Alles Verdrängte kehre wieder.

Pornographie: Inszenierung einer Geisteshaltung mittels diverser Körper in Bewegung. Systematische Choreographie, rituelles Spektakel des Einförmigen, Vorhersehbaren: es zeigt ständig orgiastisch Zuckendes, Erstarrtes, repetitiv animiert.

Pornographie und “Joghurt mild”. – Zwei Momente, zwei Versprechungen der zeitgenössischen Sinnlichkeit. Die eine: immer verfügbare, immer absolute Lust, d. h. vollkommene Freudlosigkeit. Die andere: eine Wahrnehmungszauberei, nur mehr die Illusion, der Aberglaube an Konsistenz, Farbe, Geruch, Geschmack, d.h. eine Sinnlichkeit ohne Reize.

Alles Verdrängte kehre wieder. Als Phrase aber meist, als Euphemismus.

Erkennen gipfele in einem Urteil. Und fällt mit ihm zurück in den Spalt, aus dem es kroch.

p47

Die Einzelne beansprucht immer, das ganze zu sein.

Wie fremd ist mir die ideale Frau! – Das Ideal ist nicht teilbar, mannigfaltig zu finden. Die Einzelne beansprucht immer, das ganze zu sein. Stimmte ich ihr zu, begegnete ich jeder als Unmöglichkeit.

Versöhnung: Als blickten wir aus dem Paradies am Ende auf jenes andere im Anfang zurück.

Der Dress-Code der Geschäftsleute zeigt Variationen. Ihr Denken trägt die Uniform. Insofern ist der Business-Suit nur äußerlich.

Die Fingernägel der Geschäftsleute. – Überall beschneidet sie der Standard, bestimmt Form und Kürze. Und dies Diktat der properen Maniküre weiß noch die Spuren der Verschandelung zu vermeiden: dem Beiß- und Kauzwang in Krisenzeiten wird das Objekt genommen. Wie dem Autoaggressiven das Ich.

p46

Ihr bleibe ich treu, weil ich sie nicht begreife.

Sie sagt, sie hätte ihr Ziel klar vor Augen. Doch ich vermute, einen Augenblick später ist es bereits hinter ihrem Rücken verschwunden und treibt sie dunkel an.

Der heutige Mensch lebt Tag für Tag für Tag für Ziele, versäumt den Augenblick. Er trifft ständig Vorkehrungen, plant akribisch, in der Zukunft geboren zu werden.

Ihr bleibe ich treu, weil ich sie nicht begreife.

Die Geschäftigen ahnen schrecklich, was ihnen geschehen wird, wenn sie einmal nichts tun. Und so fliehen sie, graben sich immer tiefer ins Verderben – ihre Tätigkeit gleicht nun einer sukzessiven Selbstbestattung.

“Eine Sache besprechen” – Um ein Lagerfeuer sitzen wir. Wir reden auf ein Flackerndes ein, damit es uns antworte.

“Eine Sache kommunizieren” – Wer hiernach handelt, verstreut rastlos kalte Asche in der Welt.

p45

Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 02/2012)

Die Engel, die nennen es Höllenfreud,

Die Teufel, die nennen es Himmelsleid,

Die Menschen, die nennen es: Liebe.

Alles ist zu Ende, die Menschheit wird draufgehen; die Wissenschaftler können nur noch beweisen, dass wenigstens Mikroben auf der Erde überleben werden. Würden wir so getröstet gehen?

Der Verlust an Illusionen schlägt sich nieder als künstlerischer Gewinn. Schön, wer das säuseln kann.

Wiedergeburt: Hört denn keiner, dass ich noch ganz heiser bin vom Todesröcheln?

Dort, wo die Stadt ihr Arsch offen dem Meer zuwendet und ihre Scheiße ausgießt, wo die Sirenen auf die Schweine warten.

All die Pooeten.

Werkle, Maler, tage nicht … lass‘selbst im z‘rwühlten Bett den Pinsel niemals los.

Zum Blog Salzkristalle & Trüffelpilze

Graphic Novels – Netztheorien – Visuelle Texte (Werkstattbrief 1/12)

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir freuen uns, Ihnen folgende neue Texte und Arbeiten vorstellen zu dürfen:

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Sudabeh Mohafez / Rittiner & Gomez:

Das Eigenartige Haus.

(Graphic Novel)

Januar 2012, 52 S.

ISBN 978-3-905846-19-5

„Iwan war im abgeschlossenen Raum hinterm Heizungskeller. Gemeinsam mit Parimarjan ist er dort eingedrungen. Sie haben sich – wir wissen nicht wie – Zugang zu dem dazugehörigen Schlüssel verschafft und sind mit Taschenlampen gerüstet hinein. Iwan wei-gert sich, uns zu erzählen, was sie dort gefunden haben. Er meint, das sei nichts für Menschen wie uns, und es wäre auch viel besser gewesen, wenn er selbst diesen Raum niemals betreten hätte.“ (Klappentext)

Sudabeh Mohafez machte bereits Station in Teheran, Berlin, Lissabon und Stuttgart. Heute lebt sie am Rand des Schwäbischen Waldes. Sie ist freie Autorin, verfasst Romane, Erzählungen und Theaterstücke. Ihr Werk wurde durch zahlreiche Stipendien und Preise ausgezeichnet. Rittiner & Gomez, geboren 1960 in Simplon-Dorf, lebt und arbeitet in Spiez (CH) als Bildermacher und Blogger.

Mehr: http://www.etkbooks.com/eigenartige_haus

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Nun auch als E-Books:

Alban Nikolai Herbst:

Kleine Theorie des Literarischen Bloggens.

Erste Lieferung

(Essay / Erzählung)

September/Dezember 2011, 132 S.

ISBN: 978-3-905846-18-8

Stimmen:

“… die vielleicht erste deutschsprachige Weblog-Poetik überhaupt.” Welt am Sonntag, 04.12.11

“Das Buch war und ist notwendig.” Gregor Keuschnig, Begleitschreiben, 21.10.11

Lektürenotizen von Norbert W. Schlinkert (1-10)

“… es spricht nicht nur über Kunst, es erhebt den Anspruch, selbst Kunstwerk zu sein.” Avenida Perdida, 19.10.11

“Lesen! Die Lektüre lohnt unbedingt.” Benjamin Stein, Turmsegler, 17.10.11

Sammelrezension J. S. Piveckova, Gleisbauarbeiten, 10.10.11

“Wie Anfang des letzten Jahrhunderts die Künste, vornehmlich Musik, dazu tendierten, ihre Entstehungsgeschichte als Teil der Komposition-selbst zu begreifen, so ist der derzeit attestierte Hang von Literatur zum Privaten dessen Weiterentwicklung. Die psychischen Bedingungen zur Entstehung eines Werkes werden zu seinem Material, einem Material. Insofern jedes Werk ohnedies Palimpsest ist, kann es nicht mehr darum gehen, die Spuren zu verkitten, also klassisch bzw. klassizistisch zu arbeiten. Zwar ist auch diese Tendenz Symptom der in sich antinomen Postmoderne. Doch führt die Öffnung der privaten Räume zu einer tieferen Fundierung von Kunst, als zugegeben sein soll. Genau hierfür steht das Literarische Weblog.” (Klappentext, Auszug)

Alban Nikolai Herbst, geb. 1955, ist einer der vielseitigsten, kunstvollsten, aber auch eigenwilligsten Autoren der Gegenwart. Durch den phantastischen Roman „Wolpertinger oder das Blau“ (1993) sowie den ersten Band „Thetis“ (1998) seiner Anderswelt-Trilogie und besonders durch sein Literarisches Weblog „Die Dschungel. Anderswelt“ bekanntgeworden, ist er zudem einer der führenden Denker der postmodernen und nachpostmodernen deutschen Literatur. Nach Louis Begley wurde er auf die Poetik-Dozentur der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg berufen. Sein Werk umfaßt Romane, Erzählungen, Lyrik, sowie Libretti. Außerdem schreibt und inszeniert er für den Rundfunk poetische Hörstücke. Er ist u.a. Träger des Grimmelshausen-Preises, des Fantastik-Preises der Stadt Wetzlar, des Rom-Preises der Accademia Tedesca Villa Massimo. Er war Writer in Residence der Keio Universität Tokio und wurde 2006 mit dem Jahresaufenthalt im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia Bamberg ausgezeichnet.

Mehr: http://www.etkbooks.com/litblog_theorie

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Lyoni bei den Schmetterlingen ODER

Es gibt kein richtiges Leben im falschen.

(etkobjects)

Januar 2012, 24 S., Pocket A6 quer,

Ringbindung, Schutzumschlag

Ohne ISBN

… ist ein Fotobuch mit den Erlebnissen eines kleinen Lyonerschweinchens im Papiliorama bei Kerzers. Das Fotobuch liegt in einer streng limitierten Sonderedition von 100 nummerierten Exemplaren vor und kann nur direkt über den Verlag bezogen werden.

Mehr: http://www.etkbooks.com/lyoni

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Hartmut Abendschein:

The Chomskytree-Haiku (Rhizome(Rhizome)) / TCT-H (R(R).

Eine intermediale Allegorie poetischen Arbeitens

(Prezi-Art, Online-Installation)

2010-2012

“Eine visuelle Abstraktion konkreter Theorie” (Avenida Perdida)

„The Chomskytree-Haiku (Rhizome(Rhizome))“ untersucht und visualisiert die in pragmatischen Texten enthaltenen poetischen Elemente und Strukturen und behauptet diese als Bildtexte mit ebenbürtiger Bedeutung. Das TCT-H (R(R)) ist in diesem Sinne ein polyvisuelles, polytextuelles, polystrukturelles und polytheoretisches Image. Es versteht sich auch als Beitrag einer posttheoretischen Theorie.

Hartmut Abendschein lebt und arbeitet in Bern. Zuletzt erschienen: “Die Träume meiner Frau. Hybride Stoffe” (2007). “Bibliotheca Caelestis. Tiddlywikiroman” (2008). “The Chomskytree- Haiku (Rhizome(Rhizome))” (2011).

Mehr: http://tcthr.etkbooks.com

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Wir liefern aus:

Georg Raabe:

Die halbe Wahrheit.

Hörbuch-CD zum Georg Raabe Onlinearchiv (GROa)

August 2011

Alkoholisierte Astronauten, überhebliche Osterhasen, seltsames Getier, krasse Schöpfungsfehler, politische Rohrkrepierer, Fußball, Männer und Frauen. Und dann noch jedes Jahr Weihnachten. Manchmal kann man an dieser Welt wahrhaft verzweifeln. Oder einfach über sie lachen. Für dieses Hörbuch hat Georg Raabe eine Auswahl aus neun Jahren Arbeit für die „Wahrheit“ (taz) getroffen. Es präsentiert gut die Hälfte seiner dort erschienenen komischen Gedichte, neu durchgesehen und vom Autor persönlich vorgetragen.

Mehr: http://raabe.etkbooks.com/

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