Neu im etkbooks-Shop: Die halbe Wahrheit (Georg Raabe)

Alkoholisierte Astronauten, überhebliche Osterhasen, seltsames Getier, krasse Schöpfungsfehler, politische Rohrkrepierer, Fußball, Männer und Frauen. Und dann noch jedes Jahr Weihnachten. Manchmal kann man an dieser Welt wahrhaft verzweifeln. Oder einfach über sie lachen. Für dieses Hörbuch hat Georg Raabe eine Auswahl aus neun Jahren Arbeit für die „Wahrheit“ getroffen. Es präsentiert gut die Hälfte seiner dort erschienenen komischen Gedichte, neu durchgesehen und vom Autor persönlich vorgetragen.

Die CD zum Georg Raabe Onlinearchiv (GROa).

Mehr: http://raabe.etkbooks.com/

Hörproben:

Mal im Vertrauen

Vorösterliche Krise

Kurzfilm.

Eine Pistolenkugel wird abgefeuert. Im selben Moment erinnert der Anvisierte einen Kindheitstag am Meer. Die Kugel ist unterwegs, die Gleichzeitigkeit dauert.

Er verliert sich in seinen Bildern (eine Lache geschmolzenen Schokoladeneises zwischen Brandungsgeröll, seine Füße vor ihm, vergraben im Sand, ein lesendes Mädchen mit Gänsehaut, dort drüben auf einem gelben Badetuch, die Silhouetten zweier Tanker am Horizont). – Nicht die berühmten letzten, blitzartigen Bilder vor dem Tod, nicht die kurz aufleuchtenden, vergangenen Augenblicke. Das Geschoß geht in der ihm fremden Zeit spazieren, beginnt in ihr zu wandern. Die Erinnerung aber dehnt sich immer weiter, gewinnt ihre uns fremde, endlos wachsende Genauigkeit. Die Kugel verirrt sich in ihr – verliert an Geschwindigkeit, erstarrt.

Und fällt – ein kurzes, dumpfes Geräusch – ins nun nicht mehr leere Eimerchen des Jungen. – Ende.

p35

Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 11/2011)

Das einfache Schweizer Volk: Kennst du das Land, wo die Melonen schwellen?

Ich: Präteritum!

Das einfache Schweizer Volk: Häh?

Ich: Kannte. Ich kannte es. Oder aber: Schwellten. Ich kenne Land, wo es schwellte. Heute wachsen dort eher runzlige Zitronen …

Möchten Sie als Lehrer lieber von einem ehemaligen Lehrer, einem Lehrer oder von jemandem, der nie Lehrer war, kritisiert werden? (Beruf austauschbar)

Lange lebe der Märtyrer!

Es ist zwar schon lange her – aber was sind schon Jahrhunderte gegen Jahrtausende? – Und also würde es sich sehr wohl lohnen, Städte, Länder und andere geographische Orte, die nach dem ewig-gleichen Christenprinzip Trinidad etc. heißen, endlich nach den wahren Kulturträgern zu benennen: Krausiana, zum Beispiel.

(Doch) Die konstitutionelle Grundveranlagung der Geschichts-Attenäter darf nicht in erster Linie als welthistorischer Kausalzusammenhang gesehen werden: Sie sind alle bloß irrsinnig (und der ›Zusammenhang‹ kommt von ganz woanders …) …

Verbibäbelung.

Kunst-Genießer sind Schattengenießer? – »Glaubt ihr denn, es gebe auch nur den geringsten Unterschied zwischen denen, die in der bekannten Höhle Platons bloß die Schatten und Abbilder […] sehen und bewundern – […] und dem […], der die Höhle verlässt und die wirklichen Dinge erblickt?«

Zum Blog Salzkristalle & Trüffelpilze

ANHs Kleine Theorie des Literarischen Bloggens (Rez. in WamS u.a., E-Books)

http://www.abendschein.ch/wp-content/uploads/anhnetzpoetikwams.jpg

Gestern erschien eine Rezension zu Alban Nikolai Herbst, Kleine Theorie des Literarischen Bloggens: “Netzpoetik, Neugierde & analoge Gaben” (Welt am Sonntag, 04.12.11)

“… die vielleicht erste deutschsprachige Weblog-Poetik überhaupt…” (…) “So wie Herbst Trolle verteidigt (…) hat er unter der Hand eine radikale Rezeptionsästhetik des Web 2.0 vorgelegt.” (…) “Dieses Buch ist der Beipackzettel zu einem Weblog, dessen Risiken und Nebenwirkungen nach wie vor live erprobt werden. Die Betaversion eines Romans. Ein Ort, an dem Links sich ausblenden, wenn sie “vom Cursor gestreichelt” werden. Und das Handy “Mobilchen” heißt! Man muss nicht alle ANH-Manierismen mögen. Aber man sollte das Weblog, in dem der Schreiber zugleich seine eigene Hauptfigur ist, nicht mit einer einfachen Ego-Show verwechseln.”

Weitere Stimmen:

“Das Buch war und ist notwendig.” Gregor Keuschnig, Begleitschreiben, 21.10.11

Lektürenotizen von Norbert W. Schlinkert (1-10)

“… es spricht nicht nur über Kunst, es erhebt den Anspruch, selbst Kunstwerk zu sein.” Markus A. Hediger, Avenida Perdida, 19.10.11

“Lesen! Die Lektüre lohnt unbedingt.” Benjamin Stein, Turmsegler, 17.10.11

Sammelrezension J. S. Piveckova, Gleisbauarbeiten, 10.10.11

Nun gibt es auch die E-Books: für Kindle, EPUB, PDF

Mehr: http://www.etkbooks.com/litblog_theorie

Und oft vergess‘ ich sie zu füttern.

Erinnerung der Ekstase. – Als fände auch jene nicht allein im Gehirn, sondern zerstreut im ganzen Körper statt. Als säße, niste sie dort überall.

Sie lebt nun schon seit Wochen im Hoffmannschen Aquarium. Nicht der verlorenen – der gescheiterten Ideen. Und oft vergess‘ ich sie zu füttern.

Wenn ich dann aber vor ihr stehe, ihr zusehe, wie sie dort schwebt und schwimmt, sich durch die aufsteigenden Luftbläschen laviert, spiegelt sich in meinen Augen, auf der anderen Seite der gläsernen Wand, dies träge, monotone Flimmern. – Ja, meine Tiefseeäugige! Mein knochiges, schönes, nasses Tier! Es wird Zeit, heute werfe ich dich zurück ins Meer…

Nervöses Schreiben am Morgen. Aus dem Unrecht gegenüber dem Schlaf. – Nicht die müden Augen, die Augen aus dem Traum, Augen in der Nacht gewachsen, Augen voller Erinnerung dorthin.

p34