Hitzebilder I

Die Zeitungen verblassten beim Frühstück, welkten dahin im grellen Licht.

Die Katzen vergruben sich in Erdlöchern.

Das Echo einer Melonenexplosion unten im Tal.

Die Allee begann sich zu krümmen.

Sterbeakkorde der Zikaden.

Das Licht verlor stündlich an Geschwindigkeit.

Schatten entstanden in der Utopie.

Konturen begannen zu verwischen, züngelten in die Umgebung und verschmolzen mit ihr. Es gab nun keine Dinge mehr.

Auch die Gesellschaft sah sich gezwungen, ihren Aggregatszustand ins Gasförmige zu verlegen. Sie existierte nun wieder als Idee.

Verbrannte, schwarze Klumpen prasselten auf die Terrasse, Käferleichen. Die Mücken verdampften im Flug.

Der Himmel leerte sich, schließlich verlor er seine Farbe.

Eine Ameisenstraße führte in den Kühlschrank.

p28

Dodel / Abendschein im Cabaret Voltaire: “Von Tieren und Puppen” (Fr., 28.10.)

«Zürich liest» mit SWIPS im Cabaret Voltaire: Franz Dodel liest aus seinem Buch «Von Tieren». Hartmut Abendschein gibt die Performancelecture «Die Verfolgung und Ermordung Julian Paul Assanges, dargestellt durch die Puppentruppe des Hospizes zu Gutenberg … Ein systemtheoretisches Dramolett». (Fr., 28.10., 17h)

Links:

Zürich liest

Cabaret Voltaire / Dada Zürich

swips / swiss independent publishers

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Er pustete, weil es wuchs.

Roman. – Die kleine Hand eines Jungen, ein Ring an einem Stiel, eine gespannte, schillernde Fläche. Anfangs eine sanfte Wölbung, ein Halbbläschen vielleicht. Behutsam füllte er es mit seinem Atem. Gleich würde es sich schließen, sich lösen und zu schweben beginnen, wie es die vielen anderen vor ihm taten. Es aber wuchs zur Blase, deren Größe schon die seines Kopfes überragte. (Ein besonders hübsches, stattliches Exemplar, dachte er. Und freute sich.)

In diesem Stadium, als er zwar staunte, doch jenes Ding, das sich da vor ihm entwickelte, durchaus noch sein großes Bläschen war, spürte er erstmals einen sanften Widerstand. Es galt nun, einen Gegenstrom zu überwinden.

Bald wunderte ihn auch dies nicht mehr. Er zweifelte. Er zweifelte und pustete. Doch dieses eigenwillige, widerspenstige, ihm vertraute unheimliche Ding dehnte sich weiter. Er pustete, weil es wuchs.

Und nur für Leser war es noch von Belang, zu entscheiden, welche Seite denn nun sich nicht zu lösen vermochte.

p27

Salzkristalle & Trüffelpilze (Auszüge, 09/2011)

Diese gerade noch die schwebende Balance haltende Gratwanderung zwischen einigermaßen befriedigtem Leben (Popper) und Entlarvung der Lebenslüge im Sinne Nietzsches und Ibsens …

Bereits wenn wir in die Welt gepresst werden, scheißt uns der Mutter-Darm voll, kaum haben wir den Kopf draußen: Scheiß-Welt! (Aber zum Glück kam ich per Kaiser-Schnitt zur Welt: saubere Hände, muss waschen, waschen, bis alles Blut weg ist, Hände waschen, waschen, waschen …)

Besonnenheit in Gefahr, wenn Sprache menscht!

»Ah, Du willst knutschen.« Sie zieht ein Textilzettelchen aus der Turnhose. »Meine Adresse. Immer nur leicht angenäht … 🙂 «

Ich: »Praktisch …«

Stifters Landschaft (Skizze Arno Schmidts) und Kubins Todessprung: Was schwingt bei wem mit?

Unsterblicher liebt Sterbliche. Er wendet sich kurz ab – sie ist alt und stirbt. … Sein ganzes Dasein ist danach Gesang nach ihr.

Die Künstler bauen Paradiese aus Erinnerung, vielleicht als klitzeklein‘ Tabu dagegen, dass man den Kain mit Erbverdammnis austrieb: Unstet und flüchtig sollst Du sein – sie sind es, im Werk, nicht.

Denn die Tumben sind seine Schäfchen, die das Sterben nicht erleben, weil sie in ihrem Denk- und Empfindungskreis eingeschlossen bleiben. »Ihr werdet den Tod nicht schauen.« – Es erfüllt sich in grotesker Weise.

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