Die Idee einer Frau verfällt nicht.

Wer glaubt, diese Gesellschaft trete ihm nur gegenüber, strotzt mitten in ihrer Dummheit.

Die Kurzsichtigkeit läßt uns die Dinge oft wunderlich sehen. Und gibt uns das Elend der Logik und Zeichenhaftigkeit unserer Wahrnehmung zu erkennen. – Die Kirschblüten schweben über der Vase im Raum. Wir schließen auf die Zweige.

Die Idee einer Frau verfällt nicht. – Ich weiß sie nicht zu sagen, zu begreifen. Weder im Mädchen, noch in der Alten. Mir ist nur manches Mal, als würde ich jenes in dieser und diese in jenem erblicken.

Dieser Zeit fehlt selbst die Erinnerung, das Eingedenken ans Lebendige. – Überall ein schrilles Schreien, ein unmittelbares Gieren nach allem, was sie nicht mehr erfährt.

p44

Lieferbar: Das Eigenartige Haus (Graphic Novel)

Das Eigenartige Haus

Graphic Novel von

Sudabeh Mohafez / Rittiner & Gomez

“Iwan war im abgeschlossenen Raum hinterm Heizungskeller. Gemeinsam mit Parimarjan ist er dort eingedrungen. Sie haben sich – wir wissen nicht wie – Zugang zu dem dazugehörigen Schlüssel verschafft und sind mit Taschenlampen gerüstet hinein. Iwan wei-gert sich, uns zu erzählen, was sie dort gefunden haben. Er meint, das sei nichts für Menschen wie uns, und es wäre auch viel besser gewesen, wenn er selbst diesen Raum niemals betreten hätte.” (Klappentext)

Mehr: http://etkbooks.com/edition/eigenartige_haus

Gerade die Unterscheidungen scharen die Dinge in einem gemeinsamen Raum.

Jener anatolische Bauernlümmel, der in der Discothek Acker und Weib verteidigte. – Er erkannte mich: ja, ich war ja der Gegner ohne Pflug und Sitte, die besitz- und nutzlose Gefahr.

Der Wissenschaftler soll dem Gesetz gehorchen, das er zu beherrschen begehrt. Sein Standpunkt, sein Außen, strahlt desto heller und klarer, je mehr sich jenes Dilemma in ihm verdunkelt. Dies ist seine Selbstverständlichkeit.

Gerade die Unterscheidungen scharen die Dinge in einem gemeinsamen Raum.

Das heutige Barbarische ist das Kalkulierende, das wie ein Raubtier träumt.

Jede Schärfe des Denkens verdankt sich einer Erfahrung gegen den Empirismus.

Und kreist unentwegt um eine Idee gegen den Idealismus.

p43

Jede Negation beginnt mit einer Bejahung der Zeit.

In uns tobt so vertraut die Angst, daß es uns gelang, den einst heiligen Wahn ins Fürchterliche, Kranke zu verschieben.

Verfallsgeschichte der Systeme: von Großgehegen zu Laufställen am Abgrund.

Das Helle zieht mich tiefer hinab.

Wie trunken, wie gierig malt uns das Lebendige die Wirklichkeit! Wie schematisch und routiniert skizziert der Realist das Leben.

Jede Negation beginnt mit einer Bejahung der Zeit.

Das Unmittelbare ist eine komplizierte fixe Idee.

p42

Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 01/2012)

Leidglocke: Wann immer einer unglücklich ist, soll die Glocke des Königs läuten – der König schläft nicht mehr. Sooft jemand auf der Welt unglücklich ist, soll eine Glocke zu(r Idee von) Gott klagen – auf Erden geht der Ton von Glocken nie unter.

Ob man die Menschen so klein züchten könnte, dass wenigstens viel mehr Platz hätten auf der Erde – wenn sie sich schon alle fortzeugen wollen? (Allerdings verfriert ein Zwerg in Menschengestalt.) Aber es würde das Problem wohl einmal mehr nur aufschieben …

Das Bleibende, das Wiederkehrende, das Vergängliche, das Tote.

Die Sympathie läuft der Begründung immer ein Stück voraus und ist oft unanfechtbar. So bleiben Urteile selbst dann problematisch, wenn sie rational begründet werden.

Der Traum von der Objektivität der Erkenntnis ist ausgeträumt. Sowieso: Es ist stets mehr drauf angekommen, mögliche Prozesse der Gewinnung von Daseinswerten zu erhaschen, als endgültige Resultate vorzuweisen.

Stumm lauscht der Chor der Totenmasken ins Archiv der ewigen Stille: Was ist nicht leer wie unsere Augen? Was ist nicht hohl wie unsre Nasen? Was nicht gefühllos wie unser Weiß?

Liebe ist nicht immer Zuphall.

Ein Kunstwerk ist wie ein besser zu handhabendes Kind: Man erträgt allen Frust im Leben, weil man sich immer einredet: »Aber dafür entsteht ja ein Werk!« Und später, wenn die ›wirklichen‹ Kinder anfangen, sich gegen die Eltern aufzulehnen, ist es bei einem Buch immer noch so, als würde es alles akzeptieren. – Aber im Hinblick auf Jahrmillionen: Ist das tatsächlich alles so?

Was schreiben wir anderes als Alternativ-Biographien? Selbst wenn wir über Ameisen schreiben.

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