Die Monotonie seiner Reden fand ihre simple Form.

Sprachrohr. – Die Monotonie seiner Reden fand ihre simple Form.

Die Selbsterkenntnismenschen gehorchen dem Befehl, sich selbst zu erobern.

Was mir an Astrologen nicht behagt: wie sie es wagen, den Himmel anzurühren! Wie ihre Krämerhände Lineale an die Sterne legen, um dann in der Unendlichkeit ein paar Geraden zu ziehen.

Nicht wenige glauben nur an ein archimedisches Ich, hebeln sich aber tatsächlich aus.

Im Augenblick sind wir unsterblich. Im nächsten nimmer mehr.

Die Zukunft aber ist das seltsam ungeeignete, das ständig unfertige, unsichere Nest der Ängstlichen.

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Schon fliege ich, schon flattere ich gierig durch die Nacht.

Die heutige Sprache der Liebe beschreibt die Funktion einer Apparatur. Sie zielt auf ein Optimum, sie sucht die Formel.

Mit technischem Raffinement, mit Präzision hält man fest an einer groben Idee: Liebe müsse so justiert werden, daß sie uns dient.

Schon fliege ich, schon flattere ich gierig durch die Nacht.

Und bald gelingt es mir auch, am Tage kopfunter in ihrer Höhlenwelt zu hängen.

Man könne nicht nicht-kommunizieren, heißt es, jedes Schweigen sei beredt. Und so bleibt das absolute Wort, alles sei Kommunikation, geschwätzig leer.

Wenn sie wäre, wie ich sie denke, wenn ich sie dächte, wie sie ist. Ach, welch ein Hegelsches Ende der Liebe!

Die Durchsichtigkeit ihrer Fragen, das Schattenlose ihrer Antworten.

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Aus Verschüttetem, Vergessenem die Kunst.

Aus Verschüttetem, Vergessenem die Kunst. Alles Schöne war verloren.

Wie fürchten wir immer noch das Flüchtige! Wir Atavistischen des Tiefen, Festen, Klaren!

In ihren ersten Wünschen, Träumen, ihrem Sehnen lösen, weiten sie sich, in den geheimsten, verborgensten aber, in ihrem Innigsten, fallen sie zurück, regiert wieder der Kleisterklumpengeist.

Freundschaft und Arroganz: es gibt auch Menschen, deren Möglichkeit wir gegen sie selbst zu verteidigen haben.

Alles Selbstverständliche könnte als eine einst erstarrte Natürlichkeit begriffen werden: als Petrifikation.

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Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 03/2012)

Das ist das Märchen vom Mann, der nicht aufstehen wollte. Denn wenn er aufstehen würde, müsste er sich entscheiden, was er genau tun solle. So aber sind ihm quasi noch alle Möglichkeiten offen. Und so liegt er und nichts geschieht. Ah, doch: Ein Käfer krabbelt über sein Bett. Und wenn er nicht mehr lebte, so liegt er noch heute.

Bei Nabokov sieht der Ich-Erzähler in Berlin die zukünftige Vergangenheit eines Kindes; ich erkenne in fast all meinen Lebenssituationen bereits beim Durchleben die betreffende Situation als spätere Vergangenheit – und erlebe sie praktisch im Jetzt als ein Danach.

Wir sind beste Androgyne.

Alle Macht der Welt – für ein Glas Gluck!

Die Weisheit aller Bücher – für die Würze des Glucks!

Alle Ehre – für den Schimmer und den Samt des Glucks!

Alle Musik – für das Gluckern des Glucks!

Ich bin eine Kopfweide: Haut man mir eine Idee ab, wachsen unzählige nach.

Geschichten als Erbinformation des Papiers und der Bildschirme. Buchstaben und Bytes als Chromosomen, Tintenkleckse und Abstürze als Ergebnisse Onans.

Das Denken verwandelt den Dialog in einen Monolog.

Früher war in der Politik die weltgeschichtliche Kausalkette Homer-Ovid-Dante-Cervantes-Goethe-Joyce-Walther Blunschli noch gang und gäbe. Heute wird man bei der Erwähnung von Literatur als Schweizer Politiker auf der Nominationsliste von der eigenen Partei gleich sieben Plätze zurückgestuft: Wegen des ›Kontaktverlusts‹ mit der ›Basis‹.

Das Imperfekt der Erzählungen: Zwei Figuren könnten verschieden lange Vergangenheiten haben, obwohl sie am gleichen Tag geboren wurden (siehe Anna Karenina).

Zum Blog Salzkristalle & Trüffelpilze

Dem Mikroskopischen mißtrauen.

„Komm”, flüsterte sie, “folge mir!” Und als sie mich küßte, sich ihre Augen schlossen, träumte sie schon von unserer Einsperrung in ihre Zelle – sie war eine Häftlingsgestalt mehr, nur eine Freigängerin der Liebe.

Oft ist mir, das Leben sei rätsellos. Wir aber suchten, ein Problem zu begreifen, nach einer Lösung. Dies bleibt das Geheimnis.

Ihre unglückliche Liebe ihres Lebens. – Sie zittert, sie weint, sie schämt sich, schlägt die Hände vors Gesicht und stammelt, sie könne es mir nicht erklären! – Ah, wie schön sie dann ist, die Idiotin!

Wie sie sich ihrer erwehrt, verzweifelt nach der Sprache sucht, die sie längst spricht.

Sie legen ihre Scheuklappen ab, um befreit ins Reich der blinden Flecken zu galoppieren.

Dem Mikroskopischen mißtrauen: im feinen, nahen Gewusel verliert sich das Grobe des Blicks.

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