Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 04/2012)

Krautlos pennen meine Leider.

Laulos plirren meine Lider.

Leutlos flennen meine Lieder.

Meine Geburt, das Geworfensein in diese Welt war und ist schlimm. Was macht mich so sicher, dass nach dem Tod nicht alles noch viel schlimmer ist?

Sauna-Yoga in Luzern. Die vergeistigte Vorplapperin: »There is no life. There is no body.« Ein Mann zieht (bei gut 45ºC) sein Shirt aus. Die Vorplapperin: »There is no life, there is no body, jaja, go on, we wish we could do the same … There is no body, there is no life …«

Astrologie: Den Gang der großen Weltkörper auf sein armseliges Ich beziehen.

»Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!« – Aber wenn doch sowieso keine anderen da sind … – Die Absurdität und Dämlichkeit der monotheistischen (christlichen) Religionen.

Wie ernst man es auch immer meint: Die Joke-Gesellschaft nimmt Kafka spielend ins Schloss auf: Endgame! (Sie haben das Ziel erreicht: congratulation!)

Kafkakacker.

Sei anorgan. Los: jetzt! Mach schon! Mach!! (Die Steine im Hintergrund: on-an-on-an-an-organ! On-an-on-an-an-organ!!)

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Die Flüchtigkeit des Aktuellen zeigt die allgemeine Starre.

Nachts. – Als verstellten gerade die Worte, was uns zu schreiben bewegt. Ständige Anrufung dessen, was sie nicht darstellen. Starr zeugen sie vom Ausdruckslosen.

Mein Vertrautes: das Lachen der Debilen, das Spiel der Kinder, der Blick der Tiere.

Clowns und Dompteure der Liebe im Zirkus um ihre Ewigkeit.

Die erste Instanz der Authentizität ist letztlich der Common Sense.

Das ständig Neue illustriert das Immergleiche. Die Flüchtigkeit des Aktuellen zeigt die allgemeine Starre: gleich Abertausenden von Fliegen auf einem Kadaver, deren Zucken den Tod noch statischer erscheinen läßt.

Hoffnung: ein erstes Lebensmüdes.

p52

Die Monotonie seiner Reden fand ihre simple Form.

Sprachrohr. – Die Monotonie seiner Reden fand ihre simple Form.

Die Selbsterkenntnismenschen gehorchen dem Befehl, sich selbst zu erobern.

Was mir an Astrologen nicht behagt: wie sie es wagen, den Himmel anzurühren! Wie ihre Krämerhände Lineale an die Sterne legen, um dann in der Unendlichkeit ein paar Geraden zu ziehen.

Nicht wenige glauben nur an ein archimedisches Ich, hebeln sich aber tatsächlich aus.

Im Augenblick sind wir unsterblich. Im nächsten nimmer mehr.

Die Zukunft aber ist das seltsam ungeeignete, das ständig unfertige, unsichere Nest der Ängstlichen.

p51

Schon fliege ich, schon flattere ich gierig durch die Nacht.

Die heutige Sprache der Liebe beschreibt die Funktion einer Apparatur. Sie zielt auf ein Optimum, sie sucht die Formel.

Mit technischem Raffinement, mit Präzision hält man fest an einer groben Idee: Liebe müsse so justiert werden, daß sie uns dient.

Schon fliege ich, schon flattere ich gierig durch die Nacht.

Und bald gelingt es mir auch, am Tage kopfunter in ihrer Höhlenwelt zu hängen.

Man könne nicht nicht-kommunizieren, heißt es, jedes Schweigen sei beredt. Und so bleibt das absolute Wort, alles sei Kommunikation, geschwätzig leer.

Wenn sie wäre, wie ich sie denke, wenn ich sie dächte, wie sie ist. Ach, welch ein Hegelsches Ende der Liebe!

Die Durchsichtigkeit ihrer Fragen, das Schattenlose ihrer Antworten.

p50

Aus Verschüttetem, Vergessenem die Kunst.

Aus Verschüttetem, Vergessenem die Kunst. Alles Schöne war verloren.

Wie fürchten wir immer noch das Flüchtige! Wir Atavistischen des Tiefen, Festen, Klaren!

In ihren ersten Wünschen, Träumen, ihrem Sehnen lösen, weiten sie sich, in den geheimsten, verborgensten aber, in ihrem Innigsten, fallen sie zurück, regiert wieder der Kleisterklumpengeist.

Freundschaft und Arroganz: es gibt auch Menschen, deren Möglichkeit wir gegen sie selbst zu verteidigen haben.

Alles Selbstverständliche könnte als eine einst erstarrte Natürlichkeit begriffen werden: als Petrifikation.

p49