen den Wörtern (als quasi ›betonter‹ Zwischenraum) mitschwingt, zwischen den Sätzen: Da war ich hin!: Von dem herrlich ausgewogenen Prosatakt!

Sowieso, Schmidts Werk: ein Hin- und Her – auch der Lebensstimmungen – oder eben Auf und Ab der ›GegenSätze‹: Ganze Geistestreppen besteigt er so, selbstgebaute oder vorgeplante, Hauptsache: hoch hinaus. Und von oben trotzdem noch das kleine Leben mitstenographiert, tief unten.

Eben ›auf und ab‹: Im eigenen kleinen Leben wollte der Lagerbuchhalter der deutschen Literatur in Gedankenwolkenwelten alle überschweben können – und da oben gibt sich das Barometer nicht zu störrisch. Dazu: Wer braucht schon New York, wenn er bei Poe nachlesen kann, wie das früher war: Dieses Bild wollte er sich nicht von der Realität überblenden lassen.

Und tief innen nicht die Angst nähren, dass die ganze Kultur nächstens vor die Säue geht. So liegt in seinem Sprachgefühl auch der Mut und die Wut gegen eine wie auch immer geartete Obrigkeit verborgen oder besser gesagt: eigentlich offen zutage. Die unerhörte Geschmeidigkeit und Vokalharmonie seiner Sprache als Wundmale …

Ah, meine Dame, Sie sind subeffizient.

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Punk Pygmalion – Plunderphonisches – Neues aus der Glockenzone (Werkstattbrief 1/14)

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir freuen uns, Ihnen folgende neue Texte und Arbeiten vorstellen zu dürfen:

Jutta Pivecka

Punk Pygmalion.

Roman in Briefen

Mit Illustrationen der Autorin

Februar 2014, 176 S.

ISBN: 978-3-905846-26-3

Beinahe erinnern die Liebesbriefe an ihre Freundin Emmi aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die M. in ihrem heimlich betriebenen Blog veröffentlicht, in ihrer Unbedingtheit des Gefühls an Briefromane aus einer Zeit der Empfindsamkeit. Damals allerdings stellten sich Erzählung und Erzähler nicht selbst in Frage. Heutzutage sind gefakte Facebook-Profile, falsche Wikipedia-Einträge, und gefälschte Webseiten mit wenigen Klicks zu erstellen. Avatare behaupten, literarische Figuren zu sein und umgekehrt. Was scheinbar harmlos als Wiederbelebung einer alten Liebe anfängt, wird zu einer tragischen Geschichte um Liebe, Freundschaft und Verrat.

You´re making it up“, sagte B., als ich versuchte ihm die Geschichte zu erzählen. Also schwieg ich. Dabei ist dies eine der wenigen wahren Geschichten, die ich erzähle. Eben deshalb wirkt sie erfunden. Ich traf ihn im Sommer 1983 in Berlin. Er war ein Steinmetz aus Aarhus in Dänemark. Wir stießen auf eine Leiche, die in einen Müllsack verpackt im Landwehrkanal trieb. Wir liebten uns unter einem Eisenbahnviadukt. Man sieht sofort, warum B. diese Geschichte für eine – schlechte – Erfindung hält. Ein Mann mit riesigen Pranken, der Grabsteine haut. Eine Leiche, die im Landwehrkanal treibt. Liebe machen im Rhythmus der Züge. „Der Tod und das Mädchen“. Es ist einfach zu perfekt. Sagte B. Aber genau so war es.  (Klappentext)

Mehr: http://www.etkbooks.com/punk_pygmalion

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Multimedia (Veröff.: 18.12.2013)

Hartmut Abendschein: Schellendiskursli (Studio Ed.)

Plunderphonisches Sprechstück zum Buch “Schellendiskursli / Schellenexkursli”.

Video: http://www.youtube.com/watch?v=UIrdm8cpguY

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NEU als E-Books / Digitale Editionen (http://www.etkbooks.com/ebooks):

Hartmut Abendschein:

Schellendiskursli / Schellenexkursli.

Eine poetische Analyse des “Schellenursli”

mit einem Kommentaressay und zahlreichen Illustrationen

sowie einem Nachwort von Elisabeth Wandeler-Deck


STIMMEN: “Ursli und die wunderschöne Dialektik” (Rez. in WOZ, 5.9.13) / “Nicht nur Linguisten und Sprachwissenschaftler werden ihre Freude am Buch haben, sondern auch generell Interessierte an der Materie und Menschen, die Texte kritisch hinterfragen. Zudem eignet sich „Schellendiskursli / Schellenexkursli“ auch als Lehrbuch darüber, wie man Texte zerlegen und analysieren kann.” nahaufnahmen, 24.08.2013 / “Die Härte der Glockenzone – eine Schelle” in: Salzkristalle und Trüffelpilze, 2.7.2013 / Beitrag und Interview in “Subkutan” Radio RaBe, 3.7.2013

Mehr: http://www.etkbooks.com/schellendiskursli

James Joyce:

Giacomo Joyce.

Originaltext mit Aneignungen von

Alban Nikolai Herbst und Helmut Schulze


STIMMEN: “(…) Bemerkenswert die unterschiedlichen Versionen von «adultery of wisdom». Herbst interpretiert auf den ersten Blick plausibler. Es ist Giacomo, der betrügt, und Herbst führt die «Weisheit» dann in die Kulturgeschichte zurück. Schulze geht weiter weg: Bei ihm betrügt die «wisdom» als ein falsches Orakel. Einen Sieger gibt es da natürlich nicht.” (Rez. von Stefan Howald in: WOZ, 7.11.2013)

Mehr: http://www.etkbooks.com/giacomo_joyce

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Veranstaltungen / Save the date:

Hybrido Unreim: Programm #2.

Roland Reichen, Christian de Simoni und Hartmut Abendschein: 18. März 2014, Bern, Heitere Fahne (http://www.dieheiterefahne.ch/), Mehr: http://www.unreim.ch (Nur noch wenige lieferbar: Automatentexte)

Hybrides Publishing.

15. April 2014, etkbooks @ Universitätsbibliothek Bern (Vortrag, Buch am Mittag / BTO)

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Online-Publikation:

litblogs.net – literarische weblogs in deutscher sprache (ISSN 1662-1409):

Lesezeichen 4/2013. – 14. Januar 2014

In dieser Ausgabe: Drohnen und Schreibwerkzeuge, lachende Möwen und revanchierte Narben, die Lyrikproduktion im 19. Jahrhundert, alte Bäcker und Krötenschleudern, Lektorate ausgeschickter Fäden, Daniel Odija und Rainer Maria Rilke, schlummernde Brunnen und Glockenumzüge, die lefzenden Felle des Francisco Goya, Wandertriebe und Sitzen auf Bänken, Baldrian extra-stark und Kondome, Originalmeisen, Bootcamps, das Gewesene uvm.

Mit Beiträgen von Andreas Louis Seyerlein, Rittiner & Gomez, Dana Buchzik, Florian Voß, Guido Rohm, Carolin Callies, Mirko Bonné, Benjamin Stein, Norbert W. Schlinkert, Jörg Meyer, Hartmut Abendschein, Michael Perkampus, J. S. Pivecka, Anatol, Stan Lafleur, Marianne Büttiker, Andreas Glumm, Alban Nikolai Herbst, Phyllis Kiehl, EA Richter und Christiane Zintzen.

Mehr: http://www.litblogs.net/inhalt-042013/

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Unsere Bücher können über den Buchhandel oder direkt beim Verlag bezogen werden. Ausführliche Informationen über unsere Neuerscheinungen und das Gesamtprogramm finden Sie im Internet unter http://www.etkbooks.com

edition taberna kritika

gutenbergstrasse 47

ch – 3011 bern

tel.: +41 (0) 33 534 9 308

http://www.etkbooks.com

etkbooks @ SWIPS (swiss independent publishers)

http://www.swips.ch/

Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 12/2013)

»Man muss das Leben wegwerfen, um es zu gewinnen.« Die Kafka-Schnecke hat gut reden, ein Wunsch-Käferchen erträgt das.

Die Baumschau: Wer findet den besten Ort, von wo man in einer Baumgruppe etwas Bestimmtes sehen kann: Schlangen in den Haaren von Meerjungfrauen? Männer, die sich mit Hüten der Welt verschließen? Urteil des Paris.

Die Stutzer kriechen herum wie nimmergeschlüpfte Schmetterlinge; und einer gleicht dem anderen.

Lautstärke in Texten anzugeben mit den entsprechenden Schallwellen: ( oder (( oder ((( oder ((([ oder ((([[ oder ((([[[ oder ((([[[{ ((([[[{{ ((([[[{{{ oder ((((( …

Der Essschlund riecht nach Klopstock. Faulig.

Wie bei Joyce und seinem A E I O U, so auch hier: Austria Erit In Orbe Ultima oder Am End is olles umasonst.

Grünere (bessere Erde): Vielleicht hat in 40 Jahren jeder ein Arschputztier im Klo, das sich von den Fäkalien ernährt. Vorteile: kein WC-Papier-Verschleiß, mehr Spaß beim Scheißen.

Neues Institut der ›Todeswahrheit‹ gründen: Immer – wenn es möglich ist – gehen sie ans Sterbebett und fragen, was sie oder er nie lautheraus gesagt habe, obwohl es doch völliger Blödsinn sei. Bei genügend gleichen Aussagen wird dagegen angegangen, mit allen Mitteln.

Das Gummiband, fallengelassen, bildet eine Lemniskate.

Der Metamorf, er geht um und wandelt.

Kroatien und seine Abstimmung auf Bellfehl der Kirche und im sogenannten ›Namen der Familie‹ –: – Ich dachte, es wäre alles im Namen des Pfatters!

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Video: Schellendiskursli (Studio Ed.)

Auf Veranstaltungen an denen auch der Schellendiskursli-Text als multimediales Sprechstück inszeniert und personifiziert wurde, wurde öfter angeregt, dies doch auch als Video anzubieten, da es sich in besonderem Mass dazu eignete. Voila! Wir haben Kosten, aber keine Mühen gescheut und das Stück nun mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten umgesetzt.

Unserer Autor- und Leserschaft wünschen wir einen angenehmen Jahreswechsel